Was steht Hochzinsanlegern bevor?

Ulrich Gerhardt, Senior Portfolio Manager im Anleihenteam von Insight Investment / Foto: © Insight Investment

Das konjunkturelle Umfeld in Europa und in den USA ist für die Anlageklasse Hochzinsanleihen momentan günstig. Gleichzeitig ist das Wachstum zwar so kräftig, dass die Unternehmen florieren und die Gewinne ansteigen können, aber nicht so hoch, dass es die Inflation deutlich anheizen würde. Somit sind Notenbanken wie die EZB in der Lage, ihre Geldmarktpolitik schrittweise wieder zu normalisieren.

Parallel dazu sind die Cashflows auf Unternehmensebene angesichts des aktuellen Umfelds insgesamt solide, während die vergleichsweise lockeren Covenants bei gehebelten Krediten verhindern, dass die Banken einfach den ‚Geldhahn zudrehen‘ können, falls sich die Fundamentaldaten verschlechtern sollten. Davon profitieren in nachrangigen Anleihen investierte Anleger. Darüber hinaus sind die Zinsdifferenzen im historischen Vergleich momentan zwar eng, doch daran dürfte sich wegen der derzeit beispiellos niedrigen Ausfallraten wohl kaum etwas ändern.

Ein deutlicher Unterschied zwischen dem aktuellen Marktumfeld und der Phase vor der globalen Finanzkrise besteht darin, dass zurzeit keine aggressiven Leveraged Buyouts von Private Equity-Gesellschaften zu beobachten sind. Vielmehr werden Hochzins-Unternehmen oder deren Vermögenswerte zurzeit im Allgemeinen eher von Firmen mit Investmentstatus aufgekauft, die Private Equity-Unternehmen dank ihrer extrem niedrigen Finanzierungskosten mühelos überbieten können.

Nach der Finanzkrise waren ‚gefallene Engel‘ (also bedeutende Unternehmen, deren Bonität auf unterhalb Investmentstatus nachgegeben hatte) ein zentrales Investmentthema. Viele der bekanntesten ‚gefallenen Engel‘ wie etwa die Telecom Italia, Anglo American, Heidelberg Cement und Lafarge erholen sich aber allmählich wieder oder haben ihren Investmentstatus sogar bereits zurückerlangt.

Ein neues Investmentthema sind die ‚aufgehenden Sterne‘. Darunter versteht man Firmen, die sich bewusst als „hoch rentierlich“ eingestuft haben. Teilweise sind diese Unternehmen größer und profitabler als ihre Mitbewerber mit Investmentstatus und haben in der Vergangenheit bereits auf vernünftige Art und Weise Hebel genutzt, um ihr Wachstum zu finanzieren und ihre Kapitalkosten zu verringern. In solchen Firmen investierte Anleger halten nach Faktoren Ausschau, die zu einer Veränderung der Kapitalstruktur und damit zu einer frühzeitigen Ablösung einer Anleihe zu einem Aufgeld auf den aktuellen Marktwert führen könnten. Ein gutes Beispiel dafür wäre der zweitgrößte Telekommunikationsanbieter Polens, die Firma Play. Dieses Unternehmen hat sein rasantes Wachstum mit Hilfe von Anleihen finanziert und seinen Marktanteil in Polen damit von 5 Prozent aus dem Jahr 2007 auf aktuell 27 Prozent ausgeweitet. Inzwischen steht auch der Börsengang dieser Firma kurz bevor, der Play 1,3 Milliarden Euro einbringen dürfte, mit denen das Unternehmen dann seine Verbindlichkeiten reduzieren kann.

Marktkommentar von Ulrich Gerhard, Senior Portfolio Manager im Anleihenteam von Insight Investment