Warum sich Transparenz durchsetzen wird

Über das Für und Wider von Provisions- und Honorarberatung wird heftig gestritten. Die Berater in der Finanzbranche beschäftigen sich wieder einmal mit sich selbst. In der hochemotionalen Diskussionen sind Arroganz in der Abgrenzung oder Abzocke von Kunden nur einige Aspekte.

Im Endeffekt handelt es sich bei den beiden Lagern nur um unterschiedliche Abrechnungsformen. Eine kompetente, den Ratsuchenden individuell berücksichtigende Beratung ist mit beiden Systemen grundsätzlich möglich. Der Druck der Verbraucher in Richtung transparenter Darlegung der Abhängigkeiten und in Richtung online-Abschlüsse sind die eigentlichen Triebfedern der Zukunft. Der Megatrend Transparenz wird die nächsten Jahre in der Finanzberatung bestimmen.

Vertrauensschwund

Die Finanzskandale und die große Zahl von Fehlberatungen der letzten Jahre haben das Vertrauen in eine Finanzberatung aufgebraucht. Das nun in der öffentlichen Debatte eine Verschiebung in Richtung Honorarberatung als Allheilmittel erfolgt, wird zu neuen Enttäuschungen führen. Denn es gibt unter Honorarberatern genauso viele gute wie schlechte Berater, darin unterscheiden sie sich nicht von den Provisionsberatern. Natürlich ist die Ausgangssituation bei einer Honorarberatung eine deutlich unabhängigere; partizipiert diese Beratungsform schließlich nicht an ihren Umsetzungsvorschlägen. Aber das garantiert noch lange keine gute Beratung.

Finanzwissen

Das Ziel der Finanzbranche sollte eben nicht zuerst die Beschäftigung mit sich selbst oder das Umsatzdenken sein, sondern hohe Zufriedenheit der Mandanten. Da muss man zunächst mit dem Finanzwissen anfangen. „In Deutschland geben mit 53% europaweit die meisten Menschen zu, keine Finanzbildung zu haben“ (Studie ING/DiBa, Black Rock Inc.). Finanzkonzerne stellen primär abschlussfördernde, gefilterte Finanzinformationen bereit, um ihre Produkte zu verkaufen. Verbraucher können sich dagegen nur begrenzt mit aktuellen, unabhängig ermitteltem Finanzwissen versorgen.

Initiative

Um diese Gegensätze aufzulösen, soll ein solides Finanzwissen die Verbraucher entscheidungsfähiger machen – aber eben unbeeinflusst von Geschäftsinteressen und Abhängigkeiten. Genau das will beispielsweise ein seit Jahren etabliertes Netzwerk von unabhängigen Finanzberatern. Unter www.finanzkun.de findet der Verbraucher einen Fundus von hilfreichen Artikeln aus der Beratungspraxis und täglich kommen neue Tipps und Meinungen hinzu. Dies ist nur ein kleiner Schritt. Es müssten noch viel mehr Einzelinitiativen in Richtung Finanzbildung breiter Bevölkerungsschichten gestartet werden.

Beratung

Nach der engagierten Verbesserung des Finanzwissens kommt als nächster Schritt die wirklich unabhängige Beratung. Eben in keiner Facette der Beratungskette abhängig. Wissensdefizite auf der Verbraucherseite (und damit die mangelnde Urteilsfähigkeit) gefährden zudem ausgewogene Entscheidungen.

Fast jeder Berater hat in einer Empfehlungssituation schon erlebt, dass Produkte manchmal fast gleich oder schwer vergleichbar sind. Da liegt es nahe, an das eigene Portemonnaie zu denken und das lukrativere Produkt zu empfehlen. Schon aus Selbstschutz ist es gut, gar nicht erst in eine solche Situation zu geraten. Folglich sind honorarbasierte Abrechnungsformen eine verlässlichere Basis für eine wirklich unabhängige Finanzberatung.

Qualität

Auch provisionsgestützte Mischmodelle können eine gute, unabhängige Finanzberatung bieten. Es sollte dann aber das absolute Transparenzgebot gelten. Alles, aber auch wirklich alles an finanziellen Strömen gehört auf den Tisch. Dann sind die Ausgangsvoraussetzungen mit einer Honorarberatung vergleichbar. Und dann geht es endlich um den entscheidenden Faktor: die Qualität der Beratung. Transparenz und Fairness, Offenheit und Ehrlichkeit, Vertraulichkeit und Sorgfalt und letztendlich auch Professionalität und Kompetenz wie es unser Beraterkodex vorschreibt. Wer sich einem derart umfassenden Kodex unterwirft, bietet mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine gute Beratung, unabhängig von der Vergütungsform.

Transparenz

Die EU bringt den Begriff „unabhängige Finanzberatung“ für ausschließlich honorarbasierte Beratungsformen in die Finanzwelt. Ob sich in Deutschland dann dieses merkwürdige Kunstwort „Honorarberatung“ langfristig durchsetzen wird? Aber Transparenz wird sich in jedem Fall durchsetzen und die Finanzbranche ganz erheblich verändern. Wohl dem, der dies rechtzeitig erkennt und sich darauf vorbereitet.

Autor: Frerk Frommholz, geschäftsführender Gesellschafter der Finanzberatung Frommholz OHG