Sparkassen verkaufen Versicherungen

SV Versicherung verkauft über Sparkassen
Die Sparkasse kennt Kundendaten, das ist ein Mehrwert. © nmann77 - Fotolia.com

Die SV Sparkassen Versicherung lebt von Marktentwicklungen im Vertrieb völlig unabhängig und vor allem sehr gut. Was Genossenschaftsbanken oder Sparkassen in anderen Regionen machen ist egal.

Die SV Sparkassen Versicherung (SV) aus Stuttgart meldet vorläufige Geschäftszahlen. Die gebuchten Bruttoprämien im Konzern sind 2016 um 3,7 Prozent von 3,24 auf 3,36 Milliarden Euro gestiegen. Die SV wächst mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent, nach eigenen Angaben, etwas stärker als der Marktdurchschnitt in Deutschland.

„Wir haben in der Lebensversicherung und in den Schaden-Unfallversicherungen gute Geschäftsergebnisse erzielt. Wir werten dies als Beleg für unsere marktfähigen Produkte, unser Schadenmanagement und die gute Arbeit unserer Vertriebspartner“, sagt Vorstandsvorsitzender Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl.

Die positiven Ergebnisse der operativen Gesellschaften werden durch gute Kapitalanlageergebnisse gestützt. Niedrige Zinsen und regulatorische Anforderungen belasteten die Kapitalanlage auch 2016. Dank der ausgewogenen Mischung und Streuung ihrer Kapitalanlagen – weit über Privatanleger zugängliche Investments hinaus – und der großen Wertschöpfungstiefe erzielte die SV in dem schwierigen Umfeld trotzdem gute Kapitalanlageergebnisse.

Die Nettoverzinsung der SV Lebensversicherung und der SV Gebäudeversicherung werden bei 4,6 Prozent bzw. 3,1 Prozent erwartet.

„Das Thema Niedrigzins wird uns in unserer Kapitalanlage weiter stark belasten. Auch werden wir unsere Digitalisierungsstrategie weiter fortsetzen. Im Zentrum unseres Handelns stehen aber weiterhin unsere Kunden: Wir wollen die erste Wahl für die Menschen in unseren Regionen sein“, so der SV-Chef Wolff von der Sahl zu den Aussichten für 2017

Gebäudeversicherer nutzt Marktposition

Der Gebäudeversicherer bewies 2016 weiter seine Stärke im Markt, die Übernahme früherer Monopole in der Gebäudeversicherung erweist sich noch heute als ein Mehrwert.

„Wir erwarten mit 42,4 Millionen Euro trotz über 200 Millionen Euro Elementarschadenaufwandes erneut ein gutes Jahresergebnis“, sagt Wolff von der Sahl.

In den Schaden-Unfallversicherungen stiegen die gebuchten Bruttobeiträge um 3,0 Prozent und liegen bei 1,45 Milliarden Euro (1,41). Die SV entwickelte sich damit erneut besser als der Markt. Die Beiträge wuchsen vor allem in den gewerblichen Sachversicherungen (+4,7 %) und in den Sparten Unfall (+7,3 %), Haftpflicht (+4,5 %), Hausrat (+4,3 %) und Kraftfahrt (+5,4 %).

Für die positive Entwicklung ist vor allem das gute Neugeschäft über verschiedene Sparten hinweg verantwortlich. Knapp 436.000 neue Verträge kamen hinzu, das waren 3,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das Neugeschäft nach Bestandsbeitrag liegt mit 99,2 Millionen Euro (98,7) leicht über dem Vorjahr. Besonders gut lief das Neugeschäft nach Beiträgen in Hausrat (+2,5 %), den gewerblichen Sachversicherungen (+33,5 %) und in Kraftfahrt (+2,9 %).

Neue Versicherungs-Lösungen laufen gut

Die aktuellen SV-Produktlinien liefen im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter gut. Überzeugen konnte die SV erneut mit dem Konzept „Privat Schutz“ für Privatkunden. Seit Einführung vor vier Jahren hat die SV nun 1,36 Millionen Verträge (1,10) mit einem Beitragsvolumen von 206,4 Millionen Euro im Bestand.

Was der „Privat Schutz“ für den privaten Haushalt ist, ist die Firmenpolice für den Unternehmer. 2016 entwickelten sich diese Deckungskonzepte sehr gut. Die SV konnte ein Beitragsplus von 7,6 Prozent auf rund 92,8 Millionen Euro (86,3) erzielen. Das Neugeschäft nach Bestandsbeitrag wuchs um 12,7 Prozent. Ende 2016 verzeichnete die SV einen Bestand von rund 389.500 Verträgen. 2017 wird die „Firmen-Police“ der SV mit einem Cyber-Baustein ergänzt.

Im Mai 2016 hat die SV mit dem „Internet Schutz“ eine neue Deckung auf den Markt gebracht, die den Privatkunden vor den finanziellen Folgen von Cyberkriminalität schützt. Bis Ende 2016 verbuchte die SV hier rund 10.500 neue Verträge. Das zeigt, dass die Nachfrage nach diesem Risikoschutz auf dem Markt besteht.

„Wir haben gute marktgängige Produktlinien entwickelt, die sehr gut bei den Kunden ankommen“, erklärt Wolff von der Sahl.

Kraftfahrt läuft und läuft

Im Kraftfahrtgeschäft machen sich Tarifverbesserungen und neue wettbewerbsfähige Tarifstrukturen positiv bemerkbar. Das Neugeschäft nach Bestandsbeitrag stieg um 2,9 Prozent auf 48,9 Millionen Euro, nach Stückzahl um 2,4 Prozent auf rund 178.000 Verträge. Die Schaden-Kostenquote in der Sparte Kraftfahrt beträgt 98,1 Prozent (97,5) und liegt damit das dritte Jahr in Folge unter der 100-Prozentmarke.

Schadenaufwendungen steigen durch Unwetter

Die Schadenversicherung hat auch mit dem Risiko von Wetterlagen zu kämpfen. Die Aktuare müssen folglich „mit dem Wetter rechnen“.

„Das Schadenjahr 2016 war geprägt durch eine extreme Unwetterlage, die ab Ende Mai bis in den Juni hinein über Deutschland lag“, so Wolff von der Sahl.

So kam es nahezu jeden Tag an anderen Orten zu Sturm, Starkregen und Überschwemmungen. Am Ende beliefen sich die versicherten Schäden deutschlandweit auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Das Unwettertief „Elvira“ (27. bis 30. Mai) sorgte im Geschäftsgebiet der SV für Schäden an rund 12.000 Gebäuden und Autos mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro. Den Ort Braunsbach im Norden Baden-Württembergs traf es besonders hart. Wassermassen schoben eine riesige Gerölllawine durch den Ort. Vor allem der Ortskern wurde schwer beschädigt.

Am 24. und 25. Juni 2016 richtete das Sturmtief „Neele“ mit Sturm und Starkregen weitere Schäden in Baden-Württemberg und Hessen an. Die Bilanz bei der SV: Schäden an 9.200 Gebäuden und Autos mit 37,9 Millionen Euro Schadenaufwand.

Insgesamt beziffern sich die Unwetterschäden 2016 auf 206,5 Mio. Euro und damit deutlich mehr als noch im Vorjahr. Da lag das Schadenvolumen bei 111,7 Millionen Euro. Aufgrund der heftigen Unwetter sowie einzelner Großschäden stiegen die gesamten Bruttoschadenaufwendungen im Geschäftsjahr um 11,6 Prozent auf 1.101,9 Millionen Euro (993,6) an. Insgesamt stieg die Schaden-Kostenquote in den Schaden-Unfallversicherungen auf 92,2 Prozent (85,5), liegt damit aber deutlich unter der der Branche mit 96 Prozent.

„Unser professionelles Schadenmanagement und unser großes Know-how bei der Regulierung von Unwetterschäden hat sich auch 2016 ausgezahlt“, so Wolff von der Sahl.

Die SV konnte unter anderem mit dem „InterCard“-System ihren Kunden sofort und noch vor Ort die ersten Leistungen auszahlen. Die SV ist aktuell immer noch die einzige Versicherung am Markt, die über dieses digitale Zahlungssystem verfügt. Auch die seit Jahren bestehenden Rahmenverträge mit Sanierungsfirmen zahlten sich im Frühsommer aus. Darüber konnte die SV ihren Kunden Trockner zur Verfügung stellen, obwohl am Markt die Kapazitäten wegen der vielen Überschwemmungen knapp waren. Ergänzend arbeitet die SV bei der Schadenbesichtigung erfolgreich mit „SV Prof Claim“, einem selbst entwickelten Regulierungstool. Seit Mitte 2016 erfolgt die Schadenkalkulation mobil mit der SV „Prof Claim-App“.

Lebensversicherer ist nicht tot

Das Geschäft mit der Altersvorsorge entwickelte sich bei der SV entgegen dem Markttrend positiv. Die gebuchten Bruttoprämien stiegen in der Lebensversicherung und privaten Altersvorsorge um 4,3 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro (1,83).

Besonders Rentenversicherungen (+8,8 %) und Risikoversicherungen (+5,0 %) trugen zu den Steigerungen in den Prämieneinnahmen bei. Erfreulich entwickelte sich das Neugeschäft in der privaten Altersvorsorge. Mit rund 146.000 Vorsorgeverträgen wurden bei der SV im vergangenen Jahr mehr Verträge als noch im Vorjahr abgeschlossen. Nach Beitragssumme stieg das Neugeschäft um 9,9 Prozent auf 3,06 Milliarden Euro, nach laufendem Jahresbeitrag um 10,8 Prozent auf 86,4 Millionen Euro und nach Einmalbeitrag um 10,1 Prozent auf 926,0 Millionen Euro. Die Stornoquote liegt dabei weiter mit 4,0 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau und deutlich unter der der Branche mit 4,3 Prozent (Stand: 30.09.2016).

„Der Anstieg des Neugeschäfts und die niedrige Stornoquote zeigen deutlich, dass die Menschen bewusst ihre Vorsorge angehen“, so Wolff von der Sahl.

Fondspolicen verkaufen sich gut

Die SV bietet mit der Rentenversicherung „Index Garant“ ein stark verkauftes Altersvorsorgeprodukt. Rund 64 Prozent der verkauften Rentenversicherungen gingen auf das Konto des indexbasierten Produktes. Insgesamt wurden 2016 über 38.000 Index Garant-Verträge mit einer Beitragssumme von 1,6 Milliarden Euro (1,5) policiert.

Das Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) lief 2016 insgesamt sehr gut. Das Neugeschäftsvolumen im SV-eigenen, bilanzwirksamen Geschäft in der Direktversicherung, Direktzusage und Unterstützungskasse stieg nach Beitragssumme um 32,5 Prozent auf 804,8 Millionen Euro (607,2). Eine besonders hohe Nachfrage erfuhr die indexbasierte Variante, die Anzahl der Verträge stieg um 70,5 Prozent.

Auch die im Mai 2016 eingeführte neue Berufsunfähigkeitsversicherung konnte sich auf dem Markt etablieren. Das Neugeschäft nach Stückzahl stieg seit der Einführung im Vergleich zum Vorjahr um 19,1 Prozent.

Für 2017 hält die SV die Überschussbeteiligung ihrer Lebens- und Rentenversicherungen nach laufendem Beitrag bei 2,95 Prozent konstant. Branchenweit sanken allerdings die Werte.

„Wir sind mit den Geschäftsergebnissen in der Lebensversicherung sehr zufrieden. Wir bieten den Menschen die richtigen Produkte und eine verlässliche Beratung über unsere Vertriebspartner – den Sparkassen und unseren eigenen Außendienst“, so Wolff von der Sahl.

Fazit: Noch läuft der Verkauf über Banktresen, die angestellte oder freie Ausschließlichkeit für die Sparkassengruppe gut. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich dem Geschäftsmodell der Mitbewerber in den Genossenschaftsbanken oder im eigenen Lager mit der Versicherungskammer Bayern und der Provinzial anpassen muss. Diese bieten längst auch Versicherungskonzepte für den Einkauf durch Versicherungsmakler oder freie Vermittler, da hält sich die SV Versicherung noch sehr zurück. (db)