Ziemlich gesunde Versicherte

10.04.2024

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Die Löcher in den Sozialkassen vergrößern die Sorgen der Versicherten mit jedem Jahr. Gesetzliche Krankenversicherer verzeichnen Milliardenverluste. Ohne Beitragserhöhung bleiben der Politik nur Stellschrauben mit Leistungskürzungen als Konsequenz.

Anhaltender Ärztemangel, geplante Klinikschließungen und knappe Medizinversorgung schaffen hohe Wechselbereitschaft zugunsten der privaten Krankenversicherung, kurz: PKV. Über 10 % der Deutschen kehren der gesetzlichen Krankenversicherung, oder kurz: GKV, den Rücken. Mit stabiler Tendenz und auf Nimmerwiedersehen, denn es gibt kaum Möglichkeiten für eine Rückkehr in die GKV.

Freie Wahl ohne Qual

Die private Krankenversicherung ist vorwiegend Arbeitnehmern mit Verdiensten über der Beitragsbemessungsgrenze, Beamten und Selbstständigen vorbehalten. Wichtigste Eintrittsvoraussetzung ist ein annehmbarer Gesundheitszustand, um in den Krankenvollschutz der PKV zu wechseln. 36 der im PKV-Verband organisierten Mitglieder bieten Versicherten Krankenvoll- und -zusatzversicherungen an. Die anderen ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder widmen sich der Krankenzusatzversicherung zur Ergänzung und Erweiterung der Gesundheitsvorsorge für Versicherte der GKV. Die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten und die Postbeamtenkrankenkasse sind Einrichtungen für die namentlich erwähnten Beamten, deren Leistungsergänzungen zur Beamtenbeihilfe dem Vollschutz der PKV ähneln. Andere Beamte können sich, gewöhnlich zum Laufbahnbeginn, mittlerweile statt für Beihilfen mit PKV-Ergänzung ebenso für freiwillige gesetzliche Absicherungen in der GKV zum ermäßigten Beitrag entscheiden. Während Arbeitgeber grundsätzlich 50 % der gesetzlichen Versicherungsbeiträge für die Arbeitnehmer übernehmen, knausern Beamtendienstherren in einigen Bundesländern mit weiteren Beitragszuschüssen zum GKV-Modell, obwohl Beihilfen eingespart werden. Makler, die mit den Möglichkeiten der Beamtenversorgung vertraut sind, können hier punkten. Der Entscheidungsweg in Richtung PKV ist für Selbstständige und gutverdienende Arbeitnehmer als freiwillig Versicherte der GKV ebenfalls kompliziert. Neben guter Gesundheit und jungem Lebensalter sind Faktoren wie unter anderem die Berufswahl und Karriereplanungen, der Familienstand und das weitere Familienleben oder auch längerfristige Auslandsaufenthalte von enormer Bedeutung. Der verbeamtete Dauersingle hat einen anderen Krankenversicherungsbedarf als die Familie mit Kindern sowie mit zwei Versorgereinkommen aus selbständiger Tätigkeit und Anstellungsverhältnis. Singles bleiben des Öfteren nicht für immer kinderlos und Familien bestehen nicht ewig. Versorgerausfall, erwachsene Kinder, neuer Job, Scheidung oder Umzüge ins In- und Ausland verändern den Krankenversicherungsbedarf zum Teil sehr erheblich.

Viel gesünder leben

Die Risikoträger der GKV und PKV setzen in der Gesundheitsversorgung verstärkt auf gesündere Lebensgewohnheiten und Vorsorgemaßnahmen. Mit Ernährungsvorschlägen, Gesundheitstipps, Sportprogrammen etc. rücken viele Anbieter beispielsweise Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Problemen und Lebensmittelunverträglichkeiten prophylaktisch näher. Ebenfalls im Fokus stehen vielfach junge Leute und Familien. Junge Versicherte verursachen tendenziell weniger Leistungsfälle und eventueller Familiennachwuchs stärkt die Versichertengemeinschaft. GKV und PKV bewegen sich in puncto Information für Versicherte auf ähnlichem Niveau. Auf neue Lebensumstände wie etwa durch Ehepartnerverlust, Familiengründung oder Pensionierung reagiert die GKV mit Automatismen. Ehepartner, Nachwuchs und Rentner bleiben so oder so in der GKV. Frischen Wind bringen die Wechselmöglichkeiten der Versicherten innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherer, die sich in Nuancen bei Beiträgen und Leistungen voneinander unterscheiden. Dieser Wettbewerb trägt Früchte. Jedes Jahr verschwinden Risikoträger und die Versicherten gelangen in eine andere gesetzliche Krankenkasse. In den letzten 15 Jahren halbierte sich deren Zahl und rutschte unter 100. Für einige Experten kein Manko, denn unterm Strich können größere Kassen umfassender über Gesundheitsvorsorge informieren und Maßnahmen initiieren. Nach einem Wechsel in die PKV entfallen viele gewohnte Automatismen. Jede Veränderung z. B. im Beruf oder zum Familienstand bedeutet Beratungsbedarf. Je früher der Versicherungsmakler davon erfährt, desto besser. Die privaten Versicherer bieten zwar vielfach Lösungen für Vertragsveränderungen an, diese sind jedoch an Fristen gebunden. Bei gravierenden Anlässen wie z. B. den Neuordnungen der Krankenvollversorgung für verwitwete Beamtenehegatten oder nach Insolvenz für einen Selbständigen vergehen Wochen und Monate wie im Fluge. Es sind oft intensive Kundennähe und große Eile geboten, damit die Sorgen rund um den Gesundheitsschutz wieder kleiner werden.

Am Ball bleiben

Für zwangsweise gesetzlich Krankenversicherte bleibt die Tür zur PKV offen. Viele private Zusatzdeckungen runden den gesetzlichen Schutz ab. Mittlerweile sorgen gesetzliche Krankenkassen in Eigenregie zusammen mit PKV-Anbietern für Versicherungslösungen. So schützen Krankenzusatzversicherungen für Auslandsreisen, Brillen, Schutzimpfungen oder Zahnbehandlungen die gesetzlich Versicherten. Das sind gute Karten für Versicherungsmakler, die mit einer großen Anzahl passender und günstiger Lösungen bei freier Versichererwahl aufwarten. Die betriebliche Krankenversicherung, kurz: bKV, bietet zusätzliche Optionen. Während gesetzliche Krankenversicherer ihre Versicherten mit dem Zusatzschutz enger anbinden wollen, erzielen Unternehmen mit einer bKV ähnliche Bindungswirkungen. Die Belegschaft verfügt über vergleichbaren Krankenzusatzschutz mit individuellen Ausbauoptionen. Arbeitnehmer können jederzeit die gesetzliche Kasse ohne Neuabschluss von Zusatzversicherungen wechseln oder als freiwillig Versicherter einen privaten Vollschutz wählen. Egal, wie sich die Kunden beruflich oder privat entscheiden, für Makler folgt Krankenversicherungsgeschäft. Die hohen Aufwendungen für Beratungen, deren Dokumentationen und zur Kundeninformation lohnen sich also. (gg)