Wer den Gewerbeschaden hat, benötigt sehr viel Regulierungs-Know-how

02.11.2022

Konrad Hahn

Die gvp Gesellschaft für Versicherungsprüfung mbH begleitet als Schadenmanager vorwiegend mittlere, große und komplexe Versicherungsfälle für geschädigte Unternehmen. Konrad Hahn, Geschäftsführer der gvp, gibt im Interview Einblicke in die Notwendigkeiten, damit Unternehmenskunden alle Ersatzleistungen vollumfänglich und möglichst zügig aus den Versicherungsverträgen erhalten.

finanzwelt: Die Qualität der Schadenregulierung entwickelt sich in der Versicherungsbranche zunehmend zum Reizthema. Welche Unterschiede erleben Sie in den Schadenabwicklungen durch Versicherer?

Konrad Hahn» Viele Unternehmen, und mittlerweile auch Privatpersonen, kommen vielfach erst zu uns, wenn dort ein Schaden über den Kopf wächst. Per se stehen Kunden und Versicherer dann bereits in einer ernsthaften Konfliktsituation. In diesen Fällen gewinnt man oft den Eindruck: Papier ist geduldig. Die Fronten sind verhärtet, weil aus Kundensicht sich Schadenbereiche nicht an den vereinbarten Versicherungsvertrag halten. Wir machen ähnliche Erfahrungen ebenso mit Geschädigten, die uns frühzeitig nach dem Schadeneintritt beauftragen. Dieses Jahr konnten wir die 500er Marke für Schadenaufträge weit hinter uns lassen. Nur in wenigen Fällen erfolgte eine Regulierung ohne jede Beanstandung. Allerdings macht Hoffnung, dass wir selbst in kritischen Fällen die Versicherer zu einem Schadensersatz nach den Buchstaben ihres Vertrages bewegen konnten.

finanzwelt: Warum geraten Versicherungskunden und deren Versicherer im Schadenfall aus Ihrer Sicht so stark aneinander?

Hahn» Bei großen Schäden geht es naturgemäß um viel Geld und für den Versicherungsnehmer oft um die Existenz. So sind Geschädigte im Grunde genommen immer darauf angewiesen, dass Versicherer vertragskonform handeln. Dazu gehört nicht zuletzt das Regulierungstempo. Denn es nützt Unternehmen wenig, wenn der Schaden in zwei Jahren oder später abschließend bezahlt wird. Bis wichtige Maschinen angeschafft und Betriebsgebäude wieder errichtet sind, befinden sich Kunden und Lieferanten längst beim Wettbewerb. Die Beschleunigung der Arbeiten rund um den Schaden steht deshalb weit oben auf unserer Agenda. Wenn es durch voranschreitende Regulierungszeit um die Existenz geht, erhöhen die Geschädigten den Druck auf die Versicherer. Es ist entscheidend, dass dieser Druck beidseitig abnimmt. Dann kommen die Lösungen schneller zurück ins Blickfeld. Wir kommunizieren hier bewusst persönlich und transparent. Oftmals haben Unternehmen sogar Verständnis für ihre Versicherer. Gleichzeitig vermissen diese ein vergleichbares Verständnis auf Seiten der Versicherer. Hier setzen wir verstärkt an, damit der Versicherer den Unternehmenskunden und seine Herausforderungen verbessert wahrnimmt. Neben dem Regulierungstempo widmen wir uns dem Umfang der Leistungen. Schadensleistungen belasten die Ergebnisse der Versicherer. Der Natur dieser Sache folgend ist die dortige Leistungsfreude schon aus wirtschaftlichen Gründen begrenzt. Die Interessenkonflikte sind absehbar.

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