Rentenlücke bei Freiberuflern besonders hoch

06.06.2023

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Die Rentenlücke ist bei Unternehmern und Freiberuflern hierzulande laut der OECD besonders hoch – Deshalb ist es für Selbständige besonders wichtig, sich frühzeitig und auf clevere Art und Weise um die eigene Vorsorge zu kümmern – Wertvolle Unterstützung kann ein professionell erstellter Finanzplan leisten.

So gaben bei einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Versicherers Ergo im Jahr 2021 rund 37 % der Selbstständigen an, keine private Altersvorsorge zu haben. Und die Pandemie hat die Situation nicht unbedingt verbessert. So gaben bei der gleichen Umfrage 61 % an, wirtschaftlich von den Auswirkungen der Pandemie negativ betroffen zu sein, etwa 46 % haben deshalb kein oder weniger Geld für die Vorsorge, und neun Prozent müssen gar die eigenen Rücklagen anzapfen.

Selbständige mit deutlich geringerem Rentenniveau

Doch auch ohne Pandemie ist die Situation der Freiberufler und Unternehmer im Alter häufig schwierig. Laut einer Untersuchung der OECD bezieht der durchschnittliche Selbständige in Deutschland nur etwa 50 Prozent des Brutto-Rentenniveaus eines vergleichbaren Vollzeitangestellten. Viele scheinen deshalb auch nach Erreichen des Rentenalters noch arbeiten zu müssen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung vom August 2022 waren 22,5 % derer, die zwischen 65 und 74 Jahren noch arbeiten, selbstständig. Auch deshalb ist immer wieder eine Rentenversicherungspflicht für Selbständige im Gespräch. „Doch selbst wenn sie kommen sollte, kann ich nur davor warnen, sich allein darauf zu verlassen“, so Prof. Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board (FPSB) Deutschland. „Denn auch bei Selbständigen wird das Geld deshalb im Alter noch lange nicht reichen.“

Mit anderen Worten: Wer eine eigene Firma hat oder als Freiberufler tätig ist, der sollte die eigene Absicherung – trotz Stress im Alltag – ganz oben auf seiner Agenda haben.

„Und hier ist der erste wichtige Punkt, dass man sich frühzeitig darum kümmert“, erklärt Prof. Tilmes, der neben seiner Vorstandstätigkeit auch Academic Director Finance, Wealth Management & Sustainability Management an der EBS Executive School, Oestrich-Winkel, ist. Dies gilt zwar grundsätzlich für jeden, für Selbständige, bei denen die künftigen Einnahmenströme unsicherer sind als bei einem Festangestellten, aber umso mehr.

Der nächste wichtige Schritt ist dann, sich genau zu überlegen, wie viel Geld man im Alter braucht, um den eigenen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. „Auf dieser Basis lässt sich überhaupt erst bestimmen, wieviel Geld Selbständige jeden Monat zurücklegen müssen“, erklärt der Finanz- und Anlageexperte. Dazu kommt speziell bei Firmeninhabern, dass bei der Allokation zwischen den Anlageklassen die Firmenbeteiligung berücksichtigt werden muss. „Das ist anders als bei anderen Anlegern, da das eigene Unternehmen in der Regel einen erheblichen Teil des Vermögens ausmacht.“

„Selbständige sollten zudem das zurückgelegte Geld von ihrer geschäftlichen Tätigkeit trennen, da das aufgebaute Vermögen sonst unter Umständen unternehmerischen oder Haftungsrisiken ausgesetzt sein kann oder in schwierigen Phasen darauf zugegriffen wird“, erklärt Tilmes weiter.

Erhebliche Risiken für Unternehmer

„Gerade für Unternehmer ist oftmals die eigene Firma die Altersvorsorge“, weiß der FPSB-Vorstand aus seiner Beratungspraxis. „Sie gehen manchmal von einem Verkauf ihres Unternehmens aus, um von dem Geld den Ruhestand zu finanzieren.“
Das kann funktionieren, ist aber mit Risiken verbunden. In einem unerwartet schwierigen wirtschaftlichen Umfeld oder wenn die Geschäfte plötzlich nicht mehr laufen, kann es passieren, dass der Firmeninhaber keinen Käufer findet oder nur einen deutlich geringeren Preis erlöst als den, den er sich ursprünglich vorgestellt hat. „Anderseits übergeben Unternehmer häufig ihre unternehmerische Beteiligung im Rahmen einer Schenkung und Unternachfolge an die Kinder. Dann muss jedoch die Altersvorsorge vom übergebenden Unternehmer geregelt sein. Hier gilt es, auch die Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge zu nutzen.

Und schließlich sollten Freiberufler und Unternehmer auch ihre Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit nicht vergessen. „Deshalb ist gerade bei Selbständigen ein ganzheitlicher und auf die lange Frist ausgerichteter Finanzplan, der den privaten und den geschäftlichen Bereich erfasst, ein geeignetes Instrument, um für einen finanziell sorgenfreien Ruhestand vorzusorgen“, fasst Tilmes zusammen. Hilfreich können hier die vom FPSB Deutschland zertifizierten CFP®-Professionals sein. Sie sind in der Lage, eine langfristige Planung zu erarbeiten, die mit Hilfe von Szenarioanalysen die verschiedenen potenziellen Risiken berücksichtigt. „Damit können es auch Selbständige vermeiden, dass sie deutlich länger arbeiten oder auf ihren gewohnten Lebensstandard verzichten müssen“, so das Fazit des FPSB-Vorstandes. (ml)