Nach 22 DKM war es Zeit für einen beruflichen Neustart

17.04.2024

Konrad Schmidt, Prokurist beim Maklerverbund vfm-Gruppe / Foto: © vfm-Gruppe

Fast 20 Jahre war Konrad Schmidt bei der bbg Betriebsberatungs GmbH in Bayreuth beschäftigt. Er hatte dort unterschiedliche Führungsverantwortung inne, die letzten sechs Jahre als Geschäftsführer. Für sehr viele in der Branche war er wohl der „Mr. DKM“ der vergangenen Jahre. So kam die Trennung in 2023 dann wohl auch für viele Branchenkenner etwas überraschend. Seit Januar dieses Jahres ist Konrad Schmidt nun als Prokurist beim Maklerverbund vfm-Gruppe aus dem fränkischen Pegnitz tätig. Im Interview haben wir ihn unter anderem nach den Gründen für seine berufliche Veränderung gefragt, was seine neuen Aufgaben sind und wie er die Branche aktuell einschätzt.

finanzwelt: Für viele in der Branche kam ihr Abschied von der bbg-Gruppe überraschend, waren Sie doch so etwas wie das Gesicht der DKM. Die Leitmesse der Branche haben Sie mit Ihrem langjährigen Wirken maßgeblich mitgeprägt. Wie ist es nun zum Wechsel zur vfm-Gruppe gekommen?

Konrad Schmidt» Nachdem ich fast 20 Jahre bei der bbg tätig war und 22 DKMs mitgestaltet habe, war es für mich an der Zeit, eine neue berufliche Herausforderung zu suchen. Ich wollte mit meinen 45 Jahren mal ein anderes Unternehmen kennenlernen und mich in neue Tätigkeiten bzw. Verantwortungsbereiche hineindenken.

finanzwelt: Die vfm-Gruppe bezeichnet sich als Maklerverbund. Wie genau unterscheidet sich das Geschäftsmodell im Verhältnis zu Maklerpools, welche Besonderheiten gibt es und welche Ziele verfolgt die Unternehmensgruppe?

Schmidt» Die vfm-Gruppe bietet der Branche unterschiedliche Mehrwerte, welche sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Ausgangspunkt und Kernstück bleibt die Unterstützung von Ausschließlichkeitsvertretern bei ihrem Umstieg in einen Mehrfachvertreter- oder Maklerstatus. Wir setzen dabei auf Direktanbindungen, welche wir für unsere Partner bei den Versicherungsgesellschaften einrichten. Für Sondersparten, oder wenn sich bei dem einen oder anderen Versicherer eine eigene Courtagezusage nicht lohnt, kann das Geschäft auch über unseren hauseigenen Pool ‚vfm-Service‘ abwickelt werden. Und damit die administrative Abwicklung des Geschäftes optimal erfolgen kann, bieten wir mit Keasy eines der besten Maklerverwaltungsprogramme am Markt an. Somit bieten wir das Beste aus zwei Welten: Der Vermittler ist unabhängiger Unternehmer mit eigenem Bestand und hat gleichzeitig auf den vollen Service von vfm Zugriff – von der technischen Unterstützung, über Versicherungsexperten bis hin zu Marketing und Hilfestellung bei rechtlichen Themen. Mit unserem neuen AO-Plus-Modell bieten wir Ausschließlichkeitsvermittlern in Zusammenarbeit mit ihrer Versicherungsgesellschaft interessante Möglichkeiten, das Produktsortiment zu komplettieren. vfm bietet also wesentlich mehr als ein Pool.

finanzwelt: Innerhalb der vfm-Gruppe sind Sie nunmehr als Prokurist gestartet. Wie genau sieht denn Ihr Aufgabengebiet aus?

Schmidt» In meinem Verantwortungsbereich Veranstaltungen spielt unsere Hausmesse ‚Know-how-Börse‘, welche jedes Jahr im März dreitägig in Würzburg stattfindet, eine große Bedeutung. Darüber hinaus organisiert unser Veranstaltungsteam ca. 80 Events pro Jahr – von fachlichen Veranstaltungen, wie den vfm-Gewerbe-Workshops bis hin zu Ski- und Motoradausflügen für unsere Kooperationspartner. Die vfm-Familie hat ein großes Bedürfnis, sich untereinander auszutauschen und wir bieten hierfür die passenden Gelegenheiten. Im Produktpartnermanagement hilft mir mein Netzwerk zu allen Vorständen bzw. Entscheidern im Maklermarkt. Hier werde ich mit den Versicherungsgesellschaften erarbeiten, wie die Zusammenarbeit im Sinne unserer Makler und Mehrfachagenten noch professioneller werden kann. Dabei sind die unterschiedlichsten Aspekte zu beachten. Auf diese Tätigkeit freue ich mich besonders. Der Bereich Weiterbildung bleibt für jeden Kooperationspartner und Mitarbeiter wichtig, so dass wir uns auch hier weiterentwickeln möchten. Und das Prozessmanagement ist für jedes Unternehmen bedeutsam. Aufgrund des starken Wachstums in den vergangenen Jahren haben wir hier noch einige Prozesse zu optimieren und zu dokumentieren. Insgesamt also ein breites und buntes Aufgabengebiet, das schon jetzt viel Freude macht.

finanzwelt: Gibt es vor dem Hintergrund Ihrer langjährigen Expertise als Messe- und Kongressmanager Überlegungen, unter dem Dach der vfm-Gruppe neue Veranstaltungsformate für die Branche zu entwickeln und zu etablieren?

Schmidt» Die Veranstaltungen für dieses Jahr sind bereits terminiert und geplant. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre konnte das Veranstaltungsportfolio immer weiterentwickelt werden, so dass wir hier bereits sehr gut aufgestellt sind. Dennoch werden wir uns auch in diesem Jahr wieder hinterfragen, welche Veranstaltungsformate noch Optimierungsbedarf haben und vielleicht werden wir im Jahr 2025 auch mal ein neues Format ausprobieren. Das Hauptaugenmerk unserer Veranstaltungen liegt immer auf dem persönlichen und fachlichen Austausch der vfm-Familie. Wir werden daher keine großen Branchenevents wie die DKM auf die Beine stellen.

finanzwelt: Die Branche steht unter dem Dauerfeuer immer neuer Regulierungen, der Diskussion Provision versus Honorar und einer schwindenden Vermittlerschaft. Hinzu kommt eine allgemeine Verunsicherung der Märkte vor dem Hintergrund zahlreicher Herausforderungen und Krisen in Europa und der Welt. Welche Chancen und Risiken sehen Sie angesichts dieser Gemengelage, für die Maklerschaft einerseits und für die Branche im Allgemeinen?

Schmidt» Ich bin der festen Überzeugung, dass dem Maklermarkt weiterhin die Zukunft gehört. Die Diskussionen um die Honorare werden schon sehr lange geführt. Und meistens ist dafür die Branche selbst der Auslöser, wenn Produktanbieter, beziehungsweise Vertriebe maßlos agieren. Gesellschaftlich brauchen wir einen aktiven Verkauf von Risiko- und Vorsorgelösungen. Sonst kann ein Großteil der Bevölkerung bei unvorhersehbaren Veränderungen in existenzielle Nöte kommen. In unsicheren Zeiten wie diesen sind wir als Branche unverzichtbar. Gegen die politischen Veränderungen in Europa und auf der Welt kann man sich leider nicht versichern, aber häufig gegen die daraus resultierenden Folgen. Je unsicherer die Welt ist oder wahrgenommen wird, umso größer ist das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit. Versicherungslösungen bieten hier einen großen Mehrwert, weshalb die Nachfrage noch steigen wird. Die Krisen und die daraus resultierende Rezession haben Auswirkungen auf die Kaufkraft und das Sparvermögen der Bevölkerung. Aber gleichzeitig gewinnt auch die Risikoabsicherung an Bedeutung, so dass ich mir um die Branche im Allgemeinen keine Sorgen mache. (hs)