Kulturfrage

16.08.2021

Foto: © Jonas Reggelin

Für die Einen ist es eine wertvolle Lebenserfahrung, für die Anderen der blanke Horror. Wenn Zeitgenossen zu Hause Schlangen, Spinnen oder Echsen halten, geht es um mehr als um eine Geschmacksfrage. Denn mit solchen Exoten sind immer auch Gefahren zum Beispiel für die Nachbarschaft verbunden. Seit diesem Jahr ist deshalb eine genau definierte Haftpflichtversicherung vorgeschrieben.

Wer kennt diese Szene nicht aus etlichen Filmen? Langsam und geräuschlos kriecht die Schlange unter die Bettdecke ihres Opfers. Und wenn sie entdeckt wird, ist es zu spät; irgendein Bösewicht hat sein Ziel erreicht. Oder aber die Zeitungsmeldung über die Schwarze Witwe, die im Supermarkt aus einer Bananenkiste krabbelt? Normalsterblichen jagt das einen Schauer über den Körper. Doch manche Zeitgenossen finden ihre helle Freude an solchen Tieren – und halten sie bei sich zu Hause wie andere Menschen Hunde, Katzen oder Wellensittiche. Und ab und zu entkommt dann eine Schlange und macht ganze Wohngebiete unsicher. Geht es aber nach der Mehrheit der Bundesbürger, soll damit Schluss sein. 94 % der Deutschen unterstützen eine strengere Regulierung des Handels mit exotischen Haustieren. Dabei sehen 90 % die EU in der Verantwortung. 86 % sind der Meinung, dass exotische Tiere überhaupt nicht als Haustiere gehalten werden sollten. Das ergab im Sommer vergangenen Jahres eine vom Zivanka ComRes Institut durchgeführte Umfrage im Auftrag der Tierschutzorganisationen Eurogroup for Animals und AAP Animal Advocacy and Protection. Der Deutsche Tierschutzbund und Pro Wildlife kritisieren, dass die zeitgleich von der EU-Kommission veröffentlichte Biodiversitäts-Strategie diese Forderung nicht widerspiegelt und keine klaren Handlungsaufträge enthält, um dem boomenden Handel mit Wildtieren zu begegnen.

Millionen Wildtiere werden derzeit in europäischen Privathaushalten als exotische Heimtiere gehalten. Ein Trend, der sowohl für das Wohlergehen der Tiere, als auch für EU-Bürger Risiken birgt. Die meisten exotischen Tiere haben hohe Ansprüche an ihre Haltung, die sich im Privathaushalt kaum erfüllen lassen. Zudem können sie Träger von Krankheiten sein, darunter auch Zoonosen, die dem Menschen gefährlich werden können. Entkommen die Tiere oder werden sie ausgesetzt, stellen sie oftmals auch eine Bedrohung für die heimische Tier- und Pflanzenwelt dar. Die Risiken, die mit dem internationalen Wildtierhandel verbunden sind, wer-den auch durch die Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus deutlich, das seinen Ursprung wahrscheinlich in Wildtieren hat. Nach Angaben der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) haben 75 % der beim Menschen neu auftretenden Infektionskrankheiten einen tierischen Ursprung. Dennoch ist es in der EU legal, tausende verschiedene Wildtierarten aus freier Natur einzuführen, mit ihnen zu handeln und sie privat zu erwerben.

Beratungsort gut aussuchen

Aber besteht für Schlangen, Spinnen und andere wilde Tiere ein Nachfragemarkt hinsichtlich eines Versicherungsschutzes? Volker Lauenstein, Produktmanager der GHV, sagt dazu: „Versicherungsschutz für exotische Tiere ist in der Privathaftpflicht zumindest bei uns teilweise miteingeschlossen.“ Seit dem 01.01.2021 müssten alle Halterinnen und Halter giftiger Tiere die Haltung unter Angabe von Art, Anzahl und Haltungsort innerhalb von sechs Monaten beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) melden. Zusammen mit dieser Meldung müsse mitgeteilt werden, ob die Haltung fortgesetzt werden soll oder die Tiere an das LANUV abgetreten würden. Als weitere Voraussetzung für eine Fortführung der Haltung sei eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens 1.000.000 Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden, auch für den Fall des Entweichens giftiger Tiere abzuschließen und aufrechtzuerhalten. Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Wer eine Absicherung möchte, muss sich auf die Suche begeben. Nur wenige Versicherer bieten sie auch tatsächlich an. Ohne Makler läuft hier wenig bis nichts. finanzwelt-Tipp an diese:

Beratungsgespräche besser an neutralem Ort führen. Sonst krabbelt am Ende noch… (hdm)