Zurückhaltung bei Investoren hat Folgen

Benjamin Melman

Edmond de Rothschild Asset Management, Frankreich, sieht in der Zurückhaltung bei Investoren die Vorboten einer Aktienkursrallye herannahen.

(fw/rm) Trotz der verbesserten Marktlage sind viele Investoren nach wie vor verunsichert und bleiben in vergleichsweise riskanteren Anlageklassen untergewichtet. Viele Analysten teilen diese Einschätzung und erwarten in 2016 eher verhaltenes Gewinnwachstum. Doch woher stammt diese Unsicherheit? Schaut man sich die Märkte an, sind tatsächlich einige Faktoren weniger attraktiv. Hierzu zählen zum einen die Quartalsergebnisse von diversen US-amerikanischen und europäischen Unternehmen, die zwar die Erwartungen übertroffen haben, jedoch viel schlechter ausfielen als im Vorjahr. Zum anderen schauen Anleger und Analysten weiterhin mit Sorge nach China. Auch die politischen Rahmenbedingungen in der Europäischen Union (EU) – sowohl vor dem Hintergrund des bevorstehenden Referendums zum Verbleib oder Austritt Großbritannien in der EU als auch hinsichtlich der Abstimmung zur Verfassungsreform in Italien – sorgen für Zurückhaltung. Daran schließt sich der offene Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA an. Schließlich drängt auch die aktuelle Geldpolitik der US-Notenbank Fed zur Vorsicht, da eine Aufwertung des Dollars folgenreiche Auswirkungen sowohl auf die Schwellenländer als auch auf die Staaten selbst haben könnte. Trotz dieser Bedenken bleibt Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management (France), bei Aktien – insbesondere in der Eurozone – übergewichtet. „Die Rohstoffpreise stabilisieren sich allmählich, was die Gewinne vor einem Verfall schützen dürfte. Darüber hinaus besteht eine höhere Wahrnehmung für den schadenden Einfluss von negativen Zinsen auf die Finanzdaten“, sagt der Anlageexperte. Melman ist zuversichtlich, dass sich die Erwartungen der Anleger auf steigende Unternehmensgewinne aufgrund der positiven Entwicklung der weltweiten Marktlage insgesamt verbessern dürften. Zugleich könnte die Zurückhaltung der Investoren darauf hinweisen, dass den Aktienmärkten eine plötzlich Kursrallye – beispielsweise nach dem Referendum in Großbritannien – bevorstehen könnte. Aus diesem Grund haben die Anlageexperten aus dem Hause Edmond de Rothschild Asset Management im vergangenen Monat ihre Übergewichtung an europäischen Aktien etwas zurückgenommen und stattdessen die Beteiligung in US-Dollar erhöht. „Wir gehen davon aus, dass Großbritannien in der EU verbleibt“, sagt Melman. Auf der Anleiheseite wiederum wurde die Untergewichtung in US-Fremdkapital gesenkt, da die Preise für das US-Fremdkapital nach der jüngsten Fed-Sitzung etwas gesunken sind. Die Anlagespezialisten bevorzugen weiterhin europäische Hochzinsanliehen und Staatsanleihen aus der Peripherie, wenn auch im geringeren Umfang. www.edmond-de-rothschild.com/France