Zurück auf der Erfolgsspur?

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In der Pharma- und Biotechbranche sind Übernahmen keine Seltenheit. Größe macht stark und schafft Synergieeffekte. Nach einer Durststrecke in den vergangenen Monaten könnten entsprechende Branchenfonds wieder Aufwind verspüren.

Die Story stimmt wegen den zugrundliegenden Megatrends (demografische Entwicklung und steigendem Gesundheitsbedürfnis) aber nach wie vor. Insbesondere die Aussichten in Asien und anderen Wachstumsmärkten erscheinen vielversprechend. Der deutsche Pharmakonzern Bayer bietet aktuell 62 Mrd. US-Dollar für die Übernahme des Agrochemie-Unternehmens Monsanto. Ob dieser Aufkauf glückt und den gewünschten Erfolg bringt, sei dahingestellt. Richtig ist, es ist (wieder) Leben in der Pharma- und Biotechbranche. 2012 bis 2014 waren entsprechend allokierte Fonds noch sehr begehrt und standen ganz oben auf dem Performance-Ranking. Im vergangenen Jahr hatten die Kurse vieler Pharmaunternehmen die Erwartungen enttäuscht. Auch zahlreiche Biotechfirmen konnten ihren guten Lauf nicht fortsetzen. In der 3-Jahres-Bilanz glänzen viele Fonds noch mit satten Kursentwicklungen um die 50 %; auf 1-Jahressicht sind negative Vorzeichen mit Abschlägen um die 20 % die Regel. Im Vergleich hierzu notiert der breitgefasste MSCI World Index auf 12-Monatssicht nur mit aktuell 9 % im Minus. Seit Sommer des vergangenen Jahres hat beispielsweise der Biotechnologie-Sektor Abflüsse von rund 10 Mrd. US-Dollar hinnehmen müssen. Dadurch lägen die Bewertungen nun unterhalb ihres langfristigen Durchschnitts und seien so günstig wie seit 4 Jahren nicht mehr, analysiert der US-Fondsanbieter Janus Capital. Dahingehend stimmen viele Experten überein, dass die Story für die „Gesundheitsbranche“ (Pharma/Medtech und Biotech) nach wie vor überzeugend ist. Daniel Koller, Leiter des Management-Teams BB Biotech sagt, dass die Biotech-Branche sich in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl von Produktzulassungen und äußerst erfolgreichen Produktstarts ausgezeichnet habe. Treiber des Aufschwungs waren tatsächlich in der Vergangenheit viele Neuentwicklungen und Innovationen. „Gerade in den Bereichen Immuno-Onkologie und seltene Krankheiten erwarten wir in den nächsten Jahren einige vielversprechende Zulassungen. Genauso wie bei Leber-Krankheiten oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Darunter sollten auch wieder einige Blockbuster sein. Aber auch die technologische Entwicklung in anderen Bereichen der Healthcare-Branche ist bemerkenswert. Healthcare-IT und Robotik sind hier besonders hervorzuheben“, fügt Ingo Grabowsky, Vertriebsdirektor und Prokurist der Lacuna AG an. Es spricht viel dafür, dass die Kurse wieder nach oben klettern. Es macht sich für Healthcare-Unternehmen durchaus bezahlt, in Arzneimittelforschung und -entwicklung zu investieren. Gerade hinsichtlich der Medikation von Alzheimer und Multiple Sklerose ruhen die Hoffnungen insbesondere auf der Biotechnologie. Das Interesse der Großindustrie an Healthcare-Produkten ist ungebrochen. Dabei schaut die deutsche Biotechnologie-Branche auf ein gutes Jahr 2015 zurück. Demnach ist der Umsatz der knapp 600 deutschen Biotech-Firmen im Jahr 2015 um 8 % auf 3,3 Mrd. Euro angestiegen. Ähnlich erfreulich ist der Trend bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F & E): Mit 1,04 Mrd. Euro liegt dieser Wert erstmals seit 2010 wieder über der Milliardenmarke. Das meiste Geld wurde dabei in die Entwicklung neuer Therapien und Diagnostika gesteckt. Knapp 20.000 Arbeitsplätze zählt die in der Nische beheimatete Biotechbranche. Die große Pharmaindustrie hat dagegen im vergangenen Jahr weiterhin Arbeitsplätze gestrichen, wenn auch nicht mehr mit dem gleichen Tempo wie zuvor. Insgesamt belief sich das Volumen des weltweiten Pharmamarkts im Jahr 2015 auf ca. 985 Mrd. US-Dollar. Mehr als die Hälfte davon entfielen auf die größten 5 nationalen Märkte, wovon die USA mit knapp einem Drittel des Gesamtvolumens führend sind. Mittelfristig könnten sich die Weltmarktanteile jedoch mehr in Richtung der aufstrebenden Märkte (Wachstumsstaaten) verschieben, deren Pharmawachstumsraten mitunter im zweistelligen Prozentbereich liegen. „Allein die weltweite demografische Entwicklung und die immer älter werdende Gesellschaft führt zu einem Wachstum des Gesundheitsmarktes von ca. 3 % p. a. In den Emerging Markets werden viele Gesundheitssysteme gerade aufgebaut. Neben einer Veränderung der Lebensweise in diesen Regionen und der wirtschaftlichen Entwicklung führt dies zu weiteren Wachstumsimpulsen für den Gesundheitssektor“, bemerkt Lacuna-Prokurist Grabowsky. Der vor 10 Jahren lancierte Lacuna – BB Adamant Asia Pacific Health, der sich auf Investments im asiatischen Gesundheitsmarkt spezialisiert hat, hat seit Auflage mit Stand vom 31.März 2016 einen Gewinn von 85,66 % erwirtschaftet. Speziell im Biotech- und Medtech-Sektor sind es insbesondere die kleineren Firmen, die mit innovativen Produktentwicklungen hohes Wachstum erzielen können und die nicht immer wie eine Amgen, Bayer oder BASF in globalen Fondsportfolios zu finden sind. Etwas trüber, speziell für die Biotechbranche, ist die Einschätzung des Analysehauses Feri. Demnach bleibe auch momentan abzuwarten, wie rasch sich die Branche erholen werde, da die Biotechbranche ihrem eigenen Zyklus unterliege. Die besondere Herausforderung liege gerade bei Healthcare-Firmen darin, dass die Produktentwicklungszyklen oft extrem lange dauern könnten. Sie überträfen auch die bereits langen Zyklen der Pharma- oder der Automobilbranche, kommentierte Feri. (hsd) Fazit Sind die Aktien einer Branche über lange Zeit immer gestiegen, mehren sich die Zweifel, ob der Trend halten kann. Zuletzt war das bei Gesundheitswerten (Pharma/Medtech/Biotech) der Fall. 2015 setzte eine Korrektur ein. Dennoch spricht einiges dafür, dass die positive Entwicklung der Jahre 2012 bis 2014 weiter fortbesteht. Kursrücksetzer können auch gute Einstiegsmöglichkeiten sein. Für Vermittler ist es wichtig zu wissen, dass viele gelistete Fonds ein Währungsrisiko bergen, da die Branche generell sehr US-lastig ist. Info 266 Fonds mit Schwerpunkt „Aktien weltweit Gesundheitswesen“ listet das Finanzportal www.finanztreff.de auf. > Der SEB Concept Biotechnology D (EUR) führt die Hitliste mit einem Plus von 189,73 % auf 5-Jahressicht an. Dem Fondsmanagement ist es meist gelungen, die Benchmark MSCI WRLD/HEALTH CARE deutlich zu schlagen. Über 90 % der Assets sind in US-amerikanische Titel investiert. > Knapp geschlagen geben musste sich der ESPA STOCK BIOTEC VT. Auch hier setzt das Fondsmanagement fast ausschließlich auf US-Werte. > Aufs Podest schafft es auch der Bellevue Funds (Lux) BB Adamant Biotech I EUR. Ein Plus von 181,52 % rückblickend auf die vergangenen 5 Jahre beschert dem Schweizer Fondsmanagement den 3. Rang.   (Gesundheitsbranche / finanzwelt 03/2016)