Zinswende sorgt für vorübergehende Entspannung bei Baufinanzierung

Tomas Peeters, CEO von Baufi24 und Bilthouse / Foto: @ Baufi24

Tomas Peeters, CEO von Baufi24 und Bilthouse spricht in seinem Zinskommentar über die Auswirkungen des aktuellen Marktumfelds auf die Immobilienwirtschaft. Er geht auch auf die Wichtigkeit der Fördermöglichkeiten für den Wohnungsbau ein.

Das Zinsniveau beeinflusst die Entscheidung von Immobilienkäufer/-innen genauso wie steigende Bau- und Sanierungskosten. Aber noch mal im Überblick:

  1. Die Erhöhung der Leitzinsen ist ein begrüßenswerter Versuch, der Inflation und Überhitzung entgegenzuwirken. Dass die Federal Reserve gestern innerhalb weniger Wochen bereits zum zweiten Mal kräftig den Leitzins erhöht, ist ein Versuch, die überhitzte Wirtschaft gegen die Inflation zu schützen. Die Unterbrechung von Lieferketten, steigende Energiepreise, der Ukraine-Krieg und der erneute Corona-Lockdown in China bringen ebenfalls Unruhe. Es ist ein schmaler Grat, um die Wirtschaft nicht in den Abschwung zu bewegen.
    .
  2. Die bereits ausgelasteten Bauunternehmen verschieben jetzt aus zwei Gründen ihre Projekte: Baukosten sind aufgrund der schnell steigenden Preise schwer bis gar nicht kalkulierbar und es herrscht weiterhin ein massiver Mangel an Handwerkern.

Zwei Aspekte sollten Kaufaspiranten dabei im Blick behalten:

Banken haben die Anhebung der Zinsen eingepreist, denn sie fallen leicht

Die Leitzinserhöhung hat Einfluss auf die Finanzierungskonditionen für Immobilienkäufer/-innen. Doch entgegen den Erwartungen, dass Baukredite weiter verteuern, sehen wir zunächst eine Erleichterung: Die Banken scheinen den Anstieg bereits eingepreist zu haben, denn seit der Erhöhung des Leitzinses gehen die Zinsen leicht zurück. Ob sich dieser Trend fortsetzen wird oder die Zinsen auf jetzigem Niveau stagnieren, ist schwer abzusehen. Wer aktuell eine Baufinanzierung abschließt, zahlt bei einer Finanzierung in Höhe von 400.000 EUR gut 600 EUR höhere Raten als noch vor neun Monaten. Dies in Kombination mit der hohen Inflation und steigenden Energiepreisen verunsichert privaten Bauherren und Immobilienkäufer/-innen.

Weniger KfW-Förderung für mehr Menschen

Immobilienkäufer/-innen brauchen mehr Sicherheit durch energetische Förderung. Doch: Zusätzlich zur FED-Nachricht kündigte gestern die Ampel-Koalition eine kurzfristige Änderung der KFW-Subventionen an. Ab sofort erhalten Sanierer geringere Subventionen, dafür können mehr Menschen davon profitieren (mehr dazu hier und hier). Wir plädieren für mehr Förderung der energetischen Gebäudestandards. Abhilfe könnte unter anderem der Verzicht der Bundesregierung auf ihre hohen Energiestandards bei Neubauten schaffen. Diese behindern die Erreichung der aktuellen Wohnungsbauziele von 400.000 Wohneinheiten bis Jahresende. Energetische Förderprogramme müssen unbürokratisch und individualisierbar gelingen, ohne die Leistbarkeit für Mieter/-innen und (potenzielle) Eigenheimbesitzer/-innen zu gefährden. Nur so können wir das Auskommen kreditnehmender Familien sichern. (ah)