Zinssenkungen vorprogrammiert!

Stefan Wallrich, Vorstand der Wallrich Asset Management AG / Foto: © Wallrich Asset Management AG

Die Konjunktur trübt sich immer weiter ein. Diese Situation spiegelt sich inzwischen auch in der Gewinnentwicklung deutscher Großkonzerne wider. Rückenwind für DAX und Euro Stoxx 50 kam zuletzt praktisch ausschließlich von den Notenbanken. Trotz des sich abschwächenden Umfelds haben unsere Fonds an Wert hinzugewonnen.

Ob BMW, Daimler, Conti oder auch BASF und Lufthansa. All diese Konzerne haben in den vergangenen Wochen Gewinnwarnungen abgegeben. Dabei ließe sich die Aufzählung mit Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe (MDAX und SDAX) noch beliebig erweitern. Immer stärker belasten die internationalen Konflikte die Weltwirtschaft und damit insbesondere auch die Exportnation Deutschland. Beim Handelsstreit zwischen den USA und China sind keine Fortschritte erkennbar, über der europäischen Automobilindustrie schweben als Damoklesschwert nach wie vor mögliche US-Strafzölle von bis zu 25 Prozent, und zu allem Überfluss droht der neu gewählte britische Premier Boris Johnson vehement mit einem ungeordneten Brexit.

Es hätte auch schlimmer kommen können

Es überrascht deshalb nicht, dass der DAX im Juli rund 200 Punkte (minus 1,7 Prozent) verloren hat (Euro Stoxx 50: minus 0,2 Prozent). Dabei wäre es sicherlich noch schlimmer gekommen, wenn die Erwartungen nicht schon recht verhalten gewesen wären, und die Europäische Zentralbank nicht den Boden für weitere Zinssenkungen und/oder sonstige Maßnahmen zur Liquiditätsausweitung bereitet hätte. So hat der scheidende EZB-Chef Mario Draghi nach der letzten Notenbanksitzung die Möglichkeit noch tieferer Schlüsselzinsen angedeutet (bislang sollten sie bis Mitte 2020 stabil bleiben). Erneute Anleihekäufe würden ebenso geprüft, wie ein System, um die Folgen der Strafzinsen für Banken abzumildern.

Dennoch stellt die nun seit Jahren andauernde ultralockere EZB-Politik für Banken und natürlich auch klassische Sparer eine schwere Belastung dar. Die Zinsen sind auf ein Rekordtief gefallen und zwei Drittel aller europäischen Staatsanleihen weist inzwischen eine negative Rendite auf. Ob die Maßnahmen, deren Ankündigung nun für die nächste EZB-Zinssitzung am 12. September zu erwartet ist, die Konjunktur wird stützen können, bleibt abzuwarten. Zumindest macht es die Anlageklasse Anleihen noch unattraktiver, so dass auf mittlere Sicht weiteres Geld in die Aktienmärkte umgeschichtet werden wird.

Boomende High Tech-Werte

In den USA hat die Fed die Zinsen erstmals seit rund zehn Jahren wieder gesenkt. Auch hier machen Handelskonflikte und ein langsameres Wachstum der Zentralbank Sorgen. Gleichzeitig bezeichnete Fed-Chef Jerome Powell den Zinsschritt um minus 0,25 Basispunkte aber nur als „Midcycle Adjustment“ und will ihn wohl nicht als Auftakt für eine neue Serie jahrelanger Zinssenkungen verstanden wissen, worauf die Märkte enttäuscht reagiert haben.

So sind die Wachstumsaussichten 2019 in den USA mit 2,6 Prozent (IWF-Prognose) noch immer überaus gut. Besonders die amerikanischen Techwerte sind es, die aufgrund des anhaltenden digitalen Wandels hiervon profitieren können. Beispielsweise hat von den FAANG-Unternehmen (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google/Alphabet) bei den jüngsten Quartalszahlen nur Netflix enttäuscht. Andere Werte, wie zuletzt Apple, haben stattdessen positiv überrascht. Der Wachstumstrend der Branche ist jedenfalls ungebrochen.

Kolumne von Stefan Wallrich,
Vorstand der Wallrich Asset Management AG in Frankfurt am Main