Zinsgipfel in größerer Entfernung

Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz / Foto: © Eyb & Wallwitz

Auf ihrer heutigen Sitzung hat die EZB die Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben. Der Einlagensatz liegt damit bei 2 %. Substanzielle weitere Schritte sollen kommen. Die EZB sieht den Zinsgipfel in größerer Entfernung als die FED. Vorsichtig soll dagegen die angekündigte Bilanzkürzung ablaufen. Hier werden die Risiken für den Finanzmarkt zu Recht als größer eingeschätzt als in den USA, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.        

Auf ihrer heutigen Sitzung hat die EZB ihre Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben. Der Einlagensatz liegt mit 2 % nun am oberen Rand des Niveaus, was im Rat als „neutral“ mit Blick auf die Inflationswirkung eingeschätzt wird. Substanzielle weitere Schritte sollen kommen. Die EZB sieht den Zinsgipfel also in größerer Entfernung als die FED. Analog zur FED erwartet auch die EZB nach Erreichen des Gipfels eine längere Phase mit unverändertem Zins. Hintergrund ist, dass die neue Inflationsprognose die Teuerung auch 2025 noch über dem 2 %-Ziel sieht und sich die Finanzierungskonditionen in Europa – entgegen dem Impuls der EZB – zuletzt verbessert haben. Zinssenkungsfantasien hat deshalb auch die EZB heute eine klare Absage erteilt.

Vorsichtig soll dagegen die angekündigte Bilanzkürzung (QT) ablaufen. Der Abschmelzprozess der Wertpapierportfolien soll im März 2023 beginnen und die Liquidität soll zunächst monatlich um 15 Mrd. Euro reduziert werden, etwa ein Drittel des Anfangstempos in den USA ab Mitte 2022. Hier werden die Risiken für den Finanzmarkt und vor allem die Finanzierungskosten der Peripherieländer zu Recht als größer eingeschätzt als in den USA. Zudem wird dem Finanzmarkt durch die Rückzahlung der TLTRO-Refinanzierungsgeschäfte durch die Banken auf anderem Wege weitere Liquidität