Zinsen in der Eurozone bleiben niedrig

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Kurz vor der Jahreswende schauen wir zurück und blicken gleichzeitig nach vorne. finanzwelt sprach hierzu mit Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH.

finanzwelt: In der Rückschau – wie ist das nun ablaufende Jahr für Ihr Haus verlaufen?

Juds: Bislang war die Wertentwicklung in den Depots in 2018 unbefriedigend. Die Depots liegen derzeit im einstelligen Minusbereich. Nicht nur, dass der Oktober zu erheblichen Rückgängen geführt hat, sondern auch die stark zugenommenen Schwankungen haben die Stimmung auf kurze Sicht erheblich belastet. Mittelabflüsse haben wir bislang nur in geringem Umfang zu beklagen, während die Branche allein im Oktober rund 35,3 Mrd. Euro an Nettomittelabflüssen in Publikumsfonds zu verzeichnen hatte – so viel wie seit August 2011 nicht mehr. Ängste und weniger belastbare Fakten lösen derzeit die Verkaufswelle an den Märkten aus.

finanzwelt: Welche Fondskategorien stehen Ihrer Meinung nach im kommenden Jahr vertrieblich ganz vorn?

Juds: Vermutlich werden die defensiven Fonds ganz oben auf der Wunschliste der Anleger stehen. Wir hingegen bleiben unserer Linie treu und verzichten auf kurzfristige Prognosen. Langfristig bleiben wir in unseren Zielfonds investiert. Wir bleiben auf Kurs! Die Aktienquoten haben wir nicht reduziert – im Gegenteil: Wir nutzen das Rebalancing zu Aufstockungen in den Depots.

finanzwelt: Sind Sie der Meinung, dass das Thema Zinsen in 2019 (noch) bedeutsamer für die Fondsbranche wird?

Juds: Nein, vermutlich nicht. Die Zinsen bleiben in der Eurozone niedrig. In den USA könnte es im Fall einer wirtschaftlichen Abschwächung zu ersten Zinssenkungen kommen. Daran dürfte sich nichts ändern. Ich sehe keine Notwendigkeit, den Rentenanteil in den Depots derzeit massiv zu erhöhen.

finanzwelt: Wie beurteilen Sie die regulatorischen Maßnahmen des europäischen Gesetzgebers auf das Investmentgeschäft (MiFID II-Richtlinie, Basisinformationsblätter)?

Juds: Grundsätzlich finde ich die Grundidee von MiFID II positiv. Wir haben in diesem Jahr die Depots in der Vermögensverwaltung umgestellt auf die neuen Clean Share Classes bzw. auf institutionelle Anteilsklassen ohne Bestandsprovisionen. Diese Vorgehensweise schafft deutlich mehr Kostentransparenz für den Kunden, auch wenn aus meiner Sicht einige Vorschriften wenig erkennbaren Kundennutzen stiften. Vielleicht gibt es an der einen oder anderen Stelle noch Nachbesserungen. Mit dem Provisionsverbot in der Vermögensverwaltung können wir gut leben.