ZIA kritisiert Politik

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Der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss kritisiert die hohen Nebenkosten beim Immobilienerwerb. Besonders die hohe Grunderwerbsteuer wird als großes Problem ausgemacht.

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist eine kostspielige Angelegenheit. Dies hängt allerdings nicht nur mit den steigenden Immobilienpreisen, sondern auch mit den hohen Erwerbsnebenkosten beim Immobilienkauf zusammen. Diese kommen vor allem durch die Grunderwerbsteuer zusammen, die 14 der 16 Bundesländer seit 2007 von ursprünglich 3,5 % auf bis zu 6,5 % angehoben haben. Laut ZIA werden damit allerdings staatliche Maßnahmen zur Bildung von Wohneigentum untergraben. Das IW Köln kommt deshalb in dem vom ZIA in Auftrag gegebenen Gutachten “Zur Rationalität einer neuen Eigentumsförderung” zu dem Schluss, dass der Gesetzgeber dafür sorgen solle, dass geringere Erwerbsebenkosten anfallen, denn dann könne er auf eine neue Förderung der Eigentumsbildung verzichten. „Wohneigentum ist ein wichtiges Standbein unserer Gesellschaft und ein sehr gutes Mittel zur persönlichen Altersvorsorge. Die Grundidee der Politik, den Wohnungskauf zu fördern, ist dementsprechend richtig und wichtig. Doch brauchen wir dafür keine neue Förderung“, erklärt Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA. „Wir sollten vielmehr darauf setzen, bestehende Hürden insbesondere durch zu hohe Grunderwerbsteuer-Sätze abzubauen und so die Attraktivität von Wohneigentum zu erhöhen.“

Mattner wirft der Politik Konzeptlosigkeit vor: „Die Wahlkampfideen der Parteien zur Förderung von Wohneigentum laufen ins Leere, wenn wir zulassen, dass die Kaufnebenkosten weiter steigen. Eigenheimzulagen und Familienförderungen setzen nicht am eigentlichen Problem an, sondern behandeln lediglich Symptome. Viele Haushalte können keine 20 % des Marktwertes einer Wohnimmobilie aufbringen, um sich ihre eigenen vier Wände zu kaufen“, sagt Mattner.  Aus diesem Grund fordert der ZIA einen Stopp der Grunderwerbssteuer-Rallye in Deutschland. „Die Eigenheimzulage hatte den Steuerzahler zu ihrer Zeit mehr als 11 Mrd. Euro pro Jahr gekostet. Die bundesweite Senkung der Grunderwerbsteuer auf ein einheitliches Niveau wäre weitaus günstiger als eine solche Förderung und würde die Hürden beim Wohnungskauf erheblich reduzieren“, sagt so der ZIA-Präsident.

Kaufnebenkosten weit über 10 %

Neben der Grunderwerbsteuer fallen noch weitere Kosten wie Makler- und Notargebühren sowie für Grundbucheintragungen an. So sind beim Erwerb einer Immobilie in Nordrhein-Westfalen mit einem Wert von 250.000 Euro 28.000 Euro Erwerbsnebenkosten zu zahlen, also 11,6 %. Mit 16.250 Euro macht alleine die Grunderwerbssteuer mehr als die Hälfte davon aus. „Die Grunderwerbsteuer ist der größte Nebenkostenfaktor für Wohnungskäufer. Während Bayern und Sachsen noch auf dem ursprünglichen Niveau von 3,5 % verblieben sind, werden in Brandenburg, NRW, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen bereits 6,5 % erhoben“, erklärt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte des IW Köln. Die steigenden Steuern sind für viele Käufer vor allem deshalb problematisch, weil die Banken aufgrund der erhöhten Kapitalanforderungen im Zuge der stärkeren Reglementierung der Kreditvergabe die Nebenkosten nicht mehr finanzieren. Dazu kämen die konservativen Eigenkapitalanforderungen. „Bei einem Immobilienwert von 250.000 Euro in NRW müssten Käufer im Durchschnitt rund 50.000 Euro an Eigenkapital mitbringen. Zusätzlich wird auch noch Geld für den Umzug und neue Möbel benötigt“, sagt Voigtländer.

Erwerbsnebenkosten auf international hohem Niveau

Das Gutachten des IW Köln zeigt zudem, dass die Erwerbsnebenkosten im internationalen Vergleich sehr hoch sind. In Deutschland werden im Schnitt 12,7 % zusätzlich fällig, lediglich in Belgien sind es mit 15,2 % noch mehr. In Österreich (9,1 %), Frankreich (8,5 %) und besonders den Niederlanden (6,4 %) sind hingegen beim Immobilienkauf deutlich weniger Nebenkosten zu zahlen. „Grunderwerb wird in den Niederlanden mit 2 % des Marktwertes der Immobilie versteuert. Dort sparen Haushalte im Vergleich zu deutschen Käufern einen Betrag von bis zu 4,5 % des Immobilienwertes“, sagt Voigtländer. (ahu)

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