Zertifikateanlager optimistisch – trotz Regulierung

Lars Brandau, Geschäftsführer Deutscher Derivate Verband / Foto: © DDV

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbands (DDV) stand im finanzwelt-Talk Rede und Antwort. Ein Anlass war die aktuelle Emittentenumfrage des DDV.

finanzwelt: 2018 neigt sich dem Ende zu. Kein einfaches Jahr – fortwährende Handelsstreitigkeiten und eine gedämpfte wirtschaftliche Stimmung belasten die Kapitalmärkte. Welches Fazit zieht die Zertifikate-Industrie?

Brandau: Die Mehrheit der Zertifikate-Produzenten blickt auf einen guten Geschäftsverlauf zurück und ist optimistisch für das nächste Jahr gestimmt. Das lässt sich zumindest unserer aktuellen DDV-Emittentenumfrage entnehmen. Diese positive Grundhaltung spiegelt sich aber auch im Marktvolumen wider, das in den ersten drei Quartalen absolut von 69,8 Mrd. Euro auf 72,4 Mrd. Euro gestiegen ist. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt dümpelte lange Zeit ziemlich orientierungslos vor sich hin, bevor es dann mit den Kursen teilweise steil bergab ging. Der DAX hat seit Jahresbeginn bis zum heutigen Tag rund 14 Prozent eingebüßt. Ein Vorteil der Brandreite strukturierter Wertpapiere liegt ja darin, dass wir Produkte für jedwede Marktlage haben und sich auch in schwierigen Phasen Gewinne erzielen oder zumindest Verluste abfedern lassen. Alles in allem ziehen die Emittenten und auch der DDV ein positives Resümee.

Grafik 1:

 

Quelle: Emittentenumfrage des DDV, Dezember 2018

finanzwelt: Welche Produktkategorien stehen denn aktuell in der Anlegergunst weit vorn?

Brandau: Die leicht gestiegenen Marktzinsen haben ihren Niederschlag in verbesserten Angebotskonditionen bei kapitalgeschützten Anlage-Zertifikaten gefunden. So werden strukturierte Anleihen wieder stärker nachgefragt. 30 Prozent der Emittenten räumen Kapitalschutz die größten Zuwachsraten in 2019 ein. Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Vorjahresumfrage. Aber auch Express-Papiere dürften, da sie Gewinne in seitwärtstendierenden Marktphasen in Aussicht stellen, weiter (sehr) gefragt sein. Das Absatzpotenzial von Klassikern wie Discount- und Bonus-Zertifikate dürfte in 2019 auch anziehen. Bei den gehebelten Produkten sollten Knock-Out Produkte weiter klar im Fokus bei den Anlegern stehen.

finanzwelt: Und die Regulierung, wie stehen Ihre Emittenten hierzu?

Brandau: Das Thema Regulierung blieb für die Zertifikate-Produzenten auch in diesem Jahr allgegenwärtig. So stellen sich immer noch 35 Prozent der Emittenten darauf ein, dass der Aufwand für die Regulierung von strukturierten Produkten durch Gesetzgeber und Wertpapieraufsicht 2019 leicht oder stark zunehmen wird. Weitere 35 Prozent erwarten hierbei keine Veränderung. Immerhin fast jeder dritte Emittent, mehr als bei der letztjährigen Umfrage, geht von einem abnehmenden Aufwand für die Regulierung aus.

Insgesamt lässt sich sagen, dass in den vergangenen Jahren vor allem vom europäischen Gesetzgeber eine Reihe von Vorschriften erlassen wurden, die auf mehr Transparenz und Anlegerschutz abzielten. Einige der regulatorischen Ansätze sind, trotz extrem hohem Aufwand, dabei durchaus sinnvoll. Wiederum andere Maßnahmen sind auf ihre Plausibilität und ihren Wirkungsradius zu überprüfen. Anlegern sollte der Zugang zu Wertpapieren nicht zusätzlich erschwert werden.