Zeit für ein Comeback

Man liest viel vom Ende der Goldparty. Dabei wird vergessen, dass es neben dem gelben Edelmetall auch noch Silber gibt, das für die Industrie sehr wichtig ist. Wie geht es weiter mit dem Weißmetall? Dazu und zu anderen Aspekten fragte finanzwelt Funda Sertkaya, Geschäftsführerin der Ophirum Commodity GmbH in Frankfurt.

finanzwelt: Silber gilt seit jeher als schwankungsintensives Investment. Im vergangenen Jahrzehnt konnten Investoren sehr attraktive Renditen (auf Euro-Basis) einfahren. In 2014 sehen wir einen Seitwärtstrend, zuletzt rutschte der Silberpreis aber unter die 20 US-Dollar. Ist der kleine Bruder zum Gold derzeit ein attraktives Investment? Erkennen Sie eine Bodenbildung?
Sertkaya: Wir sehen in der Tat kurzfristig betrachtet eine Bodenbildung und gehen von einem kurzfristigen Seitwärtstrend aus. Unabhängig von den jüngsten Kursrückgängen bleiben die langfristigen Perspektiven jedoch für Silber hervorragend. Die EZB hat zuletzt angekündigt, dass sie ihre Bilanzsumme von aktuell 2,04 Billionen Euro auf 2,7 Billionen Euro ausweiten will. Die Geldschwemme könnte langfristig für einen deutlichen Wertverlust des Euro sorgen. Im Gegenzug könnte der Preis von Silber durch die Liquiditätsschwemme steigen. Zumal die weltweiten Lagervorräte aktuell im langfristigen Vergleich sehr niedrig sind. Im Gegensatz zu früher sind die Besitzer von Silber-ETCs derzeit die größten Halter des Edelmetalls. Und sollte es kurzfristig zu einer Eindeckung der Short-Positionen kommen, hätten diese Anleger allen Grund zur Freude.

finanzwelt: Wie stark hängt Silber an der Weltwirtschaft? Was bedeutet eine konjunkturelle Abkühlung für den Silberpreis?
Sertkaya: Silber spielt auf beiden Fronten – sowohl in der Anlagewelt als auch in der Industrie – eine tragende Rolle. Aber im Grunde genommen ist Silber mehr ein Industriemetall als Anlagevehikel. Und somit auch ein Gradmesser für die Weltwirtschaft. Insbesondere in der Elektronik- und Solarindustrie ist das Weißmetall gar nicht mehr wegzudenken. Rund 2/3 der weltweiten Nachfrage kommen allein aus diesen beiden Branchen. Beginnt die Weltwirtschaft zu stocken setzt dies den Silberpreis unter Druck.

finanzwelt: Welchen Einfluss haben die Entwicklungen in wichtigen Abnehmerländern wie China und Indien (Nachfrage nach physischem Silber erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert)?
Sertkaya: Den höchsten Einfluss überhaupt. Die Finanzindustrie ist selbstverständlich auch ein großer Preistreiber. Doch die Nachfrage aus den Schwellenländern ist nach wie vor groß. Der steigende Wohlstand in der Mittelschicht führt zu einem steigenden Lebensstil und somit auch zur Nachfrage nach Elektronikartikeln. Weil das Silber bei der Herstellung von Elektronikartikeln oder Solarpanels „verbraucht” wird, und damit für künftige Anwendungen nicht mehr zur Verfügung steht, schmelzen die weltweiten Vorräte zusehends dahin. Laut einer Studie des Branchenverbands Silver Institute sind sie zuletzt auf weniger als 1,39 Mrd. Unzen (43.233,83 Tonnen) gesunken und liegen damit in der Nähe des Allzeittiefs. Im Jahr 1900 wären es noch zwölf Billionen Unzen gewesen.

Doch es ist nicht nur die Binnennachfrage in diesen Ländern, die den Preis treibt. Ich empfehle jedem, mal mit offenen Augen durch Deutschlands Elektronikgeschäfte zu gehen und sich dort die Herstellerländer der Artikel anzuschauen. Dort wird nochmals richtig deutlich, dass China die Werkbank der Welt geworden ist.

finanzwelt: In der Vergangenheit sprachen Sie im Interview davon, dass Sie das Augenmerk vor allem auf der Verbreiterung des Produktangebots legen wollen. Wie fällt hierzu Ihr Zwischenfazit im Herbst 2014 aus? Wo möchten Sie sich noch stärker positionieren?
Sertkaya: Wir haben Wort gehalten. Seit 2011 hat sich sehr viel getan bei Ophirum. Wir sind damals gestartet mit dem Anspruch, alles am Markt befindliche besser zu machen bzw. zu erweitern.
Neben der Erweiterung des physischen Angebotes im Edelmetallshop haben wir zahlreiche neue Produkte strukturiert und ins Leben gerufen. Das Edelmetalldepot ist eines davon. Die professionelle Einlagerung in einem Hochsicherheitsdepot zu guten Konditionen und einem kundenfreundlichen, einfachem Handling war unser Anspruch. Mittlerweile ist es eines unserer beliebtesten Services.
Unsere Sparpläne sind die nächste Erfolgsstory. Auch hier trafen wir auf einen intransparenten Markt mit vielen kleinen Akteuren und undurchsichtigen Kostenstrukturen und vielen Hindernissen.
Unser jüngstes Produkt sind die Ophirum ETPs, welche wir gemeinsam mit der renommierten Baader Bank ins Leben gerufen haben. Mit unseren Exchange Traded Products bringen wir zwei Anlegergruppen zusammen und vereinen somit auch das Beste auch aus diesen beiden Welten: Börsianer und Goldkäufer. ETPs verbriefen physische Edelmetalle und liefern bei Gold auch auf Wunsch kostenlos aus. Somit entfällt die lästige Suche nach einer Einlagerung und Versicherung, Anleger kommen in den Genuss von liquiden Börsenkursen und einer Handelsüberwachung.
Für die Zukunft liegt unser Hauptaugenmerk im Ausbau des Vertriebspartnergeschäftes. Hier glauben wir noch signifikant wachsen und auch Vertriebspartnern sehr interessante Produkte anbieten zu können. In diesem Bereich wird sich in naher Zukunft auch einiges tun.

(Das Interview führte Alexander Heftrich)