Zarte Erholung

Der Euro fällt, deutsche und europäische Aktien steigen. Die Hoffnung auf den europäischen Zentralbankpräsidenten Mario Draghi trägt wieder einmal Früchte. Am 10. März wird er seine im Dezember angekündigte Ausweitung der geldpolitischen Maßnahmen verkünden bzw. konkretisieren.

Aufgrund des allgemein verspürten Nachlassens der Wachstumsdynamik in Europa hoffen viele Marktteilnehmer, dass Draghi ein größeres Geldfass öffnen wird. Ob es sich dann endgültig um die Büchse der Pandora handelt, mag die Zeit zeigen. Kurzfristig jedoch sind sämtliche Stabilisierungselemente willkommen. Denn gefühlt wäre an den Märkten alles wieder in Ordnung, stünde nicht immer noch ein Minus von 9,55 Prozent beim Dax zum Jahresbeginn zu Buche.

Die jüngsten Inflations- oder besser Deflationsdaten in Europa, die eine Preisentwicklung von -0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr anzeigten, befeuern natürlich die Erwartungen an eine weitere Lockerung der europäischen Geldpolitik. Das Enttäuschungspotenzial wächst jedoch synchron zum Anschwellen der Erwartungshaltungen. Bereits im Dezember 2015 ließ Draghi seinen Ankündigungen aus Sicht der Marktteilnehmer zu wenig Taten folgen. Das G20-Treffen brachte immerhin zwar keine überbordenden Konjunkturprogramme ans Tageslicht, aber auch keine größeren Belastungen. Die Aussicht, dass China sich in das Weltwährungsgefüge einreiht und keine aggressive Abwertungsstrategie verfolgen wird, trug zur Beruhigung an den Finanzmärkten bei. Die Chancen stehen gut, dass die Ruhe zumindest bis zur EZB-Ratssitzung am 10. März anhalten könnte.

Autor: Michael Beck,
Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG