Wünsch dir was

Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG / Foto: © Bank J. Safra Sarasin

Die Erwartungen an die zukünftige Wirtschaftspolitik sind hoch

Es mag an der Vorweihnachtszeit liegen: Die Erwartungen an baldige Geschenke sind an den Finanzmärkten hoch. Gleichzeitig werden die Gedanken an den möglichen Zwist mit der Verwandtschaft sowie den Feiertagskater noch verdrängt. Geschenke werden hauptsächlich in Form eines Fiskalpakets aus den USA erwartet. Ob und wann dies überhaupt kommt, ist derzeit nicht sicher. Falls es aber der Fall wäre, sollten Inflationsgefahren nicht ausgeschlossen werden. Manche Marktteilnehmer ahnen dies, wie die sensitive Reaktion auf den letzten Zinsentscheid der Fed zeigt.

Die Stimmung in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten ist derzeit sehr gut. Nicht nur der ifo-Index übertrifft die Prognosen ein ums andere Mal. Auch die Konjunkturindikatoren der meisten anderen Industrieländer lassen die Erwartungen bezüglich der weltwirtschaftlichen Dynamik im neuen Jahr nach oben schnellen. Entsprechend robust präsentieren sich die Finanzmärkte. Oder ist es vielleicht anders herum? Sind die Konjunkturerwartungen so robust, weil die Finanzmärkte trotz mancher politischer Überraschungen dieses Jahres nach oben geschnellt sind? Betrachtet man die meisten der sich saisonal nun häufenden Jahresausblicke so ist es tatsächlich erstaunlich, wie stark sie auf der Erwartung einer in der Summe expansiv wirkenden Wirtschaftspolitik aufbauen – einer Politik, die aber auch nicht so expansiv ist, dass stärkere Inflationsgefahren zu deutlich mehr Zinserhöhungen führen würden. Als fast sicher gilt, dass der neue US-Präsident sich gegen die Widerstände in der eigenen Partei durchsetzt und Steuersenkungen sowie Infrastrukturausgaben beschließt, die den gegenwärtigen Konjunkturzyklus verlängern und beschleunigen. Dabei ist bislang überhaupt nicht klar, was Trump denn tatsächlich für eine Politik konkret beabsichtigt. Vor genau einem Jahr wurde noch befürchtet, dass der langjährige konjunkturelle Aufschwung in den USA sich dem Ende neigt. Lange wurde diskutiert, ob die USA stabil genug seien für eine weitere Zinserhöhung. Von Skepsis ist derzeit keine Spur mehr vorhanden, obwohl das Zinsniveau 10-jähriger Anleihen nun mehr als 100 Basispunkte höher ist als zur Jahresmitte, bei einem 6 Prozent höheren handelsgewichteten Wechselkurs. Auch für die amerikanische Notenbank ist dies ein schwieriges Umfeld. Bislang ist sie datenabhängig vorgegangen. Das war richtig so. Sollte die neue US-Administration jedoch tatsächlich zügig ein Fiskalpaket beschliessen, dann steigen auch die Inflationsgefahren. Möchte die Fed ein Überschiessen der Inflationsraten über die Inflationsziele verhindern, so muss sie berücksichtigen, dass eine expansivere Fiskalpolitik genau wie eine restriktivere Geldpolitik nicht einen sofortigen, sondern erst mittelfristigen Einfluss auf die Preisdynamik hat. Zinserhöhungen in diesem Umfeld richtig zu dosieren, wird nicht einfach sein. Wir hoffen, dass die hohen Erwartungen an den Finanzmärkten nicht so schnell gegen andere getauscht werden, wie das vielleicht bei dem einen oder anderen Weihnachtsgeschenk der Fall sein mag.

Kolumne von Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG