Wo landen die Emissionserlöse?

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Nicolas Schmidlin

Pleiten, Pech und Pannen. „Traumschiff” sagt Weltreise ab. Man könnte meinen, das Segment für Mittelstandsanleihen wird überschwemmt von Insolvenzen der begebenen Emittenten. Nicolas Schmidlin, Mitglied des Vorstands ProfitlichSchmidlin AG, plädiert im Interview für effiziente Gläubigerschutzklauseln und Transparenzrichtlinien.

finanzwelt: In den vergangenen Monaten wurde viel über das Segment der Mittelstandsanleihen geschrieben, oftmals negativ. Worauf ist hierbei im Besonderen zu achten (Rating, Transparenz)?
Schmidlin: Zahlreiche ursprüngliche Ratingeinschätzungen haben sich im Mittelstandsegment in der Tat als fehlerhaft herausgestellt. Dies hebt die elementare Bedeutung einer eigenen fundierten Analyse hervor. Die Einhaltung entsprechender Transparenz-Standards sollte überdies als Grundbedingung für eine Investition gelten. Zuletzt konnte öfters beobachtet werden, dass in Schieflage geratende Emittenten in weniger regulierte Marktsegmente wechseln oder die externe Berichterstattung komplett einstellen – spätestens dann sollte die Reißleine gezogen werden.

finanzwelt: Kritiker werfen ein, dass es sich bei Mittelstandsanleihen sehr häufig um ein „Spiel mit dem Feuer” handele. Zu Recht?
Schmidlin: Pauschal lässt sich dies nicht sagen, aber die laissez-faire Mentalität der letzten Jahre hat zahlreiche weniger solide Emittenten angelockt. Anleger sollten besonders auf die Mittelverwendung der Emissionserlöse achten: Werden diese zur Ablösung bestehender Bankkredite verwendet anstatt in Wachstum zu investieren, ist dies oft als bedenkliches Zeichen zu werten. Auch müssen Mittelstandsanleihen endlich mit international üblichen Gläubigerschutzklauseln und Garantien ausgestattet werden – aktuell stehen Risiko und Rendite oft in keinem Verhältnis.

finanzwelt: Wie schaut es mit dem Refinanzierungsvolumen aus?
Schmidlin: Die kommenden Jahre werden aufgrund der hohen Refinanzierungsvolumina zum Lackmustest für dieses Marktsegment werden. Aus unserer Sicht sind nicht vordergründig die Emittenten das Problem, sondern vielmehr die nicht ausreichenden Gläubigerschutzklauseln und Transparenzrichtlinien. Dies sind allerdings Probleme, die der Markt durchaus überwinden kann. Dann kann dieses Segment auch für große Kreise von institutionellen Anlegern interessant werden.

(Das Interview führte Alexander Heftrich)