Wo gibt es bald attraktive Anleihemärkte?

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Die Anzeichen für eine weltweite geldpolitische Wende erhöhen sich. Was bedeutet das für die Anleihemärkte? Damit hat sich die Investmentgesellschaft T. Rowe Price beschäftigt.

Das Wachstum der Weltwirtschaft verfestigt sich langsam, sodass mehrere große Zentralbanken ihre Geldpolitik wieder straffen. Da den Anleihemärkten die Auswirkungen einer möglichen zeitlich abgestimmten Anhebung der Zinsen durch die Zentralbanken noch wenig bekannt sind, kommt die Frage auf, ob im Halten von Anleihen aktuell irgendein Wert besteht. „Ein synchronisierter Schritt der Zinsanhebung unter den Zentralbanken dürfte bei den Staatsanleihen der Industrienationen für hohe Volatilität sorgen“, ist Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Global Fixed Income Investment Teams bei T. Rowe Price, überzeugt. „Durch dieses Umfeld zu navigieren, verlangt nach einem smarten Ansatz.“

Das Blatt wendet sich

Die Anzeichen mehren sich, dass die Zentralbanken langsam aber sicher Abstand von ihrer ultralockeren Geldpolitik nehmen. So steht die amerikanische Fed kurz davor, die sich in ihrem Besitz befindlichen 4,5 Billionen Dollar Anleihen abzubauen. Nächsten Monat dürfte sie zudem die Zinsen zum dritten Mal in diesem Jahr anheben. Auch die Bank of Canada hat seit Juli die Zinsen bereits zwei Mal erhöht und auch die Bank of England bewegt sich erstmals seit einem Jahrzehnt wieder in Richtung einer Zinserhöhung, um den Inflationsdruck abzukühlen. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass die europäische Zentralbank in Kürze ein Tapering ihres Anleihenkaufprogramms bestätigen wird, das im kommenden Jahr beginnen dürfte.

„Bei der Portfoliokonstruktion wird wahrscheinlich die genaue Positionierung auf der Zinskurve in den Mittelpunkt rücken“, sagt Quentin Fitzsimmons. „US-Anleihen mit langen Laufzeiten werden trotz des zunehmenden Drucks am kurzen Ende der Zinskurve stabil bleiben.“ Während die Fed auf ihrem letzten Meeting für Klarheit über ihren Zinserhöhungszyklus gesorgt habe, habe sie ebenfalls ihren Ausblick auf die Terminal Rate – die Rate, bei der die Wirtschaft weder expandiert noch abflaut – von 3 % auf 2,75 % gesenkt.

Reduziert Japan seine Anleihekäufe?

Ganz anders könnte nach Meinung von Experten die Situation in Japan verlaufen. So könnte die dortige Zentralbank ihre Käufe von Anleihen mit längeren Laufzeiten reduzieren, was dann zu einer steileren Kurve führen würde. In anderen Märkten dürften auch technische Faktoren, wie die Nachfrage heimischer Investoren, eine Rolle spielen. „Während Ende und Bauch der Zinskurve Großbritanniens im aktuellen Umfeld verletzlich ausschauen, gibt es für 50-jährige britische Staatsanleihen Unterstützung durch technische Faktoren“, sagt Fitzsimmons und fügt an, dass die mögliche Nachfrage nach diesem Teil der Zinskurve den Zahlungsverpflichtungen von britischen Versicherungs- und Rentenanstalten nachkommen müsse.

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