Wirtschaftsdaten der Eurozone durchwachsen

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Zwar gab es einige Indikatoren wie zum Beispiel die Einzelhandelszahlen, die sich verbesserten. Das Gros bleibt jedoch schwach, insbesondere die Umfrageindikatoren wie zum Beispiel die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Service-Sektor.

(fw/rm) Die Inflation bleibt niedrig, wenngleich diesen Monat eine kleine Aufwärtsbewegung stattfand, die von volatilen Faktoren wie Produkten für das Osterfest getrieben war. Wir gehen von einer weiterhin niedrigen Inflation in den kommenden Monaten aus, da der Euro sechs Prozent höher als im Vorjahr gehandelt wird und die Energiepreise weiter fallen. Die heutige EZB-Sitzung findet exakt ein Jahr nach dem Ausverkauf bei Bundesanleihen und auf exakt dem damaligen Renditelevel statt. Unserer Meinung nach möchte Herr Draghi sicherstellen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Im März 2015 begann die EZB im Rahmen ihrer monetären Lockerung Staatsanleihen zu kaufen. Im April rentierten zehnjährige Bundesanleihen bei 0,07 Prozent. Allerdings stieg die Rendite in den folgenden Monaten um rund 70 Basispunkte. Dieses Jahr im März stockte die EZB ihr Anleihekaufprogramm erheblich auf und die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel wieder bis auf 0,07 Prozent. Wie gesagt, auf diesem Niveau waren wir schon mal. Nach unserer Einschätzung wird Mario Draghi den geldpolitischen Kurs der letzten Ratssitzung beibehalten, als die EZB ein umfangreiches Paket zur weiteren Lockerung vorstellte. Damals erklärte er, dass seiner Erwartung nach weitere Zinssenkungen nicht nötig seien. Wir denken, dass dies vom Markt als Versprechen eines unveränderten Zinssatzes falsch verstanden wurde. Der Euro wertete in den folgenden Wochen zu einem 16-Monatshoch auf. Diese Bewegung und eine mögliche weitere Aufwertung sind unserer Meinung nach absolut nicht wünschenswert,erst recht mit einer Kerninflation auf verzerrtem Niveau von einem Prozent und Inflationserwartungen nahe Rekordtiefständen. Von daher erwarten wir von Herrn Draghi eine Klarstellung seiner letzten Kommentare, eine Wiedereinführung der Möglichkeit von Zinssatzsenkungen und eine verbale Schwächung des Euro. Zusätzlich sind noch andere Äußerungen denkbar, die es aufmerksam zu beobachten gilt. Dazu zählen wir Details zu den Unternehmensanleihekäufen, die in zwei Monaten starten. Hier bestehen noch Unklarheiten, zum Beispiel über Mechanismus, Größe und wie die Käufe verwirklicht werden. Schließlich könnte eine große Überraschung die Erwähnung von gestaffelten Zinssätzen sein, ein Vorgehen, das in anderen Ländern mit negativen Zinssätzen praktiziert wird. Die EZB befand diese Maßnahme bislang als zu komplex, um in der Eurozone eingeführt zu werden. Russell Silberston und Alex Holroyd-Jones, Investec Multi-Asset Team www.investecassetmanagement.com