Wirecard: Dreistelliger Millionenbetrag veruntreut?

Foto: © laplateresca - stock.adobe.com

Der Wirecard-Skandal könnte enorme Dimensionen annehmen: Ex-COO Jan Marsalek wird vorgeworfen, 505 Mio. Euro aus der Firmenkasse abgezweigt zu haben – mindestens!

Die Summe soll Marsalek zwischen 2018 und 2020 mittels eines verzweigten Konstrukts aus Wirecard abgleitet haben. So soll Wirecard bspw. im März der singapurischen Firma Ocap einen 100 Mio. Euro-Kredit gewährt haben. Hinter Ocap stand ein ehemaliger Wirecard-Mitarbeiter von Marsalek. Die Ermittler gehen davon aus, dass Ocap das Geld an eine Firma in Litauen überwies, die wiederum 35 Mio. Euro an eine Holding zahlte, die dann den Betrag an Marsalek weiter reichte. Dieser solle dann das Geld in Teilen genutzt haben, um einen Privatkredit zurückzuzahlen, den ihm Wirecard-Vorstand Markus Braun gewährt haben soll. Das geht aus gemeinsamen Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR hervor, die sich auf eines der Dokumente aus dem europäischen Haftbefehl beziehen, den das Amtsgericht München am 1. Oktober gegen Marsalek erließ.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Österreicher vor, zwischen 2015 und 2020 mindestens 15 Straftaten begangen zu haben, darunter vier Fälle von Bilanzfälschung und Manipulation des Aktienkurses, mindestens fünf Fälle der besonders schweren Veruntreuung von Wirecard-Vermögen und mindestens sechs Fälle von gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Die Ermittler werfen Marsalek vor, bei Wirecard eine Bande von zehn Mitarbeitern geschaffen zu haben, die eine eingeschworene Gemeinschaft gebildet haben sollen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ gehen Insider davon aus, dass Marsalek mit seinen Komplizen bis zu 1 Mrd. Euro beiseitegeschafft haben könnte. (ahu)