Wird 2019 ein typisches Neunerjahr?

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG / Foto: © Bayerische Vermögen AG

Die Korrektur an den Aktienmärkten verläuft deutlich schneller als erwartet. Dabei mussten die Aktien in Europa gar nicht erst stark fallen, um preiswert zu werden. Die deutlich tieferen Kursregionen ermöglichen es jetzt dem Investor, unterbewertete Märkte und Aktien zu kaufen.

Marktrücksetzer um die 20 Prozent, wie wir sie 2018 im Dax erlebt haben, sind in normalen Konjunkturzyklen und bei „normalen“ Bewertungen die Regel. Oftmals erfolgen sie viele Monate, bevor sich die Daten der Realwirtschaft tatsächlich verschlechtern. Wirtschaft und damit auch die Börse verläuft in Zyklen. Innovationsschübe und Sondereffekte können den Zyklus verstärken oder verlängern. Systemische Krisen oder starke Überbewertungen lassen Rückschläge höher ausfallen. Die Ausschläge an der Börse fallen dabei unterschiedlich aus. Euphorie und Bewertungen bestimmen die Fallhöhen der Kurse.

Zuletzt verlor der Dax 2011 über 14 Prozent, um dann in den beiden Folgejahren um über 29 bzw. 25 Prozent zu steigen. In 2008 verlor der Leitindex über 40 Prozent. Im Jahr nach der Lehman-Pleite erholte er sich um 24 bzw. 16 Prozent. Meist folgen also einem deutlich negativen Jahr ein oder mehrere gute Folgejahre. Wie stark alle bekannten negativen Nachrichten und Prognosen bereits in den Kursen verarbeitet sind, wird sich zeigen.

Vielleicht beschert uns das Jahr 2019 ähnliche gute Ergebnisse wie das Jahr 2009, 1999, 1989 und 1979. Das letzte Jahr in einem Jahrzehnt, das sogenannte Neunerjahr, ist augenscheinlich immer ganz gut ausfallen. Das ist keine Garantie für die Zukunft, aber nach dem starken Rückgang im 2018er Jahr könnte der Grundstein für eine kräftige Erholung gelegt sein.

Es mangelt an Alternativen zu Aktien

Die sich abzeichnende wirtschaftliche Abschwächung ist keine Systemkrise, selbst falls sie sich bis hin zu einer Rezession entwickeln sollte. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten liegt der Zins in Europa aktuell an der Nulllinie bzw. im historischen Vergleich selbst in USA immer noch im Niedrigzinsbereich. Alternativen zu Aktien von Unternehmen, die im Schnitt Renditen von sieben bis zehn Prozent jährlich erwirtschaften können, sind immer noch schwer zu finden.

Die Bewertungen sind nirgendwo mehr allzu hoch. Das Rezept klingt einfach: Kaufen, wenn die Kurse unten sind. Dennoch ist aktuell eine ausreichende Risikobereitschaft notwendig, da keiner sagen kann, wann die tiefsten Kurse erreicht sind.

Kolumne von Gottfried Urban,
Vorstand der Bayerische Vermögen AG, München