Wird 2019 das Jahr der Schwellenländer?

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG / Foto: © Bayerische Vermögen AG

Die Tagespolitik bestimmt aktuell sehr stark das Börsengeschehen, und mit den rückläufigen Kursen nehmen die Sorgen der Marktteilnehmer weiter zu. Erstaunlich stabil entwickelten sich zuletzt hingegen die Schwellenländermärkte.

Ein Blick auf die Kursentwicklung in verschiedenen Sektoren verdeutlicht die Angst vor einer markanten wirtschaftlichen Abschwächung. Technologiewerte und weitere konjunkturabhängige Branchen, die jahrelang gut an der Börse gelaufen sind, neigen gerade zur Schwäche. Nicht zyklische Konsumaktien und Aktien aus dem Gesundheitssektor bilden hingegen eine relative Stärke zum Markt aus. Sind das schon die Vorboten einer beginnenden Rezession?

Was da aber gar nicht so recht ins Bild passt: Die Aktien aus den Schwellenländern konnten sich nach den sehr schwachen ersten neun Monaten in den vergangenen Wochen gut halten. Insbesondere Asien konnte sich etwas erholen. Das allein könnte man auch als reine technische Erholung interpretieren, nach den starken Kurseinbrüchen als Folge des Handelsstreites zwischen China und den USA.

Viel interessanter ist aber das Ergebnis einer Umfrage der Bank of America/ Merrill Lynch bei institutionellen Anlegern. Diese gaben nämlich an, dass sie einen Teil ihrer Bestände an US-Technologie-Titel in Emerging Market Aktien getauscht hätten. Ob das ein Signal für eine Trendwende wieder zu Gunsten der Emerging Markets ist? Unabhängig davon erscheinen die Börsen-Bewertungen der meisten Schwellenländer recht attraktiv. Dies sollte bei der Anpassung der Aktienquoten für 2019 berücksichtigt werden.

Die Story ist nach wie vor intakt. An der gesamten Weltwirtschaftsleistung haben die Regionen der sogenannten Schwellenländer über 40 Prozent Anteil. Der Anteil dieser Regionen an der Weltbörsenkapitalisierung liegt hingegen nur bei elf Prozent. Leider laufen die dortigen Aktieninvestments seit Ausbruch der Finanzkrise den etablierten Märkten und insbesondere den US-Börsen hinterher. Vielleicht ist nun die Zeit der relativen Schwäche vorbei.

Kolumne von Gottfried Urban,
Vorstand der Bayerische Vermögen AG, München