„Wir glauben an das Produkt“

Die Riester-Rente kommt momentan nicht richtig vom Fleck. Dies will eine neue Initiative ändern. finanzwelt sprach darüber mit Martin , Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische, und Joachim Haid, Geschäftsführer der SOFTFIN UG. Beide sind Gründungsmitglieder der Initiative „pro Riester“.

Grfer Interview1Haid

Martin, Vorstand, Versicherungsgruppe die Bayerische

Joachim Haid, Geschäftsführer SOFTFIN UG

finanzwelt: Warum eine Initiative „pro Riester“?

Haid: In den letzten Jahren gab es zum Thema Riester-Rente viel negative Kritik. Manches davon war durchaus berechtigt. Etwa wenn es darum geht, dass es teilweise überdurchschnittlich teure Angebote am Markt gibt. Oder dass die Qualität mancher Bedingungswerke für den Kunden nachteilige Regelungen enthält. Diese Kritik wurde allerdings in den seltensten Fällen differenziert dargestellt, sondern war pauschal. So war oft zu lesen, die Riester-Rente sei zu teuer und rentiere sich nicht. Bis hin zur abstrusen Aussage, ein Sparstrumpf sei besser. Auf der anderen Seite gab es pauschale Aussagen wie: Die Riester-Rente rechnet sich für jeden.

Gräfer: Als Folge davon sind Verbraucher und manche Vermittler völlig verunsichert. Der eine sagt so, der andere so. Bevor man einen Fehler macht, macht man dann lieber nichts – das ist meistens der größte Fehler.

finanzwelt: Was bewegt einen Versicherer wie die Bayerische, sich in der Initiative zu engagieren?

Gräfer: Wir glauben an das Produkt. Riester ist eine wunderbare Lösung für verschiedene Kundengruppen, etwas für die eigene Altersversorgung zu tun. Andere Anbieter – auch große Versicherer – verabschieden sich von diesem Geschäft. Da sollte man in meinen Augen dagegenhalten. Die Initiative „pro Riester“ setzt genau hier an und bietet den Medien und den Instituten des Verbraucherschutzes fachliche und objektive Informationen. Diese Aufklärung sollte im Sinne eines jeden Versicherers sein. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kunden aufzuklären und Pressearbeit rund um das Thema Riester-Rente zu betreiben. Das Ziel ist es, die Berichterstattung in den Medien auf ein fachlich ausgeglichenes Niveau zu bringen, damit Verbraucher wieder die Möglichkeit haben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Das hilft dann natürlich auch dem Vermittler in den Beratungsgesprächen. Übrigens konnten wir den ehemaligen Arbeitsminister und Namensgeber Walter Riester dazu gewinnen, punktuell seine Expertise einzubringen.

finanzwelt: Was ist noch geplant?

Haid: Wir bieten Ansprechpartner für fachliche Fragen und auch für die Auseinandersetzung zu Kritikpunkten. Vieles von dem, was kommuniziert wird, lässt erkennen, dass es offensichtlich auch fachliche Defizite gibt. Hierzu werden wir allen, also vom Vermittler bis hin zu den Medien und dem Verbraucherschutz, Aus- und Fortbildungsveranstaltungen anbieten. Darüber hinaus informieren wir auf www.proriester.de unter dem Menüpunkt „pro Verbraucher“ diese auch direkt. Bald folgt eine Seite zum Thema „Häufige Fragen“. Beim Blog haben wir die Kommentarfunktion aktiviert, so dass Meinungen und Fragen zu den jeweiligen Beiträgen online diskutiert werden können.

finanzwelt: Klären Sie uns doch mal bitte endgültig und für alle Zeiten auf: Lohnt Riestern?

Haid: Ich könnte jetzt kurz mit „Ja“ antworten. Doch konkret: In den meisten Fällen rechnet sich die Riester-Rente sehr gut. Nicht nur für Personen mit niedrigerem Einkommen und vielen Kindern, sondern auch für Sparer mit höherem Einkommen mit oder ohne Kinder. Der eine wird stärker über die Zulagen gefördert, der andere stärker über die Steuervorteile. Bei der Riester-Rente ist zu beachten, dass es sich nicht um ein Sparprodukt handelt. Es geht also nicht darum, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Guthaben zur Verfügung steht, um sich damit irgendetwas zu kaufen. Es heißt schließlich Riester-Rente, nicht Riester-Vermögen.

Gräfer: Die Riester-Rente ist ein Produkt zur Absicherung des biometrischen Langlebigkeitsrisikos. Es geht also um regelmäßige Einnahmen so lange, wie man lebt. Seit 1957 hat sich die Dauer der Rentenbezugsphase nahezu verdoppelt. Dazu kommt, dass die heutigen Rentner immer gesünder und rüstiger sind und deshalb keine Abstriche vom Lebensstandard machen wollen, sondern diesen auch im Alter halten wollen. Kurz, es muss eine immer längere Rentenphase mit höheren finanziellen Ansprüchen finanziert werden. Dabei ist die Riester-Rente eine sinnvolle Komponente, um das mit hoher Förderung, kombiniert mit der Sicherheit der Kapitalerhaltsgarantie, erreichen zu können. Die Bayerische hat vor kurzem Bestandsverträge ausgewertet. Darunter war etwa ein Vertrag einer Frau mit zwei Kindern, der 2002 begonnen hat und bis heute eine Wertentwicklung von 3,5 % pro Jahr auf Basis des Gesamtbeitrags erreicht hat. Dabei wurden die Eigenbeiträge und die geflossenen Zulagen ins Verhältnis zum aktuellen Guthaben gesetzt. Berechnet man die bisherige Wertentwicklung rein auf Basis der Eigenbeiträge, also der Beträge, die der Frau vom Konto abgebucht wurden, beträgt diese sogar 14,5 % jährlich. Dabei sind eventuelle zusätzliche Steuervorteile noch gar nicht berücksichtigt worden. Und solche Verträge sind keine Einzelfälle. Kennen Sie alternative Rentenlösungen, die solche Wertentwicklungen in Kombination mit hoher Sicherheit und Förderung bieten?

finanzwelt: Welche Hilfestellung geben Sie Maklern ganz konkret?

Haid: Im Rahmen der Initiative unterstützen wir die Versicherungsmakler zum einen durch Pressearbeit. Zusätzlich bieten wir Aus- und Fortbildungsveranstaltungen inklusive Abschlussprüfungen an. Wir werden die Versicherungsmakler auch bei der Akquise beispielsweise mit Videos und Landingpages zum Thema Riester-Rente unterstützen und ebenso zum Thema automatisierte Bestandsbetreuung etwas anbieten. Ich selbst stehe zusätzlich für Infoveranstaltungen „Licht im Dschungel der Förderungen“ für Kunden des Versicherungsmaklers als Referent zur Verfügung. Hierzu können neben Bestandskunden natürlich auch Interessenten eingeladen werden.

finanzwelt: Erwarten Sie weitere Mitglieder aus Versichererkreisen?

Gräfer: Auf der Internetseite der Initiative wird dafür geworben, dass nicht nur Vermittler, Vertriebe, Pools und Verbände Förderer werden können, sondern auch Versicherer. Entscheidende Voraussetzung für die Aufnahme als Förderer ist immer, die hohen Qualitätsanforderungen der Initiative zu erfüllen. Sei es im Bezug auf die Aus- und Fortbildung des Vermittlers oder im Bezug auf die Qualität des Bedingungswerkes. Wir freuen uns über alle neuen Mitglieder. (hwt)

Printausgabe 06/2015