„Wir bleiben ein reines Aktienhaus“

Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender der LOYS AG / Foto: © LOYS AG

Die Fed setzt auf stetig steigende Zinsen. Zieht die EZB nach? Und was ist bloß mit der brach liegenden Aktienkultur hierzulande los? finanzwelt hörte nach bei Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender der LOYS AG und Fondsmanager des LOYS Europa System, der auch seine Meinung zu Multi Asset preisgab.

finanzwelt: Herr Boydak, die Börsen kannten jahrelang nur eine Richtung – mit den Kursen ging es nach oben. Doch viele Anleger bleiben am Spielfeldrand stehen und zeigen sich sehr risikoavers. Ist die Politik hier in der Pflicht?

Boydak: In der Tat ist die Wertpapierkultur hierzulande nur sehr mangelhaft ausgeprägt. Viele deutsche Konzerne spielen weltweit in der Champions League, unserer Wirtschaft geht es gut und der DAX kletterte unentwegt. Leider scheuen nach wie vor viele Privatanleger die Aktienanlage; sie wird von einigen unberechtigterweise noch mit einem reinen Spekulationsobjekt in Verbindung gebracht. Das ist falsch. Natürlich sollten Investoren bedenken, dass die Aktienanlage eines längeren Investitionshorizont bedarf. Dann sind im Übrigen auch Kursschwankungen, wie wir sie im Februar kurzzeitig gesehen haben, gut auszuhalten.

Um dem zarten Pflänzchen Wertpapierkultur einen Wachstumsschub zu verleihen, bedarf es hingegen eines Umdenkens bei den politischen Entscheidern und vielen Privatanlegern. Es fehlt hierzulande bis dato an Anreizen, um die Attraktivität der Aktie zu steigern und die Bürger ihrerseits müssen erkennen, dass sie ohne kapitalmarktnahe Finanzprodukte reale Vermögensverluste erleiden. Das Geldvermögen der Bundesbürger ist auf einem Rekordhoch, doch die Wichtigkeit der Aktienanlage ist von vielen noch nicht hinreichend erkannt worden.

finanzwelt: Multi Asset war und ist in aller Munde. Zu Recht?

Boydak: Wir sind ein reines Aktienhaus und stehen für Aktienfonds. Schaut man sich die Entwicklungen an den Aktien- und Anleihenmärkten der vergangenen Jahre an, verwundert es nicht, dass Multi Asset mitunter ein Verkaufsschlager ist. Aber wir bezweifeln doch sehr stark, dass es auch künftig so bleiben wird. Anleger sollten vielmehr auch die steigenden Risiken in diesen Produkten beachten, die sich nicht unbedingt an der Vergangenheits-Performance erkennen lassen.

finanzwelt: Das Wort „Zinswende“ ist überall zu lesen. Wie sehen Sie die Lage?

Boydak: Die gute wirtschaftliche Lage bringt die Notenbanken an das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik. Die USA sind bereits mitten im Zinserhöhungszyklus. Auch die Renditen langfristiger Anleihen haben seit Jahresanfang einen Sprung nach oben gemacht. Wie erwartet hat der neue US-Notenbank-Chef Jerome Powell den Zinssatz am Mittwoch, 21.03.2018, zum ersten Mal in 2018 um 0,25 Prozent auf eine Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht.

Zudem teilte er mit, dass die jährliche Inflation in den kommenden Monaten steigen könnte und geht somit unverändert von insgesamt drei 0,25-Prozent-Zinsschritten für 2018 aus. Für 2019 werden anstatt der bisher signalisierten zwei Zinsanhebungen jetzt drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Die US-Notenbank deutete damit einen etwas strafferen Kurs an. Für Ende 2019 liegen die Konsens-Schätzungen für die US-Leitzinsen bei 2,75 bis 3,00 Prozent. Durch die Prognose für eine starke Wirtschaft konnte die Zinserwartung nach oben korrigiert werden. Im Euroraum hingegen muss die Zentralbank zunächst das Anleihekaufprogramm beenden. Vor Mitte 2019 rechnen wir nicht mit einer Zinserhöhung, wobei die Geschwindigkeit der dann zu erwartenden Zinserhöhungen negativ überraschen könnte.

Auch die Europäische Zentralbank befasst sich mit dem Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ohne gleichzeitig den Wirtschaftsmotor abzuwürgen; allerdings erwarten wir hier Zinsschritte voraussichtlich erst im kommenden Jahr.

finanzwelt: In der jüngeren Vergangenheit wurde wieder häufiger von Japan als einem aussichtsreichen Markt gesprochen. Teilen Sie diese Ansicht?

Boydak: Der japanische Aktienmarkt hat Anlegern zuletzt durchaus wieder viel Freude bereitet. Wichtige japanische Aktienindizes haben sich gut entwickelt. Das zeigt mitunter die Anerkennung für die sozioökonomischen Erfolge der Regierung. Diese positive Entwicklung dürfte in 2018 wohl weiter anhalten.

finanzwelt: Und die LOYS AG ist personell und organisatorisch gut gerüstet für die Zukunft?

Boydak: Das kann man so sagen. Wir entwickeln die Strukturen stetig weiter und sind so nun auch am Finanzplatz Frankfurt präsent. Das war wichtig. Idealerweise gibt es in den nächsten Jahren einen dritten starken Fondsmanager neben Dr. Christoph Bruns und mir.