Wie viel Rendite ist realistisch?

Andreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity International / Foto: © Fidelity International

Studie offenbart: Den Deutschen fällt es schwer, Renditen richtig einzuschätzen: Einerseits werden sie deutlich über-, andererseits unterschätzt. Dabei wäre gerade der baldige Weltspartag eine gute Gelegenheit, dass Eltern ihren Kindern Finanzwissen vermitteln.

Der am 30. Oktober stattfindende Weltspartag kann auf eine fast hundertjährige Geschichte zurückblicken: 1924 kamen in Mailand Delegierte aus 27 Ländern zum First International Thrift Congress zusammen und begründeten damit die Tradition. Heute hat sich die Bedeutung des Tages deutlich gewandelt, gerade weil das klassische Sparbuch in Zeiten niedriger Zinsen keine Alternative mehr ist. Dennoch bietet der Weltspartag die Gelegenheit, dass Eltern ihre Kinder mit dem Thema Geld vertraut machen. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Fondsanbieters Fidelity International zeigt jedoch, dass diese Gelegenheit nur von 44 % der Eltern genutzt wird. Damit spiele das Thema Geld innerhalb der Familie eine zu unwichtige Rolle, wie Andreas Telschow erläutert. „Geld darf kein Tabuthema in der Familie sein. Eltern sollten Vorbilder sein und ihre Kinder möglichst früh an den Umgang mit Geld und das Sparen heranführen. Das ist heute wichtiger denn je. Die prall gefüllte Spardose einmal im Jahr zur Bank zu tragen oder sich auf das Sparbuch zu verlassen, funktioniert heute nicht mehr“, so der Anlageexperte von Fidelity.

Erwachsene wissen zu wenig über Geld

Dass Eltern ihre Kinder so wenig über Finanzen aufklären, könnte mit fehlendem Wissen der Eltern begründet sein. Obwohl sich seit knapp 10 Jahren die Zinsen in einem stetigen Sinkflug befinden und längst historische Tiefstände erreicht haben, glauben immer noch 13 % der Befragten, dass bei Tages- oder Festgeld Renditen von 5 % jährlich möglich sind. 12 % glauben an solche Zahlen sogar beim Sparbuch, obwohl die (bittere) Realität hier seit Jahren eine völlig andere ist. 49 % glauben, dass sie mit Aktien oder Aktienfonds eine Rendite von 5 % erzielen können.

Zinseszins? Was ist das?

Ein weiteres großes Problem, das die Umfrage offenbart: Vielen Bundesbürger ist nicht bewusst, dass Geldwachstum über Zinsen nicht linear, sondern exponentiell verläuft. So ist für einen Teil der Befragten das Wort “Zinseszinseffekt” ein Fremdwort. Deshalb gehen 60 % der Befragten einer Fondsanlage langfristig von einer viel zu niedrigen Rendite aus. Zudem kann jeder fünfte Befragte nicht abschätzen, wie sich der Zinseszinseffekt über Jahre hinweg auswirkt. „Beim langfristigen Vermögensaufbau führt heute kein Weg mehr an Aktien oder Fonds vorbei“, so Andreas Telschow. „Diese Anlageformen sind aber keinesfalls nur etwas für Reiche, Berührungsängste sind fehl am Platz. Schon mit monatlichen Beiträgen von 25 Euro kommt auf lange Sicht eine stattliche Summe zusammen“, sagt Telschow. Wer beispielsweise über 15 Jahre monatlich 25 Euro in einen deutschen Aktienfonds einzahlt, hat gut 8.400 Euro auf der hohen Kante – nach 35 Jahren sind es knapp 50.000 Euro. (ahu)

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