Wie und wo sparen die Deutschen?

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Die Experten der Gothaer Versicherungsbank haben in einer aktuellen Studie untersucht wie die Deutschen ihr Geld für ihre Zukunft anlegen und bunkern. Als Bunker dient klassisch das Sparbuch.

2016-02-10 (fw/db) Während für die Deutschen bei der Geldanlage Anfang letzten Jahres ein Trend zu mehr Flexibilität zu erkennen war, steht aktuell das Thema Sicherheit wieder ganz klar an erster Stelle.

Eine Studie zum Anlageverhalten der Deutschen, die die Gothaer Asset Management AG (GoAM), eine Tochter der Gothaer Versicherungsbank, von der Forsa Politik- und Sozialforschung im Januar 2016 durchführen ließ kommt zu diesem Ergebnis.

Für 54 Prozent der Bundesbürger ist die Sicherheit wieder das entscheidende Kriterium bei der Geldanlage, im Vorjahr waren es mit 43 Prozent noch deutlich weniger. Flexibilität wünschen sich heute noch 31 Prozent, eine hohe Rendite ist nur für acht Prozent wichtig.

Deutsche halten trotzig am Sparbuch fest

48 Prozent der Befragten lassen sich auch von niedrigen Zinsen nicht abschrecken und setzen auf das Sparbuch. Bausparverträge und Lebensversicherungen sind stark nachgefragt. Das Interesse an Lebensversicherungen hat sogar noch zugenommen, 34 Prozent der Deutschen setzen auf eine Kapital-Lebensversicherung, im Vorjahr waren es nur 30 Prozent.

Zugenommen hat auch das Interesse an Sachwerten wie Immobilien. 30 Prozent der Befragten nutzen diese Anlageform, im Vorjahr waren es noch 25 Prozent.

„Die Deutschen sind offensichtlich durch die anhaltende Krise verunsichert und streben nach Sicherheit. Dabei nehmen sie geringe Renditen oder inflationsbereinigt sogar negative Zinsen billigend in Kauf“, sagt Christof Kessler, Vorstandssprecher der GoAM.

Fonds und Aktien als renditestarke Alternative

Die Alternativen sind den Befragten durchaus bekannt. Nach Anlageformen mit höherer Renditeerwartung gefragt, nennen 28 Prozent der Befragten Aktien und Fonds. Höhere Gewinne versprechen sich die Deutschen von Immobilienanlagen, diese wurden von 22 Prozent als renditestark genannt. Dementsprechend investiert jeder Fünfte in Fonds, die direkten Aktieninvestments haben von 15 auf 18 Prozent leicht zugelegt. 15 Prozent der Befragten legen derzeit gar kein Geld an.

Bei Investmentfonds wird gestreut

Bei der Fondsanlage setzen Deutsche weiter auf Diversifikation. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der Befragten, die in sechs oder mehr Fonds investieren deutlich erhöht. Mittlerweile sind es 16 Prozent, 2015 waren es nur neun. 14 Prozent der Deutschen haben inzwischen vier oder fünf verschiedene Fonds im Depot, zwei bis drei Fonds besitzen 40 Prozent der Bundesbürger.

„Dieses Ergebnis zeigt, dass viele Anleger die Bedeutung der Diversifizierung erkannt haben und Chancen und Risiken breiter streuen. In der Niedrigzinsphase können gerade Mischfonds die Schwankungen des Börsenmarktes über eine breite Diversifikation ausgleichen, ohne auf Rendite zu verzichten. Ihr großer Vorteil ist, dass sie sich durch ihre vielen Standbeine an das wechselhafte Marktgeschehen erheblich besser anpassen können als reine Aktienfonds – durch die Streuung sinkt das Risiko. Zu dieser aktiven Steuerung der Aktienquote ist aber auch bei den Mischfonds eine intensive und regelmäßige Analyse der Kapitalmärkte unablässig, nur so kann auf kurzfristige Marktschwankungen angemessen reagiert werden. Wer dazu keine Zeit oder Muße hat, sollte diese Aufgabe Experten überlassen. Anleger können davon insbesondere über unsere drei vermögensverwaltenden Comfort Fonds profitieren, die sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt haben“, erläutert Kessler zu diesem Trend.

Angst vor Inflation und dem Ende der Eurozone steigt

Die zunehmende Verunsicherung der Anleger zeigt sich bei der Angst vor einer Inflation, die seit Jahren stetig zunimmt. 63 Prozent der Befragten befürchten aktuell, dass es zu einem starken Preisanstieg und zu einer Entwertung ihrer Geldanlagen kommt, 2015 waren es 55 Prozent, 2014 noch 44 Prozent.

Die Sorge um einen sinkenden Lebensstandard findet sich in allen Altersgruppen. 52 Prozent der Deutschen, unter den 18 bis 29-Jährigen befürchten dies. 65 Prozent der jungen Generation fürchten dass ihre Geldanlagen später nicht ausreichen, um ihren jetzigen Lebensstandard zu halten. Deutlich gestiegen ist in den letzten drei Jahren die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone. Mittlerweile treibt 39 Prozent der Bürger diese Sorge um, im Vorjahr waren es 30 Prozent, 2014 nur 10 Prozent.

Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB

Fast die Hälfte der Befragten – 46 Prozent – hält die Niedrigzinspolitik der EZB für ein untaugliches Mittel, um den Problemen im Euro-Raum zu begegnen. Dementsprechend finden es 59 Prozent der Bundesbürger in Anbetracht der anhaltend niedrigen Zinsen unverändert schwierig, ihre Ziele bei der Altersvorsorge zu erreichen. 32 Prozent sind der Ansicht, dass es sogar noch schwieriger geworden ist.

Doch auch wenn die Deutschen es als zunehmend schwierig ansehen, ihre Anlageziele bei der Altersvorsorge zu erreichen, scheuen sie noch vor Veränderungen zurück. Nur acht Prozent der Befragten planen, ihre Geldanlagen in nächster Zeit umzuschichten. 88 Prozent halten hingegen an ihrem bestehenden Portfolio fest. Die Risikobereitschaft der Anleger ist wieder gesunken. Nur noch 19 Prozent der Befragten wären bereit, zugunsten einer höheren Rendite auch ein höheres Risiko einzugehen. 2015 waren das noch 24 Prozent. Etwas risikofreudiger sind hier wieder die Männer, bei denen aktuell jeder Vierte bereit ist, ein höheres Risiko einzugehen.

Dietmar Braun