Wie sinnvoll ist der EU-Aktionsplan für Nachhaltigkeit?

Die EU verspricht in ihrem Positionspapier eine einheitliche Definition von nachhaltigen Tätigkeiten. Es soll ein EU-weites Klassifizierungssystem für die Bereiche Klima, Umwelt und Soziales entstehen. Der Bereich Governance wird übrigens bei der Klassifizierung ausdrücklich nicht erwähnt. Sollte es tatsächlich zu einem solchen Klassifizierungssystem kommen, dann ist es nicht mehr weit zu genormten Empfehlungen für Verbraucher. Der Anleger könnte dann theoretisch in den Verkaufsprospekten bestimmter Fonds oder auf den Webseiten von börsengelisteten Unternehmen eine Art „ESG-Ampel“ vorfinden. Ganz ähnlich wie die Lebensmittelampel. Der Anleger macht dann also nicht den Ampelcheck für Lebensmittel sondern den Ampelcheck für Anlageprodukte.

Das klingt in der Theorie sehr gut – ob die Ideen praxistauglich sind wird sich zeigen. Zu viele Fragen sind noch ungeklärt. Wie geht man zum Beispiel mit dem Dreiklang aus Umwelt, Sozialem und Governance um. Ist ein Windkrafthersteller, der nur Männer im Vorstand hat, ein empfehlenswertes Investment oder nicht?

Was ist eigentlich mit Siemens, die als Zulieferer für ein australisches Kohlekraftwerk in der Kritik stehen aber gleichzeitig eines der innovativsten Unternehmen im Bereich der Smart Cities ist. Wenn Siemens heute beispielsweise auf den „Australien-Deal“ verzichten würde, würde dann die Anlageampel auf Grün springen. Wie schnell wird das nachgehalten und wer hält überhaupt nach? Schon heute liefern Ratingunternehmen bestes Research zum Thema ESG. Welchen Anbieter nimmt man? Und ist der EU-Kommission bewusst, dass solches Research ausgesprochen teuer ist und die Kosten an den Verbraucher möglicherweise weiter gegeben werden.

So wichtig es ist, die Kreditwirtschaft auf nachhaltiges Wirtschaften und eine entsprechende Kundenberatung zu verpflichten, so wichtig wird eine praxisgerechte Umsetzung sein. Dass große am Kapitalmarkt notierte Unternehmen dies schon lange erkannt haben und ihrerseits ihre Hausaufgaben machen, steht sowieso auf einem anderen Blatt. Puma zum Beispiel gibt in seinem Geschäftsbericht explizit den Ressourcenverbrauch an, den man „erwirtschaftet“. Und verschiedene Deutsche Fondsgesellschaften haben inzwischen ein „State-of-the Art“ ESG Research, das sich nicht nur auf den Carbon Footprint reduziert, sondern alle Aspekte umfassend monitort. Bleibt zu hoffen, dass die EU-Kommission auch bei solchen positiven Beispielen hinschaut und davon lernt.

Kolumne von Frank Wieser,
PMP Vermögensmanagement, Niederlassungsleiter der Donner & Reuschel Luxemburg S. A., Zweigniederlassung Deutschland 

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