Wie Sie sich selbst auf die Schliche kommen

Anstelle sich mit den kurzfristigen Bewegungen an den Märkten zu beschäftigen ist es sinnvoller, sich über die langfristigen Werttreiber an den Kapitalmärkten Gedanken zu machen und sie zu identifizieren. Als Vermögensverwalter beschäftige ich mich mit den Trends, die über längere Zeiträume wirken. Welche Bedeutung hat China in den nächsten Jahren? Welche Regionen werden Wachstum generieren? Welche Produktivitätsfortschritte wird die Digitalisierung bringen? Welche Anlageklassen bringen welche Risikoprämien? Gleichzeitig steigt die Anforderung an ein angemessenes Risikomanagement und wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die globalen Wachstumsraten zukünftig geringer ausfallen als in den vergangen Jahren. Das Ziel, einen realen Kapitalerhalt zu erreichen, ist  anspruchsvoll.

Was können Anleger aktiv tun?

Nun zu unserem eigenen Verhalten: Zunächst dürfen wir uns vor Augen führen, dass unsere eigenen Handlungen und Entscheidungen zu etwa 70 bis 80 Prozent unbewusst ablaufen. Konkret bedeutet dies, dass wir über die meisten Dinge, die wir im Alltag tun, nicht mehr bewusst nachdenken. So ist es auch häufig in der Geldanlage. Unsere Emotionen und Bedürfnisse wie der Wunsch nach mehr Ertrag, die Angst vor Verlust oder die Selbstüberschätzung können uns zu krassen Fehlentscheidungen verleiten.

Diese Fehler gilt es vor allem zu vermeiden, indem wir uns unsere Grundüberzeugungen und Werte vor Augen führen, nach denen wir handeln wollen. Dazu gehört das Wissen um Wert und Preis einer Sache, um bewusst antizyklisch zu kaufen und zu verkaufen. Konkret lenken wir den Blick nicht auf das Außen und deren Umstände, sondern auf das Innen – auf uns selbst. Wir schauen wie eine dritte Person auf uns selbst und überlegen, ob unsere Entscheidungen Sinn machen oder nicht. Anschließend reflektieren wir unsere Ergebnisse im Blick auf das ursprüngliche Ziel.

Stellen Sie sich einen Immobilienkäufer vor. Er stellt sich auch nicht ständig infrage und macht sich nicht von den Tweets des US-Präsidenten Trump abhängig. So auch wir nicht. Wir müssen nicht permanent darüber nachdenken, ob wir Gewinne mitnehmen oder das Depot kurzfristig absichern. Im Gegenteil: Wir müssen fokussiert bleiben und den Blick auf die langfristigen Erfolgsfaktoren richten. Gleichzeitig bleiben wir gelassen in turbulenten Zeiten und sind ganz bei uns, weil wir innerlich unsere Grundsätze klar definiert haben.

Kolumne von Wolfgang Juds,
Geschäftsführer der Credo Vermögensmanagement GmbH in Nürnberg