Wie Sie sich selbst auf die Schliche kommen

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Jeden Tag erreichen uns eine Fülle von Informationen aus Politik und Wirtschaft. Häufig sind es Nachrichten, die uns aufschrecken und uns in eine innere Unruhe versetzen sollen. Tweets von US-Präsident Donald Trump, die Menschen und Märkte bewegen. Der Brexit: Kommt er oder kommt er nicht? Gibt es einen Börsenabsturz? Wie relevant sind diese Meldungen überhaupt für die langfristige Wertentwicklung Ihres Depots – und müssen wir uns damit beschäftigen?

Im Grunde sind es zwei wesentliche Faktoren, die Einfluss auf die Wertentwicklung unseres Portfolios haben: Zum einen sind dies die Kursbewegungen an den Kapitalmärkten. Zum anderen sind es die Anlageentscheidungen, die wir als Investoren regelmäßig treffen. Auch die Entscheidungen anderer Marktteilnehmer spielen eine Rolle. Beeinflussen können wir diese allerdings nicht. Analysten und Marktexperten verbringen viel Zeit damit, kurzfristige Marktentwicklungen zu kommentieren und zu bewerten. Nur ist das meiste davon völlig sinnlos, weil es weder vorhersehbar noch prognostizierbar ist. Es stiftet genau genommen keinen Nutzen.

Um langfristig erfolgreich Vermögen zu verwalten, ist es viel zielführender, den Fokus auf das zu richten, was langfristig relevant ist und was wir als Anleger tatsächlich entscheiden können. Aus Gesprächen weiß ich, dass Menschen angesichts der Fülle der Meldungen unsicher sind, wie sie sich konkret in Bezug auf ihre Geldanlage verhalten sollen. Unsicherheit kann Verlustängste auslösen und zu spontanen Verkäufen führen, die möglicherweise mit Einbußen verbunden sind. Die Kunst erfolgreicher Geldanlage besteht vielmehr darin, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden und dauerhalft kluge Entscheidungen zu treffen.

Was ist langfristig relevant?

Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Gold besitzen immer einen Wert. Die wesentliche Aufgabe besteht darin, diesen Wert zu bestimmen und deren künftige Entwicklung einzuschätzen. Bei Aktien kommt es auf die langfristige Gewinnentwicklung der Unternehmen an. Wo entsteht Wachstum und Profitabilität? Wie stabil sind die Erträge? Wie hoch sind die Dividenden? Wie hoch ist die Verschuldung der Unternehmen? Wie ist die Zinsentwicklung?

Da der Zins quasi der Gegenspieler der Aktie ist, vergleichen Anleger immer wieder ihre beiden Anlagealternativen. Der langfristige Zins liegt seit Jahren bei null Prozent. Seit einiger Zeit notieren die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen sogar bei minus 0,20 Prozent pro Jahr. Das bedeutet nichts anderes, als dass Anleger für ihre Sicherheit insgesamt 2 Prozent über den gesamten Zeitraum zahlen, um am Ende ihr Geld mit einem Verlust wieder zu erhalten. Dabei ist der Wertverlust des Geldes durch die Inflation noch gar nicht eingerechnet. Wenn wir annehmen, dass die Zinsen auf lange Sicht nicht signifikant steigen werden, besteht akuter Anlagenotstand. Auch Versicherungen und Pensionskassen spüren das schmerzhaft und stehen genau wie alle anderen vor dieser Herausforderung, Ertrag zu erwirtschaften. Sie müssen quasi gezielt Risiken eingehen, um nichts zu verlieren.

Paradox ist vor diesem Hintergrund, dass viele Sparer die Aktien trotz günstiger Bewertung und langfristig aussichtsreichen Perspektiven meiden und lieber zum Tagesgeld greifen.

Warum ein langfristiger Blick sinnvoller ist als ein kurzfristiger, erfahren Sie auf Seite 2