Weshalb Rohstoffe jetzt sinnvoll sind

Daniel Rauch, Fondsmanager und Rohstoff-Experte LBBW Asset Management / Foto: © LBBW

Für Daniel Rauch, Fondsmanager und Rohstoff-Experte bei der LBBW Asset Management, ist es erwiesen, dass die Anlageklasse Stabilität ins Depot bringen kann. Er erläutert im Folgenden die Gründe für ein Rohstoff-Investment.

Lohnt sich der Einstieg in Rohstoffe? Diese Fragen stellen sich derzeit viele Anleger. Rohstoffe haben sich in den vergangenen Jahren zwar als eigene Anlageklasse etabliert. Denn nach der Jahrtausendwende zogen sie im Zuge des großen Rohstoffhungers der Schwellenländer die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich. Der globale Bedarf nach physischen Rohstoffen stieg stetig und war einer der Treiber für die Hausse am Rohstoffmarkt. Diese Entwicklung endete jedoch abrupt mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008. Weil die Rohstoffpreise seitdem nicht mehr ihre alten Rekordmarken erreicht haben, stellt sich die Frage, ob es nun sinnvoll ist, auf Rohstoffe zu setzen.

Stabilität fürs Depot

Generell können Rohstoffe zur Stabilität des Depots beitragen. Der Hintergrund: Da sich die Preise der Rohstoffe im langfristigen Vergleich nicht eins zu eins wie Aktien und Anleihen verhalten, trägt eine Beimischung zu einer breiteren Streuung und damit zu einer Verbesserung des Chance-Risiko-Profils eines Depots bei. Investoren können mit Rohstoffinvestments ihr Portfolio diversifizieren. Sie stabilisieren das Depot, weil sie Wertverluste anderer Anlagewerte ausgleichen oder zumindest abschwächen können.

Auf lange Sicht besteht Aufwärtspotenzial

Darüber hinaus können Rohstoffe auf lange Sicht einen wichtigen Renditebeitrag für das Portfolio leisten. Während sich die Aktienmärkte zum Teil auf historischen Rekordlevels befinden, liegen die aktuellen Preise der Rohstoffe vielfach noch weit darunter. Die Höchststände aus dem Jahr 2008 blieben bislang unerreicht. Das damalige Überangebot der Rohstoffproduzenten sowie die Zurückhaltung, ausgelöst durch die Finanzmarktkrise, sorgten vor zehn Jahren für einen Kursrutsch. Gemessen am Bloomberg-Commodity-Index, bewegen wir uns heute auf dem Niveau von vor fast 20 Jahren.

Ein Faktor, der künftig die Preise nach oben treiben könnte, ist die wachsende Weltbevölkerung. Heute leben rund 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Die Vereinten Nationen erwarten für das Jahr 2050 jedoch einen Anstieg auf etwa 9,7 Milliarden und für 2100 einen Zuwachs auf rund 11,2 Milliarden Menschen. Ein anderer Grund für den steigenden Bedarf an Rohstoffen ist das zunehmende Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern, das insgesamt deutlich über den Wachstumsraten der Industrieländer liegt. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleiben wird. Vieles spricht also dafür, dass die Nachfrage nach Rohstoffen und damit auch die Preise in Zukunft weiter steigen werden.

„Schweinezyklus“ bestimmt Angebotsseite

Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass die Rohstoffmärkte bestimmten Gesetzen folgen. So gibt es periodische Preisschwankungen der Angebotsmenge und des Marktpreises, die man im Fachjargon „Schweinezyklus“ nennt. Ein aktuelles Beispiel für eine sich anbahnende Angebotsverknappung ist die Situation bei Gold. Aufgrund der Zurückhaltung bei der Erschließung neuer Vorkommen dürfte die Minenproduktion in den kommenden Jahren nicht mehr steigen. Ein Grund dafür ist laut dem World Gold Council die fehlende geografische Diversifikation – sowohl beim Abbau als auch bei den Erkundungen.

Der Lobbyverband geht zudem davon aus, dass eine weltweit stark wachsende Mittelschicht die Goldnachfrage erhöhen sollte. Dies spricht mittel- bis langfristig für künftig steigende Preise. Im kurzfristigen Bereich kommen noch ganz andere Faktoren zum Tragen. So sorgen steigende Zinsen in der Regel für fallende Preise bei Gold, da ein Investment in das Metall keine Zinsen abwirft. Der Wert des Edelmetalls ist zudem vom Dollarpreis abhängig. Steigt der Greenback, verteuert sich Gold für Investoren außerhalb des US-Dollar-Raums. In der Folge sinken die Nachfrage und somit der Goldpreis.

Auch wenn der Trend bei den meisten Rohstoffen auf lange Sicht nach oben zeigt, bereiten vielen Investoren diese sich abwechselnden Preiszyklen Kopfschmerzen. Hier bieten regelbasierte Investmentansätze Auswege. Entsprechende Fondskonzepte bieten die Möglichkeit, Rohstoffinvestments flexibel an die jeweiligen Preiszyklen anzupassen: von 100-prozentigen Long-Positionen in freundlichen Marktphasen über eine Absicherung des Marktrisikos in schwachen Phasen bis hin zum Verzicht auf Rohstoffpositionen bei einem anhaltenden Abwärtstrend an den Märkten. Ein Beispiel hierfür ist der LBBW RS Flex.

Mit regelbasierten Ansätzen können Anleger also die Fallstricke bei Rohstoffinvestments umgehen. Dies schont in volatilen Märkten nicht nur das Depot, sondern auch die Nerven. Die Investoren können sich dann voll und ganz auf die Vorteile konzentrieren, die Rohstoffinvestments für ihr Depot bieten: Die Chance, ihrem Portfolio mehr Stabilität zu verleihen und langfristig positive Renditebeiträge zu erzielen.