Wer zu spät kommt, den bestraft die EZB

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Die Nullzinspolitik der EZB hat Baufinanzierungen sehr günstig gemacht. Jedoch könnt die Talsohle bei den Zinsen bald durchschritten sein. Wer sich mittels eines Bausparvertrages die günstigen Konditionen sichern möchte, sollte sich also beeilen.

Von solchen Zuständen hätten Bauherren des Jahres 1980 wohl nicht einmal zu träumen gewagt: Während sie damals für die Finanzierung ihres Eigenheims Zinsen in fast zweistelliger Höhe aufnehmen mussten, sind heute Baukredite mit Zinsen um 2 % erhältlich. Möglich macht dies die Niedrigzinspolitik der EZB. Was die Kunden freut, ist für die Bausparkassen eine große Belastung, wie Dr. Bernd Dedert erläutert: „Die Nullzinspolitik der EZB hat die Bausparkassen unter dem Strich viel Geld gekostet und damit die Ertragslage über Jahre stark belastet. Dem konnte sich auch die Bausparkasse Mainz AG (BKM) nicht entziehen“, so der Vorstandssprecher der Bausparkasse Mainz AG. Auch Dr. Immo Dehnert betrachtet die aktuelle Zinssituation als Herausforderung, der sich die Bausparkassen stellen müssen. „Die Niedrigzinsphase stellt für alle Finanzdienstleister eine große Herausforderung dar. Wüstenrot hat jedoch durch Kostendisziplin und Produktneuheiten frühzeitig darauf reagiert“, so der Leiter Kommunikation der Wüstenrot & Württembergische AG. „Andererseits bekam der Immobilien- und Baufinanzierungsmarkt Rückenwind durch niedrige Finanzierungskosten, aber natürlich auch durch den drastisch gestiegenen Wohnraumbedarf. Als Spezialbank für die private Baufinanzierung konnte die BKM davon profitieren und im Ergebnis die Zinsüberschüsse trotz der Nullzinspolitik steigern. Im Ergebnis wäre mir aber eine Bewegung des Zinsniveaus nach oben lieber“, macht Dr. Bernd Dedert deutlich, dass die Niedrigzinsphase für die Bausparkassen ein zweischneidiges Schwert darstellt. „Viele Kunden haben immer auch die Notwendigkeit gesehen, Eigenkapital für den Immobilienerwerb aufzubauen. Denn ebenso stark wie die Zinsen gesunken sind, stiegen gleichzeitig die Immobilienpreise. Hierfür ist der Bausparvertrag traditionell ideal geeignet“, ergänzt Dr. Immo Dehnert.

Höhere Nachfrage

Zustimmung erhält er von Dr. Jörg Koschate, Mitglied des Vorstandes der BHW Bausparkasse. „Ein Bausparvertrag ist immer auch die Option auf einen dauerhaft niedrigen Zins in der Darlehensphase. Die Konditionen für das Bauspardarlehen stehen bereits bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit fest. Deshalb eignet sich Bausparen in einer Niedrigzinsphase hervorragend als Mittel zur Zinssicherung.“ Diese Entwicklung haben die Kunden offenbar schon vor längerer Zeit erkannt. „Da überrascht es nicht, dass der Bausparmarkt in Deutschland bereits seit 2017 eine steigende Nachfrage nach Bausparprodukten verzeichnet“, so Koschate weiter, der in der Niedrigzinsphase somit eine große Chance für die Bausparkassen sieht. „Die BHW Bausparkasse hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt, neue Produkte entwickelt, Prozesse optimiert und in die Zukunft investiert. Gleichzeitig ist es uns gelungen, die Vorteile des Bausparens in den Fokus der Kundenberatung zu rücken und damit deutlich über dem Markttrend liegende Zuwachsraten im Neugeschäft zu realisieren.“ Ähnliches berichtet Peter Magel: „Den Rückenwind durch den Markt spüren wir auch in unserem Neugeschäft, das für 2018 sowohl im Bausparen als auch in der Baufinanzierung über dem Vorjahr liegt“, so der Vertriebsvorstand der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Wie die Bausparkassen von einer sich anbahnenden Zinswende profitieren könnten, lesen Sie auf Seite 2