Wer rettet am Ende die deutschen Sparer?

Von Dr. Holger Schmitz, Vorstand der SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement / Foto: © r Schmitz, Vorstand der SCHMITZ & PARTNER AG

Italien fordert einen Schuldenerlass von 250 Milliarden Euro, sonst droht Rom mit dem Austritt aus dem Euro. Deutschland hingegen zahlt, nur um die Währung zu erhalten. Doch wer rettet am Ende den Retter Deutschland? Deutsche Steuerzahler und Sparer, die ihr Vermögen schützen möchten, kommen an Aktien außerhalb der Euro-Zone kaum vorbei.

In Italien entscheidet sich die Zukunft des Euro. Die Koalition aus den eurokritischen Parteien Lega und Cinque Stelle zeigt einen ausgeprägten Drang zu einem schuldenfinanzierten (Sozial-)Schlaraffenland. Die drei folgenden Punkte haben die Regierenden in Rom ganz oben auf die Prioritätenskala gesetzt:

1. Das Renteneintrittsalter soll wieder von 67 Jahre auf 64 Jahre gesenkt werden. Der
Kostenpunkt liegt bei etwa 20 Milliarden Euro pro Jahr.

2. Eine Flat Tax von 15 und 20 Prozent soll eingeführt werden. Die Kosten hierfür liegen
bei circa 63 Milliarden Euro pro Jahr.

3. Ein Grundeinkommen von 780 Euro im Monat für jeden Bürger soll eingeführt
werden. Kostenpunkt: Etwa 35 Milliarden Euro pro Jahr.

Klar ist: Diese Maßnahmen werden zu einer weiteren Erhöhung der Schulden führen.
Zusätzlich möchte die italienische Regierung, dass die Verträge zur Währungsunion neu
verhandelt werden. Mitgliedsstaaten sollen die Möglichkeit haben, aus der Währungsunion
auszutreten und die Souveränität über ihre Währung zurückzuerlangen. Mit anderen Worten:
Italien fordert eine Austrittsklausel aus der Euro-Zone.

Italien fordert Schuldenerlass und plant Parallelwährung zum Euro

Darüber hinaus verlangt die italienische Regierung einen Schuldenerlass von 250 Milliarden
Euro. Die anderen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone sollen einen Teil der italienischen
Staatsschulden übernehmen – vorerst „nur“ 250 Milliarden Euro, später vielleicht auch mehr.
Ohne diesen Schuldenerlass droht Italien mit dem Austritt aus dem Euro. Dabei ist der
italienische Staat der größte Schuldner Europas.

Deutschland wird vermutlich weitgehende Zahlungen leisten, nur um die politisch von Berlin
gewollte Einheitswährung zu erhalten. Sollte Italien tatsächlich austreten, wären die
Verbindlichkeiten für die Gläubigernationen verloren. Und Deutschland stünde ganz oben auf
der Verliererliste. Denn die saldierten Forderungen der Bundesbank aus Target2 betragen
mit Stand vom 31. Juli 2018 über 913 Milliarden Euro – Tendenz weiter steigend. Wenn man
die Entwicklung zu Ende denkt, stellt sich die Frage: Wer rettet am Ende den Retter
Deutschland?

Die Dreistigkeit der italienischen Regierung gipfelt in der geplanten Einführung einer
verkappten Parallelwährung zum Euro. Die von der italienischen Notenbank emittierten
Schatzpapiere (Buoni Ordinare del Tesoro, kurz BOT) werden schon mit 5 Euro
herausgegeben (Mini-BOTs). Diese neuen Papiere versprechen weder Zinsen, noch
besitzen sie ein Ablaufdatum – ähnlich wie klassische Geldscheine.

Solide Aktien in der Schweiz und in Norwegen bieten Schutz

Aus diesem Grund kommen deutsche Steuerzahler und Sparer, die ihre Vermögen bei
einem Euro-Zusammenbruch schützen möchten, an Aktien nicht vorbei. Denn nur wer sich
an der realen Wertschöpfung von Unternehmen beteiligt, hat einen verlässlichen Schutz vor
einer drohenden staatlichen Zwangsenteignung, die zur Finanzierung der überbordenden
Schuldenlast immer näher rückt.

Dabei ist es sinnvoll, auf Papiere außerhalb der Euro-Zone zu setzen. Interessant sind vor
allem Aktieninvestments in der Schweiz und in Norwegen. Zum einen verfügen diese beiden
Länder über starke Volkswirtschaften mit stabilen Währungen. Und zum anderen sind sie
nicht so stark verschuldet wie beispielsweise die USA oder die Euro-Länder.

Gerade ein Aktiendepot kann ohne großen Aufwand mit Schweizer und norwegischen
Werten diversifiziert werden. Solide und liquide Aktien von Unternehmen mit hoher Substanz
sollten die Basis einer langfristigen Vermögensstrategie bilden. Eine breite Streuung der Titel
sorgt dafür, auch mit Einzelrisiken umgehen zu können, die Aktienmärkte kurzfristig immer
mit sich bringen können.

Marktkommentar von Dr. Holger Schmitz, Vorstand der SCHMITZ & PARTNER AG – Privates
Depotmanagement