Weniger Schlagzeilen, mehr Gewinn?

Thomas Hünicke geschäftsführender Gesellschafter WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH / Foto: © WBS Hünicke Vermögensverwaltung

Neben den großen nationalen und internationalen Werten existieren zahlreiche Aktien von Unternehmen, die kaum oder gar nicht in der Öffentlichkeit stehen. Versprechen diese Titel dauerhaft bessere Gewinnaussichten?

Der DAX: 41 Prozent Plus in den vergangenen fünf Jahren. Der Dow Jones: Knapp 69 Prozent Plus im gleichen Zeitraum. Der S&P 500: fast 70 Prozent mehr im Vergleich zum September 2013. Das sind erstaunliche Werte und gute Ergebnisse für Investoren, die mit einem langen Atem dabeigeblieben sind. Und jetzt zum Vergleich: Der MDAX performte in dem Zeitraum mit 77 Prozent, der SDAX mit 92,5 Prozent und der TecDAX mit 175 Prozent. Der US-S&P 600 SmallCap-Index liegt bei rund 81,5 Prozent, der PHLX Semiconductor Sector bei gigantischen 181 Prozent.

Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre deuten diese Ergebnisse vor allem auf eines hin: Indizes (und damit Werte), die nicht zu den ganz großen gehören, weisen bessere Entwicklungen auf und eignen sich daher für eine gesunde Beimischung in Aktiendepots. Denn nicht nur sind die Kurspotenziale höher, sondern auch die Dividendenzahlungen weisen durchschnittlich gute Werte auf. Im Jahr 2017 schütteten die im MDAX notierten Unternehmen eine Dividendensumme von rund 8,8 Milliarden Euro für das vorangegangene Geschäftsjahr an ihre Aktionäre aus, das sind knapp drei Prozent im Mittel und damit knapp acht Prozent mehr als im DAX im gleichen Zeitraum.

Für Anleger bedeutet dies, bei der Titelauswahl nicht nur auf die Gewichtung von Unternehmen in den Medien zu schauen, sondern vorrangig auf die Entwicklungsmöglichkeiten, die fundamentalen Daten und die historische Kursentwicklung. Dann lassen sich wirkliche Perlen in der Aktienlandschaft finden, die mehr Gewinn als Schlagzeilen bieten.

Ein Beispiel: Die im CDAX gelistete Schweizer Electronic AG ist ein weltweit agierendes Elektronik-Unternehmen und Marktführer in der Automotive-Sensorik mit Stammsitz in Schramberg. Schweizer Electronic entwickelt unter anderem Patenten mit Infineon und verfügt über eine solche Auslastung, dass das Unternehmen gerade in neues Werk in China errichtet, um dadurch in wenigen Jahren das dreifache Auftragsvolumen abbilden zu können. Der Aktienkurs hat in den nächsten viel Potenzial. Eine Kapitalerhöhung steht nicht an, sodass es keine Verwässerung der künftigen Erträge für die Aktionäre geben wird. In China wird das Unternehmen zudem sehr zinsgünstig über einheimische Banken finanziert; das verbilligt das Wachstum.

Gleiches gilt auch für Übernahmekandidaten unter der Vielzahl der börsennotierten Mittelstandsunternehmen. Ein Übernahmekandidat ist das Eisenbahn-Logistik- und Waggonvermietungsunternehmen VTG. Die Aktie hat seit Ende 2014 rund 130 Prozent Plus gemacht, JPMorgan Chase hat jetzt ein öffentliches Übernahmeangebot gemacht, das aber als zu niedrig eingestuft wird. Beobachter erwarten daher einen weiteren Anstieg. Sehr interessant erscheint auch der Blick in die Biotech-Branche. Sarepta Pharmaceuticals beispielsweise gilt als Übernahmekandidat und hat seinen Börsenkurs seit April verdoppelt. Und der US-Biotech-Riese Gilead Sciences hat vor einem Jahr für 11,9 Milliarden US-Dollar das kleine US-Biotech-Unternehmen Kite Pharma übernommen, das zuvor nur mit etwas mehr 2,3 Milliarden US-Dollar an der Börse bewertet wurde.

Das sind nur wenige Beispiele von Unternehmen, die abseits der Öffentlichkeit ihrer Arbeit nachgehen und dabei für Aktionäre interessante Möglichkeiten aufwerfen. Es sind nicht immer die bekannten Titel, die besonders zukunftsträchtig sind. Sondern oftmals gerade die, die keine Nachrichten produzieren.

Kolumne von Thomas Hünicke,
geschäftsführender Gesellschafter der unabhängigen WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH aus Düsseldorf