Weltwirtschaft muss sich Veränderungen stellen

Colliers International beschreibt die Herausforderungen, die auf die Weltwirtschaft zukommen ©Sean K

Colliers International sieht die Weltwirtschaft im Zuge der vierten industriellen Revolution vor zahlreichen Herausforderungen. Profitieren könnten davon besonders außereuropäische Länder. Zu den Verlierern dürften gering qualifizierte Arbeitnehmer gehören.

In dem aktuellen Report “Global Manufacturing Shifts: an EMEA Perspective. Production in the post-BRICs era” zeigt Colliers International die zahlreichen Herausforderungen, denen sich die Weltwirtschaft in Zukunft gegenüber sehen wird. So geht der Immobiliendienstleister davon aus, dass sich der weltweite Schwerpunkt in der Fertigungsindustrie aufgrund von Automation und digitaler Technologie verlagert. Somit dürfte der Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern steigen, während immer weniger gering qualifizierte Arbeitnehmer nachgefragt werden. Trotzdem werden Billigproduzenten weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Diese verlagern ihre Produktion in weniger entwickelte Länder, wo die Arbeitskosten gering sind und wo ein hohes Angebot an Arbeitskräften besteht.

Peter Kunz FRICS, Head of Industrial & Logistics Deutschland bei Colliers International: “Die Industriestaaten durchlaufen die vierte industrielle Revolution, um global wettbewerbsfähig zu bleiben und um ihre Fertigungsindustrie für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen. Dabei erproben sie neue Formen der intelligenten Fertigung, die das ´Internet der Dinge´ und digitale Technologien einbeziehen, um die Produktivität, Effizienz und Flexibilität zu steigern. Deutschland zum Beispiel verfolgt dieses Ziel mit dem Programm ´Industrie 4.0´.“

Wolfgang Speer, Geschäftsführer der Colliers International Corporate Solutions GmbH: „Europa benötigt zusätzliche Arbeitskräfte, um den Folgen eines Arbeitskräftemangels zu entgehen. Den Prognosen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge wird die Bevölkerung in Europa bis 2050 um zehn Prozent zurückgehen, während der Altersabhängigkeitsquotient sich in der EU voraussichtlich verdoppeln wird. Dies macht deutlich, welchem Druck die erwerbstätige Bevölkerung ausgesetzt sein wird. Die ländlichen Gebiete sind am stärksten von dieser Entwicklung betroffen, da der Trend hin zur Verstädterung weiter anhalten wird. Dies wirft die Frage auf, wie nachhaltig lokale Arbeitskräftepools sind. Diejenigen Länder, denen es gelingt, möglichst kostenwirksam innovative Technologien zu entwickeln, die mit wettbewerbsfähigen, jedoch erschwinglichen Löhnen einhergehen, werden im Bereich der Fertigungsindustrie die Gewinner sein.”

Colliers International zeigt sechs wichtige Faktoren und Trends auf, die entscheidend für die Veränderung der Fertigungslandschaft sind. Zunächst sind dies die steigenden Arbeitskosten und ein Mangel an Arbeitskräften in globalen Fertigungszentren, was zu einer Verlagerung der globalen Produktion führt. Profitieren werden davon die Niedriglohnländer der nächsten Generation wie beispielsweise Südosteuropa, die Türkei und Marokko. Zweitens sind die Arbeitskosten bei Weitem nicht entscheidend für die Wahl eines Produktions- oder Belieferungsstandortes. So werde die Nähe zum Konsumenten immer bedeutender, da es immer wichtiger werde, Produkte schnell auf den Markt zu bringen und sie den individuellen Bedürfnissen der Verbraucher anzupassen. Von diesem Trend würden am meisten diejenigen Länder profitieren, die eine gute Mischung aus Kosten und Risiken bieten. Neben den bereits erwähnten Ländern seien dies südostasiatische Staaten und Mexiko. Der dritte Trend, den Colliers international ausgemacht hat, sind in Westeuropa zunehmend automatisch laufenden Lieferketten, die mit dem Einzug der Industrie 4.0 einhergehen. So würden mit Roboter bestückte Fabriken zur Norm werden. So hat beispielsweise der Hafenbetreiber APM Terminal die Eröffnung des ersten vollautomatischen Containers im Rotterdamer Hafen bekannt gegeben. Durch den Einsatz des Roboters Kiva hat Amazon seine Betriebsausgaben um 20 % gesenkt und plant nun,diese Technologie in Europa und Asien verstärkt zu nutzen.

Der vierte Trend ist die mögliche Rückkehr einiger, ins weit entfernte Ausland verlagerter, traditioneller, arbeitsintensiver Produktionsarten aufgrund von Automation und den Einsatz von Technologie. Grund hierfür sei die damit verbundene Nähe zum Markt, was aber gleichzeitig neue Anforderungen an die Immobilien stellen werde. Jedoch seien die vollständigen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt eher gering und werde für unterschiedliche Ausbildungsstufen und Qualifikationsniveaus unterschiedlich ausfallen. Am stärksten betroffen seien davon gering qualifizierte Arbeitskräfte. Dass die Produktion in Ländern wie Polen oder Tschechien deutlich teurer geworden ist und die zentralen Produktionsstandorte deutliche Anzeichen einer Sättigung aufzeigen, ist für Colliers International der fünfte bedeutende Trend. Die Sättigung führe zu einer höheren Investition in die Fertigung, was besonders für kostenintensive Industrien zutreffen. Diese würden dann in Regionen “abseits der üblichen Pfade” oder nach Südosteuropa oder in die Balkanregion abwandern. Die Arbeitskosten seien dabei der wichtigste Motor und die derzeitige Entwicklung der Infrastruktur in dieser Region lasse Investition weniger riskant erscheinen. Andererseits haben die EU-Osterweiterung offensichtlich an Dynamik eingebüßt, bleibe jedoch mittel- und langfristig von Bedeutung.

Als letzten Trend nennt Colliers International, dass Mittelmeerländer wie die Türkei und Marokko dank ihrer zahlreichen, jungen und gut ausgebildeten Arbeitskräfte Investitionen anziehen würden. Darüberhinaus spreche deren geographische Lage an der Grenze zu Europa und anderen aufstrebenden Regionen wie Afrika und dem Nahen Osten für sie. Besonders die Türkei habe als westlicher Außenposten der chinesischen Initiative “Seidenstraße”, die den Handel zwischen dem Fernen Osten und Europa und die Investitionen von China im Ausland ausweiten soll, eine wichtige Bedeutung. (ah)

www.colliers.de