Weltweite Studie: Frauen besitzen zum Renteneintritt nur 74 % des Vermögens von Männern

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Die aktuelle internationale Studie von WTW zeigt einen weltweiten massiven Unterschied zwischen dem Vermögen von Männern und Frauen zum Zeitpunkt des Renteneintritts. Der „Global Gender Gap Report” im Juli 2022 betrachtete dieses Wohlstandsgefälle bereits einmal, sodass der Anfang November veröffentlichte „WTW Global Gender Wealth Equity Report jetzt den Faden erneut aufnimmt: Frauen werden im Durchschnitt mit nur 74 % des Vermögens ihrer männlichen Kollegen in den Ruhestand gehen.
Weltweit betrachtet liegt der Wert zwischen 60 % – 90 %. Deutschland liegt mit 76 % sogar knapp unter dem europäischen Durchschnitt.

Darüber hinaus nimmt das Ausmaß des Gender Wealth Gaps zum Zeitpunkt der Pensionierung mit steigendem Hierarchielevel zu. Die Studie zeigt, dass Frauen in leitenden Fach- und Führungspositionen 62 %  des akkumulierten Vermögens beim Renteneintritt besitzen, als männliche Kollegen in vergleichbaren Positionen. Im mittleren Hierarchiebereich war der Wert mit 69 % immer noch beträchtlich. Bei operativen Positionen liegt er bei 89 %

Ariane Köhler, Head of Work & Rewards bei WTW Deutschland, dazu: Die Ergebnisse
der globalen Analyse sind erschreckend. Sie zeigen, dass in den 39 untersuchten Ländern durchweg ein Gender Wealth Gap existiert. Zu den wichtigsten Faktoren, die zu den Vermögensunterschieden beitragen, gehören Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und verzögerte Karriereverläufe. Außerhalb des Arbeitsplatzes beeinflussen darüber hinaus Lücken in der finanziellen Bildung und familiäre Pflegearbeit die Möglichkeit von Frauen, Vermögen aufzubauen.”

Der Gender Wealth Gap weltweit

Insgesamt wies Europa den geringsten durchschnittlichen Gender Wealth Gap aller
Regionen auf. Frauen erreichen in Europa bei ihrem Eintritt in den Ruhestand im Durchschnitt 77 %  des Vermögens der Männer. Deutschland liegt mit 76 % knapp darunter. Die Niederlande weisen mit 70 % den größten Gender Wealth Gap in Europa auf. Am besten scheidet Spanien ab: Dort erreichen die Frauen 86 % des Gehalts ihrer männlichen Kollegen bei Eintritt in den Ruhestand.

In Deutschland herrscht ein Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und ein unverhältnismäßig hoher Anteil an unbezahlter Betreuungsarbeit, die Frauen leisten.
Dies gehört zu den Herausforderungen bei der Schaffung eines angemessenen
Ruhestandvermögens. Obwohl es eine gemeinsame Elternzeit gibt, wird diese von Männern oft nicht genutzt. Das muss sich ändern, um ausgeglichenere Vermögensverteilungen zu erzielen“, sagt Florian Frank, der gemeinsam mit Ariane Köhler den Bereich Work & Rewards bei WTW Deutschland leitet.

Der Gender Wealth Gap in den USA liegt mit 75 % knapp über dem globalen Durchschnitt von 74 %. Nigeria weist mit 60 % die größten Vermögensunterschiede auf, dicht gefolgt von Argentinien mit 61 %  sowie Mexiko und der Türkei mit 63 %

Fokus auf ESG und DEI verringert Unterschiede

In der Studie wird hervorgehoben, dass durch Bemühungen in den Bereichen Umwelt,
Soziales und Unternehmensführung (ESG) auch die Geschlechterdiskriminierung
verringert wird. Darüber hinaus haben Aktivitäten rund um Vielfalt, Gleichberechtigung
und Integration dazu beigetragen, den Gender Pay Gap zu verringern und gleichzeitig
Frauen die Möglichkeit eröffnet, mehr Führungspositionen zu übernehmen.
Florian Frank findet: „Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Vermögensaufbau ist ein multidimensionales Problem. Unternehmen müssen es auch unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, denn es gibt keine Einzellösung.“ (ml)