Weiterhin synchrones globales Wachstum

Christian Heger, Chief Investment Officer HSBC Global Asset Management / Foto: © HSBC

Nach einem bisher überaus positiven Jahresverlauf ist der Aufschwung an den Aktienmärkten zuletzt etwas ins Stocken geraten. Droht im zweiten Halbjahr eine nachhaltige Ernüchterung? In der Tat haben sich nicht alle Hoffnungen für 2017 erfüllt. Ausbleibende Fiskalimpulse in den USA und eine restriktivere Wirtschaftspolitik in China drückten zuletzt allzu optimistische Wachstumsprognosen. Sorglose Rentenmärkte wurden zudem von schärferen Kommentaren der Notenbanken überrascht.

Chinas Regierung erhöht Tempo

Beides bedeutet jedoch nicht eine grundsätzliche Verschiebung des fundamentalen Umfeldes. Dank niedriger Zinsen und eines schwächeren US-Dollars wächst die US-Wirtschaft auch ohne zusätzliche Fiskalimpulse mit gut zwei Prozent im Tempo der vergangenen sieben Jahre. In China hat die Regierung gerade wieder auf eine etwas expansivere Gangart umgeschaltet, die Stimmungsindikatoren sind sogleich gestiegen.

Wesentlich verbessert hat sich die Konjunktur in Europa. Der eindeutige Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich hat die politische Unsicherheit in den Hintergrund gedrängt. Die Verbraucherstimmung ist auf einem Mehrjahreshoch, die Investitionen ziehen an, die Kreditvergabe steigt: Die Eurozone ist die Wachstumsüberraschung 2017, und der Schwung dürfte bis weit in das nächste Jahr tragen. Das seit Jahresbeginn zu beobachtende synchrone Wachstum der Weltwirtschaft ist daher noch nicht zu Ende. Mit gut drei Prozent wachsen die Bäume zwar nicht in den Himmel, dafür mindert die moderate Dynamik die Risiken neuer Ungleichgewichte. Notenbanken haben es daher nicht nötig, ihre Geldpolitik deutlich zu verschärfen. Der moderate Ausstieg aus der extrem reichhaltigen Geldversorgung bleibt gleichwohl auf der Agenda. In den USA bedeutet dies das Schrumpfen der Notenbankbilanz ab Oktober und einen weiteren Zinsschritt vermutlich zum Jahresende. Für die Europäische Zentralbank steht die Rücknahme des Ankaufprogramms 2018 im Mittelpunkt.

Beides rechtfertigt keine deutlich höheren Zinsen für länger laufende Anleihen. Ein Ende des sogenannten Goldilock-Szenarios aus moderatem Wachstum und niedrigen Zinsen ist daher zumindest für 2017 nicht in Sicht. Bei historisch tiefen Zinsen bleiben auch die Risiken von Bewertungsblasen bei Aktien gering. Schließlich liegen die Risikoaufschläge an nahezu allen Aktienmärkten gegenüber dem Geld- und Rentenmarkt immer noch im Rahmen, wie in den USA, oder sogar über den langfristigen Durchschnitten, siehe Eurozone und Japan.

Zweistellige Gewinnzuwächse

Gleichzeitig hat das synchrone Wachstum einen neuen Gewinnzyklus in Gang gesetzt. Nach zwei mageren Jahren in den USA und nahezu fünf Jahren in der Eurozone glänzen die Unternehmen mit zweistelligen Zuwächsen. Die Chancen für eine Fortsetzung des Aufschwungs an den Aktienmärkten stehen daher auch im zweiten Halbjahr gut. Das Potenzial ist nach den Kursgewinnen und der höheren Bewertung jetzt aber geringer. Wir halten weiterhin eine neutrale Positionierung für ausreichend, schwächere Kurse bleiben eine Zukaufgelegenheit. Unsere Favoritenmärkte sind unverändert Euroland, Japan und einige Emerging Markets wie China und Indien.

Marktkommentar von Christian Heger, Chief Investment Officer von HSBC Global Asset Management (Deutschland)