Weiter stark im Kommen

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Die Nachfrage nach ETFs hält weiter an. Innovationsreichtum, Kostenaspekte und weitere Aspekte werden für den möglichen Kauf dieser passiven Investmentvehikel angeführt. Im Wettstreit um Investorengelder haben es aktiv gemanagte Fonds auf der anderen Seite mittlerweile alles andere als einfach. Doch sind diese ETFs eine Art Allzweckwaffe für jegliche Marktlagen? Fest steht, sie nehmen immer mehr Raum in der Investmentlandschaft ein. Auch bei Beratern.

Das Rennen um die Vorherrschaft geht in die nächste Runde. Die Debatte um aktives versus passives Investieren treibt viele Beteiligte um. Oder gibt es gar keine Rivalität und es ist besser, von einer Koexistenz verschiedener Investmentphilosophien zu sprechen? Fakt ist, dass die Branche der ETFs seit nunmehr einigen Jahren nicht mehr aus der Investmentindustrie wegzudenken sind. Zwar ist der europäische/deutsche Markt, speziell bei privaten Investoren, noch verhältnismäßig klein, aber das Pflänzchen wächst unaufhaltsam. Mittlerweile sind mehr als 18 Jahre vergangen, da die Deutsche Börse als erste europäische Börse den Handel mit Indexfonds (ETF) aus der Taufe gehoben hat. Fürwahr eine transparente Anlagemöglichkeit. Denn ein ETF bildet exakt die Wertentwicklung eines Börsenbarometers ab. Verliert der Index 5 %, verliert der betreffende ETF auf den Dax ebenfalls 5 %. Mittlerweile gibt es europaweit mehr als 3.000 Produkte und der Gesamtmarkt ist auf mehr als 700 Mrd. Euro angestiegen, gleichwohl das laufende Jahr bis dato kein glanzvolles war.

Aber es gibt nicht wenige Marktteilnehmer, die in den kommenden Jahren von einem weiteren deutlichen Volumenzuwachs p.a. ausgehen. Da haben es die aktiven Fondsmanager nicht immer einfach, die sich mit allerlei Vorwürfen – teure Produkte, Managementgebühr etc. – auseinandersetzen müssen. „Wir glauben nicht, dass das Wachstum von ETFs in Europa stagnieren wird. Im Gegenteil: Europa hinkt dem ETF-Markt in den USA noch ca. 5 Jahre hinterher. Der Marktanteil von ETFs im Vergleich zum gesamten verwalteten Vermögen ist in Europa noch relativ gering und hat daher noch viel Wachstumspotenzial“, so Dominik Poiger, Trader/ ETF-Portfolio Management bei VanEck. Keine Einzelmeinung, zumindest bei den hierzulande im ETF-Segment beheimateten Gesellschaften. Das sieht man auch im Hause J.P. Morgan Asset Management so. Bryon Lake, Managing Director, Leiter International ETFs bei J.P. Morgan AM, sprach jüngst davon, dass das Wachstum des europäischen ETF-Markts bisher den Wachstumsraten des US-Markts entsprach, wenn auch mit einer Verzögerung von sieben bis zehn Jahren. „Laut Prognosen der Beratungsgesellschaft PwC könnte der Markt laut bis 2021 ein Vermögen von 1,5 Bio. US-Dollar aufweisen.“ Und Rückenwind könnte auch weiter aus regulatorischer Sicht kommen. Denn die nunmehr gültigen Regelwerke zwingen Berater und Anbieter dazu, im Sinne einer größtmöglichen Transparenz Kosten offenzulegen. Und das ist mitunter ein Vorteil für die passiven Investmentvehikel. „Neben der höheren Kostentransparenz durch MiFID II ist die Kostensensitivität der Anleger dem Marktumfeld geschuldet – gerade in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen sowie bei aktuell rückläufigen, beziehungsweise stagnierenden Aktienmärkten. Wir sehen den Trend zu ETFs insbesondere bei der Riester-Rente. Hier können die Effektivkosten durch eine Unterlegung mit ETFs deutlich gesenkt werden“, kommentiert Michael Gott, Vertriebsleiter bei der Sutor Bank.

Doch ist jegliche Skepsis unangebracht – taugen ETF in jeglichen Marktphasen? Nun, zur Wahrheit gehört eben auch, dass wir etwas Wasser in den Wein gießen müssen. Gegen kurzfristige heftige Crashs/starke Rücksetzer sind auch passive Indexfonds nicht gewappnet. Dann kann es im äußersten Fall dazu kommen, dass die ETFs deutlich mehr an Wert verlieren und teilweise vom Handel ausgesetzt werden. Zudem schaffen es die Produkte mitunter nicht mehr, den ihnen zugrundeliegenden Index gänzlich abzubilden. Es kann dann zu einem Liquiditätsproblem in Folge der ETF-Konstruktion kommen. „In der Vergangenheit waren Flash Crashs sehr kurzfristiger Natur und eher auf menschliches Versagen oder technische Fehler zurückzuführen als auf nicht ordnungsgemäß funktionierende Kapitalmärkte. Es wird sicher in Zukunft Phasen geben, in denen ETFs weniger starke Zuflüsse verzeichnen oder sogar Abflüsse in Kauf nehmen müssen. Nichtsdestotrotz werden Asset-Allokateure an dem hocheffizienten Beta-Produkt ETF bei der Portfoliokonstruktion nicht vorbeikommen“, relativiert VanEck-Experte Poiger. Und Dag Rodewald, Head Passive & ETF Specialist Sales Deutschland & Österreich, UBS Asset Management (Deutschland) GmbH, erwähnt in diesem Zusammenhang, dass es sehr gute Möglichkeiten gäbe, ein Portfolio wetterfester aufzustellen, z. B. durch die Beimischung von eher defensiven Faktor-Lösungen zu den bestehenden Kerninvestments. „Hier bieten sich vor allem ETFs auf die Faktoren Low Volatility und Quality an“, so Rodewald. Die Innovationskraft und weitere Argumente lassen dessen ungeachtet die Beliebtheit von ETFs bei Beratern und Anlegern steigern. „Dank der Zuflüsse ist ihr Anteil am Vermögen von Wertpapier-Publikumsfonds in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Ende 2017 verwalteten ETFs laut Investment Company Institute (ICI) weltweit Anlegergelder in Höhe von 3,9 Bio. Euro. Der Anteil von ETFs am Vermögen von Wertpapier-Publikumsfonds war dabei in den USA mit 15,1 % am höchsten. Deutschland folgte mit 15 %“, so der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) in einer Presseerklärung. Hinter dem Branchenprimus iShares, der zuletzt Federn lassen musste, lauern mit X-trackers, Lyxor und UBS die Verfolger auf den Plätzen. Und der Konkurrenzkampf wird dank neuer Anbieter härter. Gleichzeitig bleibt die Branche innovativ und besetzt Megatrends. „Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns als globales Unternehmen ein großes Anliegen. Wir sehen auch ein gesteigertes Interesse an Investmentlösungen sowohl in aktiven Fonds wie auch in ETFs. Die Herausforderung bei ETFs liegt in der Abbildung eines für viele Anleger gleichermaßen relevanten Index. Daher verfolgen wir auch hier die Strategie, einzelne Kundenanforderungen zu bündeln und für eine Gruppe individuelle Lösung anzubieten“, so Sascha Specketer, Country Head Retail & Wholesale Germany, Invesco. Dominik Poiger ergänzt, dass es in der jüngeren Vergangenheit insbesondere Themen wir Halbleiterindustrie, Robotik und Automatisierung sowie Nachhaltigkeit/ESG gewesen seien, die große Mittelzuflüsse verzeichnen konnten. Da diese Themen aber sehr langfristige Investmentkonzepte darstellen, müssten Anleger auch einen entsprechenden Anlagehorizont und die entsprechende Geduld mitbringen. Invesco-Experte Specketer sieht künftig weiteres Potenzial für faktorbasierte Strategien. Kapitalmärkte und die Erklärung von Renditen verschiedener Anlageklassen haben sich über die letzten Jahre signifikant weiterentwickelt. „Insbesondere im Bereich Aktien sehen wir faktorbasierte Renditen als natürliche Weiterentwicklung von marktkapitalisierten Benchmarks und somit als eine natürliche Ergänzung zu traditionellen ETFs“, so Specketer. (hsd)

Fazit: ETFs sind längst integraler Bestandteil im Investmentuniversum. Die Auswahl ist mittlerweile riesig, so dass sich in so gut wie jedes Segment investieren lässt. Rein unter Kostenaspekten führt fast kein Weg an dieser Anlageklasse vorbei. Sogenannte Musterportfolien auf ETF-Basis können ein gutes Einstiegsinvestment für den langfristigen Vermögensaufbau sein.