Weiter so – ist keine Option

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Nach der Entscheidung der britischen Wähler, die Europäische Union zu verlassen, fordert das Deutsche Aktieninstitut von der deutschen Politik schnelle Maßnahmen, um die kapitalmarktpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern. Nur so können aus der britischen Entscheidung auch Chancen für den Unternehmensstandort Deutschland entstehen.

(fw/rm) Der bevorstehende Brexit mischt die Karten (auch) an den internationalen Finanzmärkten neu. Nicht nur die Ausgangslage für die beabsichtigte Fusion der Deutschen Börse AG mit der London Stock Exchange hat sich geändert, auch die Frage, von welchem Standort aus künftig Finanzdienstleistungen für die europäischen Verbraucher und Unternehmen erbracht werden, ist neu zu stellen. London wird dabei der große Verlierer sein, wie die Ankündigungen verschiedener Banken, Arbeitsplätze auf den Kontinent verlagern zu wollen, deutlich zeigen. Dass bedeutet aber nicht, dass Frankfurt automatisch und ohne jedwede eigene Anstrengung der große Gewinner sein wird. Dafür sind hierzulande viele Rahmenbedingungen zu verkrustet und zu bürokratisch. „Wenn wir die Chancen, die sich neben den Belastungen aus dem Brexit ergeben, für den Finanzplatz Frankfurt und den Unternehmensstandort Deutschland nutzen wollen, müssen wir auch selbst aktiv werden,“ betont Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Spätestens seit dem Abschlussbericht des Runden Tisches von Bundeswirtschaftsminister Gabriel „Mehr Börsengänge von Wachstumsunternehmen“ ist klar, was Deutschland unternehmen muss, um den Standort Deutschland international konkurrenzfähig zu machen. Danach braucht Deutschland eine Stärkung der Kapitalsammelstellen, beispielsweise durch eine ergänzende kapitalgedeckte Altersvorsorge. Außerdem müssen die Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen gestärkt und bürokratische und regulatorische Hürden bei der Wachstumsfinanzierung über die Börse abgebaut werden. Das Deutsche Aktieninstitut setzt sich darüber hinaus auch für eine praxisnähere Regulierung der Anlageberatung und die Stärkung der ökonomischen Allgemeinbildung in Deutschland ein. Manche dieser Schritte sind schnell umsetzbar, andere bedürfen einer intensiven Diskussion und Vorbereitung. Eines ist ihnen aber gemeinsam: sie sind notwendig und das auch schon vor dem Brexit. „Wenn wir die Folgen des Brexit für deutsche Verbraucher und Unternehmen abmildern und die mit ihm verbundenen partiellen Chancen nutzen wollen,“ so Bortenlänger, „ist die Politik jetzt gefordert aktiv zu werden und die notwendigen Schritte in Richtung leistungsfähige Kapitalmärkte gehen. Ein einfaches „Weiter so“ ist jetzt keine Alternative mehr.“ www.dai.de