„Weckruf für Gold, Aufholbedarf bei Silber und Platin“

Nico_Baumbach_HANSAINVEST.jpg
Nico Baumbach, Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH

„Gold hat seine Rolle als Krisenversicherung im Anlegerportfolio zurückerobert“, kommentiert Nico Baumbach von der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH die aktuelle Preisentwicklung des Edelmetalls.

Anleger und Investoren sollten aufgrund des starken Preisanstiegs seit Jahresbeginn allerdings nicht in Euphorie verfallen, rät der Portfoliomanager der beiden Edelmetallfonds HANSAgold und HANSAwerte.

Nach Einschätzung von Nico Baumbach ist der Sprung der Goldnotiz um rund 200 US-Dollar innerhalb weniger Wochen noch nicht als grundsätzliche Trendwende zu interpretieren. „Die Gold-Rallye war stark sentimentgetrieben“, so der Edelmetallexperte. Anleger und Investoren hätten wegen des völlig überraschenden Einbruchs an den Aktienmärkten eine Alternative gesucht und in Gold umgeschichtet. Insbesondere die großen ETFs hätten viele Tonnen Gold absorbiert und seien damit eindeutig der Kurstreiber Nummer eins gewesen. Bis in den vergangenen Herbst hinein hatten die Gold-Indexfonds noch auf der Verkäuferseite gestanden. Die Nachfrage nach Münzen und Barren sowie die Käufe von Notenbanken und der Schmuckindustrie entwickelten sich nach Beobachtung Baumbachs unterdessen stabil.

Dass der Goldpreis sich so plötzlich und kräftig nach oben bewegt hat, dafür führt Baumbach außerdem auch technische Gründe an. „Seit Anfang des Jahres zeichnete sich ab, dass die Leitzinsen in den USA möglicherweise nicht so stark klettern wie ursprünglich erwartet, was auch die amerikanische Währung geschwächt hat.“ Gold reagiert gewöhnlich mit Aufschlägen auf einen schwachen Dollar und niedrige Zinsen. Letztere erwiesen sich noch aus einem anderen Grund als hilfreich: „In den Industriestaaten sanken die Opportunitätskosten für Gold praktisch bis auf null, da sichere festverzinsliche Wertpapiere kaum noch etwas abwerfen.“ Anlegern, die anstelle von Anleihen Gold halten, entstehen dadurch so gut wie keine Verluste durch entgangene Zinseinkünfte.

Kritik am Kurs der Notenbanken
Zurückzuführen ist das ultratiefe Zinsniveau auf die stark expansive Geldpolitik der Notenbanken, die mit Liquiditätshilfen gegen deflationäre Tendenzen und das dürftige Wirtschaftswachstum ankämpften. „Anleger kritisieren diese Strategie, weil sie Gefahren für das Weltwährungssystem sehen“, erläutert Baumbach. Angesichts haussierender Aktienbörsen sei das Unbehagen über die immer neuen Geldspritzen bis 2015 noch in den Hintergrund getreten. „Dann aber wurden die Investoren wachgerüttelt. Angesichts der vielen ungelösten Krisen denken sie wieder darüber nach, wie eine sinnvolle Diversifikation und auch Absicherung des eigenen Depots aussehen könnte.“

Nach Überzeugung Baumbachs führt dieser Weg zu einer Beimischung von Goldinvestments. Ein Anteil von idealerweise fünf bis zehn Prozent des liquiden Vermögens sei je nach Risikopräferenz der Anlegers angemessen: „Ein Goldanteil im Portfolio schützt zwar nicht grundsätzlich vor Einbußen am Aktienmarkt; häufig liegt die Korrelation der beiden Anlageklassen nahe null.“ Als Versicherung gegen schwere Systemkrisen sei Gold aber unersetzlich. „Wir empfehlen daher dringend, den für das eigene Wohlbefinden erforderlichen Goldanteil permanent zu halten und diesen schützenden Charakter nicht durch hektisches Investieren und Reinvestieren zu gefährden“, so Baumbach. Von Preisspekulationen rät der Portfoliomanager ab. Dazu werde der Markt viel zu sehr von Stimmungen getrieben und sei daher auch für den Investor nur schwer einzuschätzen.

Silber und Platin noch vernachlässigt
Bei den anderen Edelmetallen liegt der Fall etwas anders. Die Notierungen von Silber, Platin und Palladium blieben deutlich hinter dem Goldpreis zurück. „Der Rückstand von Silber sticht besonders stark heraus“, so Baumbach. Eine Feinunze Gold decke derzeit den Wert von 80 Unzen Silber ab. „Damit liegt die Gold-Silber-Ratio so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr.“

Ähnlich preisgünstig erscheint das Edelmetall Platin. Hier gibt es deutlich weniger Vorkommen als es bei Gold der Fall ist. Zugleich wird das äußerst seltene Metall größtenteils in Südafrika gefördert, wo Streiks und Stromausfälle immer wieder die Produktion unterbrechen. Platin kostete in der Vergangenheit gewöhnlich mehr als Gold, momentan liegt der Preis aber erheblich tiefer. Baumbach sieht darin eine Anomalie, die langfristig wieder ausgeglichen werden könnte: „Südafrika konnte die Förderung überhaupt nur konstant halten, weil sich die Landeswährung Rand ähnlich stark verbilligte wie Platin.“ Dadurch blieben die Erlöse in Rand stabil, sodass die Bergbaugesellschaften ihre vor Ort anfallenden Kosten trotz sinkender Dollarerlöse decken konnten.

„Silber, Platin und Palladium orientierten sich zuletzt eher an den allgemeinen Rohstoffnotierungen. Der Preisverfall in diesem Sektor hat auch zur Vernachlässigung dieser Metalle beigetragen“, ergänzt Baumbach. Komme es im Rohstoffbereich zu einer Erholung und breche die Weltkonjunktur nicht ein, könnten die auch industriell benötigten Edelmetalle die Lücke zum Gold wieder schließen. „Für eine langfristig positive Wertentwicklung spricht auch, dass zurzeit kaum noch Explorationsprojekte gestartet werden, was das Angebot in vier bis fünf Jahren merklich verknappen sollte“, ergänzt der Portfoliomanager. Anleger, die an einer möglichen Markterholung in diesem Segment teilhaben möchten, sollten mit Blick auf Einzelrisiken eine breitere Streuung der Edelmetalle im Blick haben, wie sie Baumbach beispielsweise über eine aktive Gewichtung der vier Edelmetalle umsetzt. Der von ihm verwaltete HANSAwerte investiert in Platin, Silber, Gold und Palladium, wobei alle vier Portfolioelemente zurzeit ähnlich hoch gewichtet sind.

Nico Baumbach, HANSAINVEST