Was kosten Zertifikate tatsächlich?

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Eine Studie des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Derivate Verbands zeigt, dass Zertifikate günstiger sind als häufig angenommen wird. Jedoch gibt es zum Teil signifikante Unterschiede.

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen spielen die Kosten eines Wertpapiers für Privatanleger eine wichtige Rolle. Jedoch wurden diese bislang nur selten erfasst. Für das Produkt Zertifikate hat der Deutsche Derivate Verband (DDV) nun eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Untersuchung widerspricht der häufig geäußerten Vermutung, dass Zertifikate teuer seien. So betragen die jährlichen Durchschnittskosten der Anlage in Zertifikate durchschnittlich 0,71 %. Selbst bei Hinzurechnung der Absicherungskosten wird die 1 %-Marke nur selten überschritten. Von den 0,71 % jährlichen Gesamtkosten entfallen 0,3 % auf die Erwartete Emittentenmarge, 0,32 % auf die Vertriebsprovision und 0,09 % auf die Aufgabeaufschläge. Die durchschnittlichen Kosten ergeben sich, wenn die Kosten mit den Gewichten den einzelnen Produkten multipliziert werden.

Für die Untersuchung wurden ca. 25.000 Anlagezertifikate mit einem Emissionsvolumen von ca. 8 Mrd. Euro herangezogen, die im ersten Halbjahr 2016 emittiert wurde. Die Produkte mit den höchsten Anlagevolumnia im Untersuchungszeitraum waren Strukturierte Anleihen (27,4 %), Aktienanleihen (24,7 %) und Express-Zertifikate (21,8 %).

„Das Ergebnis unserer wissenschaftlichen Studie, mit der erstmals umfassend die Gesamtkosten und die einzelnen Kostenkomponenten der Zertifikateanlage untersucht worden sind, ist für den Anleger sehr erfreulich. Die aus unserer Sicht überraschend geringen Kosten zeigen, dass Transparenz und ein starker Wettbewerb innerhalb der Zertifikatebranche zu effizienten Preisstrukturen geführt haben“, erklärte Prof. Dr. Christian Koziol, Inhaber des Lehrstuhls für Finance der Eberhard Karls Universität Tübingen und Mitverfasser der Studie.

Diskrepanz zwischen Primär- und Sekundärmarkt

Bei der Studie wurden die Kosten nach Primär- und Sekundärmarktprodukten unterschieden. Der Löwenanteil von 89 % wurde auf dem Primärmarkt abgesetzt. Im Schnitt betrugen die Kosten auf dem Primärmarkt 0,67 % pro Laufzeitjahr. Deutlich höher waren die Kosten auf dem Sekundärmarkt, wo die Gesamtkosten bei 1,09 % pro Laufzeitjahr lagen.

Charakteristisch für den Primärmarkt sind Kupon-Produkte, waren auf dem Sekundärmarkt vor allem mit Aktien als Basiswerten gehandelt wird. Dass die Kosten auf dem Primärmarkt deutlich geringer sind als auf dem Sekundärmarkt, lässt sich laut den Studienautoren mit der deutlich längeren durchschnittlichen Laufzeiten erklären. So haben die Produkte auf dem Primärmarkt eine durchschnittliche Laufzeit von 5,3 Jahren, auf dem Sekundärmarkt hingegen nur von 1,3 Jahren.

Unterschiede zwischen Kategorien

Auch die verschiedenen Zertifikate-Kategorien unterscheiden sich hinsichtlich der Kosten. Dabei gilt, dass die Kosten umso höher sind, je höher das Risiko und je kürzer die Laufzeit ist. So befinden sich Strukturierte Anleihen, die als festverzinsliche Papiere mit Kapitalschutz konzipiert sind und im Durchschnitt acht Jahre laufen, mit Kosten von gerade einmal 0,21 % am unteren Ende der Skala. Etwas teurer sind die verwandten Kapitalschutz-Zertifikate, die pro Laufzeitjahr Kosten von 0,6 % verursachen. Ebenfalls sehr niedrige Kosten haben bonitätsabhängige Schuldverschreibungen, die jährlich mit 0,39 % zu Buche schlagen.

Leicht überdurchschnittliche Kosten weisen Express-Zertifikate auf, die sich auf einen Basiswert wie eine Aktie oder einen Aktienindex beziehen. Diese haben pro Laufzeitjahr Kosten von 0,74 %. Wesentlich teurer sind Aktienanliehen, die eine Zinszahlung an die Entwicklung eines Kurses koppeln und im Durchschnitt nach ungefähr zwei Jahren ausgezahlt werden. Diese befinden sich mit jährlichen Kosten von 1,19 % am oberen Ende der Skala.

Wenn weniger verbreitete Produkte mitgezählt werden, ist die Spanne sogar noch deutlich breiter. So liegt die Kostenspanne für Absicherungsgeschäfte, mit denen sich die emittierenden Banken vor möglichen Verlusten schützen, zwischen 0,15 % und 0,45 %.

“Die Verständlichkeit und Transparenz von Zertifikaten und hier insbesondere die Kostentransparenz sind ein wichtiger Beitrag zum Anlegerschutz, der wirklich dem Anleger dient. Wer im Übrigen Vermögen aufbauen und für das Alter vorsorgen will, kommt an Wertpapieren nicht vorbei. Für Zertifikate sprechen dabei neben der großen Auswahl von Basiswerten sowie maßgeschneiderten Risiko-/ Renditeprofilen gerade auch die geringen Kosten“, resümiert Dr. Hartmut Knüppel, Geschäftsführender Vorstand des DDV. (ahu)

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