Was bringt Lagardes erste Sitzung?

Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors / Foto: © Allianz GI

Auf der ersten Sitzung unter der neuen Präsidentin Christine Lagarde wird die EZB voraussichtlich an die Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi anknüpfen. Konkret dürfte Lagarde die am 12. September getroffenen energischen Maßnahmen unterstützen, als der Einlagensatz um 0,1 Prozentpunkt verringert, eine mehrstufige Einlagenfazilität für Banken eingeführt und das Wertpapierkaufprogramm wiederaufgenommen wurde. Da es seit der letzten Sitzung im Oktober keine größeren makroökonomischen Überraschungen gegeben hat, gibt es aktuell aber keinen Grund für weitergehende geldpolitische Maßnahmen:

  • Während sich die Vertrauensindikatoren in der Eurozone leicht verbessert haben und es Anzeichen von Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China gibt, sendeten die Einkaufsmanagerindizes (PMI) im November gemischte Signale. Zu beachten ist der weitere Rückgang des PMI für den Dienstleistungssektor – auf 51,9 von 52,2 im Oktober und nach einem Höchststand von 53,6 im Juni. Diese Entwicklung stellt das von den Märkten erwartete Szenario einer wirtschaftlichen Stabilisierung ein wenig in Frage.
  • Trotz des leichten Anstiegs der Kerninflation im November von 1,1 auf 1,3 Prozent haben sich weder die aktuelle Teuerung noch die (umfrage- oder marktbasierten) Inflationserwartungen wesentlich geändert. Sie bleiben auf einem sehr niedrigen Niveau deutlich unter dem Ziel der EZB.

Christine Lagardes Äußerungen zur Überprüfung der geldpolitischen Strategie werden derweil interessant sein. Hierbei geht es um mögliche Änderungen des Inflationsziels und der Inflationsmessung. Während der achtjährigen Amtszeit von Mario Draghi betrug die Teuerung im Schnitt 1,2 Prozent und die Kerninflation 1,1 Prozent – dies liegt deutlich unter dem Ziel der EZB. Eine derartige Abweichung führt fast zwangsläufig zu Überlegungen zum Inflationsziel und der Art und Weise, wie die Teuerung gemessen wird. Eine Inflationsrate von unter, aber nahe 2 Prozent anzustreben, ist möglicherweise nicht adäquat.

Obwohl wir für die Sitzung am 12. Dezember keine Änderung der Geldpolitik erwarten, gehen wir für das erste Halbjahr 2020 von einer erneuten Senkung des Einlagenzinses aus. Ein derartiger Schritt entspräche den Markterwartungen und unserem Szenario einer Verschlechterung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds. In einem stark gespaltenen EZB-Rat scheint eine Verringerung des Einlagenzinssatzes die einvernehmlichste Maßnahme zu sein. Die intern stark umstrittenen Wertpapierkäufe dürften dagegen zunächst auf dem aktuellen Niveau von 20 Milliarden Euro pro Monat gehalten werden.

Marktkommentar von Franck Dixmier,
Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors