Was bedeutet die Wahl für Investoren?

Insgesamt zeigt sich, dass die Marktentwicklung bei CDU/CSU-geführten Regierungen deutlich positiver war als bei einer SPD-geführten Regierung. In Zeiten einer CDU/CSU-geführten Regierung konnte der DAX im Durchschnitt 11,3 Prozent pro Jahr zulegen. Unter einem sozialdemokratischen Kanzler betrug der durchschnittliche Zuwachs pro Jahr lediglich 1,7 Prozent.

Wahlergebnis und unmittelbare Marktreaktion

Bedeutet dieses Ergebnis, dass die Sozialdemokraten weniger wirtschaftsfreundlich sind oder könnten andere Gründe für die im Durchschnitt schwache Marktperformance unter SPD-Kanzlern ausschlaggebend sein? Um den Kanzlereffekt näher herauszuarbeiten ist es daher sinnvoll, zu analysieren, wie der Markt direkt auf die Wahl reagiert.

Betrachtet man, wie sich der DAX in den zehn Handelstagen direkt nach einer Bundestagswahl entwickelt hat, bestätigen sich die Annahmen. In den ersten zehn Handelstagen nach der Wahl eines CDU/CSU-Kanzlers weisen die Märkte im Schnitt eine leicht positive Rendite von 0,2 Prozent auf. Ganz anders sieht das Bild nach einem SPD-Wahlsieg aus: Nach den sechs Wahlen in denen ein SPD-Kanzler gewinnen konnte verlor der DAX im Schnitt in den ersten zehn Handelstagen mehr als 4,5 Prozentpunkte. Dies zeigt, dass die Marktteilnehmer möglicherweise negative Auswirkungen einer sozialdemokratischen Regierungspolitik erwarten.

Fazit: Im Durchschnitt weisen die Aktienmärkte höhere Renditen unter CDU/CSU-Kanzlern auf, als unter sozialdemokratisch geführten Regierungen. In keiner Amtsperiode einer CDU/CSU-geführten Regierung hat der DAX eine negative Rendite erzielt. Dieses Ergebnis muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sozialdemokratische Kanzler eine schlechtere Wirtschaftspolitik machen. Es könnte auch daran liegen, dass in Krisenzeiten zufällig häufiger Sozialdemokraten an der Macht waren. Direkt nach der Wahl von SPD-Kanzlern reagiert allerdings der DAX im Durchschnitt bereits sehr negativ. Dies spricht dafür, dass die Marktteilnehmer befürchten, dass eine sozialdemokratisch geführte Regierung negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben wird.

Kolumne von Dr. Christian Funke, Vorstand der Source For Alpha (Deutschland) AG (S4A) und Dieter Helmle, Vorstand der Capitell Vermögens-Management AG in Frankfurt am Main