Was bedeutet die Wahl für Investoren?

Dr. Christian Funke (li) Vorstand der Source For Alpha (Deutschland) AG (S4A) und Dieter Helmle, Vorstand der Capitell Vermögens-Management AG (re) Fotos: © Source for Alpha / Capitell Vermögensverwaltung

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Die meisten Beobachter erwarten einen Sieg der Amtsinhaberin. Folgt man einem weit verbreiteten Klischee, dass konservative Regierungen besser für die Marktentwicklung seien, so wäre es auch für die Anleger besser, wenn Angela Merkel noch weitere vier Jahre regieren würde.

Ist es historisch tatsächlich von Bedeutung, wer im Kanzleramt letztendlich das Sagen hatte? Anhand der verschiedenen Regierungsphasen in den letzten 50 Jahren wird der Kanzlereffekt betrachtet und dabei die direkte Reaktion des Marktes auf die unterschiedlichen Wahlergebnisse untersucht.

Zusammenhang zwischen Kapitalmarktrendite und Regierungspartei

Es ist ein weit verbreitetes Klischee, dass konservative Regierungen als Liebling der Aktienmärkte gelten. Viele Marktakteure befürchten, dass die Sozialdemokraten eine Tendenz zu höheren Sozialausgaben und mehr Bürokratie haben. Die CDU/CSU hingegen gilt als wirtschafts- liberaler und unternehmensfreundlicher.

Eine nähere Betrachtung der Kapitalmarktrenditen in den jeweiligen Amtsperioden bestätigt dieses Klischee: Die SPD-gefü̈hrten Regierungen unter den Kanzlern Brandt und Schmidt fielen in eine sehr schwache Börsenphase. Mit Ausnahme der letzten Regierungszeit von Helmut Schmidt hat der DAX durchgehend negative durchschnittliche Renditen erwirtschaftet. In der Ära Helmut Kohl konnte der DAX im Schnitt um mehr als zehn Prozent pro Jahr zulegen. Nur in seiner zweiten Amtsperiode von 1987 bis 1990 konnte der deutsche Leitindex keine zweistellige Rendite pro Jahr aufweisen. Dies verhinderte der weltweite Börsencrash im Oktober 1987, welcher den DAX in wenigen Tagen mehr als 20 Prozentpunkte nach unten trieb.

Die Amtsperiode von Gerhard Schröder war zweigeteilt. In der ersten Amtszeit verlor der DAX im Schnitt fast zehn Prozentpunkte pro Jahr. Einen Großteil machte hierbei das Platzen der Technologieblase zur Jahrtausendwende aus. In der zweiten Amtszeit Schröders konnte der deutsche Leitindex hingegen im Durchschnitt zweistellig pro Jahr zulegen. Pikant hierbei: Ein großer Teil der Rendite erfolgte im Sommer 2005 im Nachgang an die verlorene Landtagswahl in NRW und der damit verbundenen überraschenden Ankündigung von vorgezogenen Neuwahlen. Es könnte sein, dass der Markt vor allem von der Hoffnung auf einen etwaigen Regierungswechsel nach oben getrieben wurde.

In der Ära Merkel konnte der DAX bislang in jeder Amtsperiode eine positive Rendite erzielen – selbst in der Zeit der ersten großen Koalition, welche von den Auswirkungen der großen Finanzkrise überschattet wurde. In der Regierungszeit von Schwarz/Gelb in den Jahren 2009 bis 2013 konnte der DAX sogar zweistellige Renditen pro Jahr aufweisen.

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