Warum passt der Wal noch ins Meer?


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André Kunze

Oder: 20 Fragen, die sich smarte Anleger heute stellen sollten

Manche Fragen müssen im Leben einfach gestellt werden. Andere Frage wiederum können gar nicht gestellt werden, da sie niemandem einfallen. Die folgenden Fragen gehören weder zur ersten, noch zur zweiten Kategorie. Es handelt sich um die Art von Fragen, die irgendjemand stellt, ohne darauf eine Antwort zu erwarten.

Macht es Sinn, jemandem Geld anzuvertrauen, der einem eine Verzinsung von gut null Prozent bietet und dessen Geschäftsmodell zu rund 90 Prozent finanziert ist? Kann es sein, dass das Geld bei diesem Jemand sicher ist? Wir sprechen über Banken und die vermeintliche Sicherheit der dort liegenden Anlegergelder.

Macht es Sinn, dass ein anderer Jemand mit ebenfalls zu hohen Schulden für obiges Geld eine Garantie ausspricht? Macht es Sinn, dass diese Garantie als „sicher“ angesehen wird? Macht es Sinn, dass dieser Jemand für seine eigenen Schulden keine Zinsen zahlt, sondern Zinsen bekommt? Wir sprechen über unseren Staat, seine viel zu hohen, negativ verzinsten Schulden sowie seine Staatsgarantie für Bankguthaben und Festgelder.

Macht es Sinn, wenn jemand Anderer auch noch eine Garantie für obiges Geld ausspricht, dabei aber nicht offenlegen möchte, wieviel Rücklagen er für den Fall der Fälle eigentlich hat? Hat dieser Andere dann eher zu viel oder zu wenig Rücklagen? Wir sprechen über den Bundesverband deutscher Banken e.V., der über die Vermögenswerte des Einlagensicherungsfonds grundsätzlich keine Auskunft erteilt und mein diesbezügliches Schreiben vom 28.Oktober 2015 gleich gar nicht beantwortet hat.

Macht es Sinn, dass eine Anlageform als sicher und garantiert gilt, wenn sie zum größten Teil in obige Jemands investiert? Macht es Sinn, wenn das Kleingedruckte von derartigen Garantien gar nichts weiß?
Wir sprechen über „kapitalbildende“ Versicherungen und den Paragraphen 314 des Versicherungsaufsichtsgesetzes.

Macht es Sinn, wenn eine Bevölkerung überwiegend politikverdrossen ist und an der Aufrichtigkeit der Politik zweifelt, während sie gleichzeitig selbst den auf den ersten Blick erkennbaren politischen Unsinn für bare Münze nimmt?
Wir sprechen über den dann doch wieder staatstreuen Anleger, der Festgeld als sicher und Versicherungen als garantiert betrachtet.

Macht es Sinn, in eine Anlage zu investieren, die sich mit knapp drei Prozent verzinst, nicht täglich verfügbar ist und deren Kauf gut zehn Prozent an Kosten verursacht? Macht diese Anlage Sinn, wenn sie in den letzten Jahren bereits um 50 Prozent gestiegen ist und sie sowohl laufende jährliche als auch immer wieder einmalige Kosten zum Aufhübschen verursacht? Wir sprechen über Immobilien im aktuellen Umfeld.

Macht es Sinn, in eine Anlage zu investieren, die im langfristigen Durchschnitt eine Rendite von 6,4 Prozent pro Jahr erwirtschaftet? Macht diese Anlage auch dann noch Sinn, wenn sie mitunter dreizehneinhalb Jahre in der Minuszone verharrt und sie in der Spitze zwischenzeitlich gut 70 Prozent verliert? Wir sprechen über deutsche Aktien in den letzten 50 Jahren im Speziellen sowie Aktien im Allgemeinen.

Macht es Sinn, dass zwei Jemands fest davon überzeugt sind, dass etwas immer weiter wachsen kann? Macht es Sinn, dass diese beiden Jemands noch eine Schüppe Dünger drauflegen, weil die Knolle auf die ersten Schüppen einfach nicht reagiert hat? Wir sprechen über unsere Notenbank und unseren Staat, die schüppen bis es in den Himmel wächst.

Macht es Sinn, Jemandem Geld anzuvertrauen, dessen einzige Anlagestrategie es ist, auf Wachstum und steigende Kurse zu setzen? Wir sprechen nicht über sinnvolle Anlagestrategien.

Macht es Sinn, die folgende Frage zu stellen und diese dann ausnahmsweise mal zu beantworten?

Liegt es in der Natur der Dinge, dass alles stets wächst? Die Antwort könnte lauten: Die Natur gönnt sich Pausen. Jeder nachhaltige Wachstumsvorgang beginnt zunächst voller Tatendrang, verlangsamt sich dann zusehends und kommt schließlich zum Stillstand, sobald ein optimaler Punkt erreicht wird. Deswegen passt der Wal noch ins Meer. Und wachsen Bäume nicht in den Himmel. Damit wäre zugleich auch die Eingangsfrage beantwortet.

Aber warum sollten Sie sich als smarter Anleger diese Fragen nun eigentlich stellen? Ganz einfach: Glauben Sie nicht alles, was man Ihnen erzählt. Insbesondere nicht in diesem Umfeld. Machen Sie nicht weiter wie bisher. Rücken Sie nicht wieder vor bis zur Schlossallee und lassen sich abkassieren. Es gibt schlauere Lösungen.

Autor: André Kunze,
geschäftsführender Gesellschafter P.A.M Prometheus Asset Management GmbH