Warum gab es noch keinen Crash?

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Es ist ungewöhnlich, dass es am amerikanischen Aktienmarkt noch nicht zu einer kräftigen Korrektur kam. Der Aufschwung an den Börsen läuft bereits seit über sechs Jahren und Belastungsfaktoren gab es mehr als genug.

(fw) Auch aktuell droht Ungemach: Bei den US-Industrieunternehmen kommt es zur Gewinnrezession. In den vergangenen 45 Jahren waren derartige Gewinnrückgänge ein verlässlicher Frühindikator für eine gesamtwirtschaftliche Rezession. Jedoch halten wir eine solche aus verschiedenen Gründen aktuell für unwahrscheinlich.

Die „Zutaten“ für einen Crash sind nach fünfzehn Jahren Niedrigzinspolitik der Notenbanken hinreichend vorbereitet. Sowohl für Unternehmen als auch für Anleger sind in der Vergangenheit Fehlanreize entstanden. Unternehmen konzentrieren sich zu stark auf Finanzoptimierungen und M&A-Aktivitäten, Investoren sind durch das „Crowding Out“ der Notenbanken zu riskanteren Anlagethemen und –instrumenten gewechselt. Aktien werden zunehmend nicht mehr wegen positiver Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung der Unternehmen gekauft, sondern in Erwartung zusätzlicher Nachfrage wegen fehlender Anlagealternativen.

Fehlentwicklungen können bis dato jedoch keine schlagende Wirkung entwickeln, denn der niedrige Ölpreis und tiefe Zinsen halten die Märkte oben. Solange sich diese beiden Faktoren nicht maßgeblich ändern, kann eine Expansionsphase bei Wirtschaft und Assetpreisen theoretisch für lange Zeit anhalten. Kein Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahrzehnte ist am Alter gestorben, sondern durch Maßnahmen der Notenbanken oder Ölpreisschocks.

Die Fed steckt im Dilemma: Erhöht sie die Zinsen zu schnell, droht ein Crash am Aktienmarkt. Erhöht sie die Zinsen nicht oder zu langsam, bilden sich die spekulativen Fehlentwicklungen fort. Langfristig wäre auch ein Herauswachsen aus der hohen Aktienmarktbewertung denkbar. Dazu müssten die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne kontinuierlich wachsen und die Aktienkurse dürften nicht mehr steigen. Wird die Fed diesen Balanceakt schaffen? – Die Analyse vergangener Crashs zeigt, dass Aktienanleger sich nicht darauf verlassen sollten.

Wir erwarten 2016 jedoch keinen Crash am US-Aktienmarkt, weil wir davon ausgehen, dass Ölpreis und Zinsen niedrig bleiben. Das Steigungspotenzial für S&P 500 und Co. selbst bleibt jedoch beschränkt. Andere Märkte sind zu bevorzugen.

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