Warum die Preise für Modernisierungen weiter steigen

Fachkräftemangel für viele Unternehmen existenzbedrohend

Als problematisch erweist sich etwa, dass die Produktivität des Handwerks in den vergangenen Jahren nicht annähernd in einem solchen Maße zunahm, wie es angesichts der wachsenden Zahl an Aufträgen erforderlich gewesen wäre. Vielmehr legt eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey die Schlussfolgerung nahe, dass die ausgezeichnete Auftragslage sämtliche Anreize, Prozesse zu optimieren und die Digitalisierung der Branche voranzutreiben, im Keim erstickt. Zudem legte die Zahl der Arbeitsstunden im Ausbaugewerbe zwar von 418 Millionen im Jahr 2014 auf 439 Millionen in 2018 zu. Dies entspricht aber lediglich einem Zuwachs von rund fünf Prozent, dem jedoch im selben Zeitraum ein um rund 14 Prozent höherer Gesamtumsatz des Ausbaugewerbes gegenübersteht, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Modernisieren ist also vor allem deutlich teurer geworden. Gerade der zunehmende Fachkräftemangel, von dem das gesamte Baugewerbe betroffen ist, macht sich auch bei Modernisierungen als Preistreiber bemerkbar. Im Baugewerbe selbst beklagen heute vier von fünf Unternehmen den andauernden Engpass bei der Gewinnung neuer Fachkräfte als teilweise existenzbedrohend. Zudem führen sie auch immer wieder die überbordende Regulierungswut deutscher Behörden als Bremsklotz und Kostenfaktor ins Feld.

Preissteigerungen in allen Sektoren

Obwohl jedoch etwa neue Umweltvorschriften letztmals im Jahr 2016 erlassen wurden, kann von einer Verlangsamung der Preisspirale keine Rede sein – im Gegenteil. So wurden im vergangenen Jahr Instandhaltungsarbeiten in ihrer Gesamtheit gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent teurer. Besonders groß waren die Preiszuwächse zudem mit fünf Prozent bei der Installation von Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen. Für Dachdeckerarbeiten wurden 3,2 Prozent mehr fällig als in 2017.

Neben höheren Arbeitskosten im Handwerk spiegeln sich darin auch gestiegene Preise bei den verwendeten Materialien wider. Für energetisch vorteilhafte Fenster mit Dreifachverglasung mussten Eigentümer beispielsweise rund 21 Prozent mehr hinlegen und sogar gewöhnliche Faser- und Spanplatten für den Innenausbau verteuerten sich um acht Prozent.

So viel mehr zahlen Immobilienbesitzer und Mieter

Für die notwendigen Modernisierungskredite bedeuten die gestiegenen Kosten vor allem deutlich höhere Darlehenssummen. Um sich die monatlichen Raten leisten zu können, wählten Kreditnehmer, die ihr Darlehen über CHECK24 abschlossen, im vergangenen Jahr eine Laufzeit von durchschnittlich 68 Monaten. Vier Jahre zuvor hatte der Schnitt bei Krediten mit dem Verwendungszweck „Modernisierung“ noch bei 55 Monaten gelegen. Die über ein Jahr längere durchschnittliche Tilgungsdauer treibt die Kosten der Darlehen jedoch weiter in die Höhe. Für den im Mittel abgeschlossenen Kreditbetrag von 17.663 Euro in 2018 macht allein die längere Laufzeit bei einem durchschnittlichen Effektivzins von 3,34 Prozent zusätzliche Zinskosten von über 300 Euro aus.

Warum Abwarten nicht die beste Option ist

Letztlich besteht der größte Kostenfaktor für den Vergleichszeitraum seit 2014 jedoch ohne Zweifel in den massiv gestiegenen Preisen der Modernisierungsmaßnahmen selbst. Die vermutlich noch für längere Zeit bestehenden Niedrigzinsen der EZB sind in dem hier betrachteten Gesamtbild für Verbraucher eindeutig mehr Fluch als Segen. Zwar sorgen diese für geringe Finanzierungskosten, doch lassen sie über die gestiegene Nachfrage auch die Preise explodieren. Die Effekte gleichen sich nicht einmal annähernd gegenseitig aus

Letztlich ist es keine allzu gewagte Prognose, nach dem letzten Zinsentscheid der europäischen Währungshüter um Noch-EZB-Chef Mario Draghi von weiterhin steigenden Preisen bei Modernisierungen auszugehen. Die Niedrigzinsen scheinen für einen längeren Zeitraum in Stein gemeißelt und damit wohl auch die Wachstumsraten der Preise in allen Bereichen des Baugewerbes. Immobilienbesitzer und in den angesprochenen Sonderfällen auch Mieter, die Modernisierungs- oder Instandhaltungsmaßnahmen durchführen lassen wollen, hätten dies zwar vor einigen Jahren noch zu erheblich günstigeren Preisen in Auftrag geben können. Dennoch deutet derzeit alles darauf hin, dass es sich für sie eher lohnen dürfte, jetzt aktiv zu werden, als sich bald mit noch höheren Preisen konfrontiert zu sehen.

Gastbeitrag von Florian Reichert,
Geschäftsführer für den Bereich Kredite bei CHECK24