Warten auf Godot

Wie geht es weiter mit der betrieblichen Altersversorgung? Die Große Koalition in Berlin hat schon lange eine Stärkung in Aussicht gestellt, lässt aber mit Ergebnissen auf sich warten. Teils offenbaren sich sogar enorme Kenntnisschwächen.

Eine neue Studie der Generali in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut zeigt den richtigen Weg. Eine wichtige Rolle spielt dabei jeder einzelne Makler.

Noch immer wird in Berlin darüber diskutiert, wie denn die Stärkung der betrieblichen Altersversorgung, vor allem in mittelständischen Unternehmen, aussehen soll. Die angekündigte Gesetzesnovelle lässt weiter auf sich warten. Bei einem Kongress zum Thema „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ Mitte Februar in Berlin betonte Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Wichtigkeit der bAV für das Gesamtgefüge der Altersvorsorge. Das größte Hindernis auf dem Weg zu mehr Erfolg liege allerdings im Haftungsrisiko für die Arbeitgeber. Und hier ganz besonders für die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) bei der Frage, ob sie überhaupt eine bAV einführen oder anbieten sollen. Besonders fachkundig ist diese Ansicht nicht, gibt es doch seit vielen Jahren bereits eine gesetzliche Verpflichtung hierzu. Wie auch immer – Fahimi sprach sich für Haftungsgemeinschaften aus – ähnlich der MetallRente oder dem Chemie Pensionsfonds. Diese sollten auch für nicht tarifgebundene Firmen verfügbar sein. Wenig überraschend, dass die ehemalige Generalsekretärin der SPD auf die Frage nach dem Stand der Dinge aufgrund einer höheren steuerlichen Förderung oder einer Opting-out-Verpflichtung eine schlüssige Antwort schuldig blieb. Kein Wunder also, dass sich viele Experten darin einig sind, dass hinsichtlich der staatlich angestrebten und von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles wortreich angekündigten bAV-Stärkung 2015 ein verlorenes Jahr war. Gleichzeitig steht es auch angesichts des latent niedrigen Zinsniveaus um die Altersvorsorgebereitschaft der Deutschen nicht zum Besten, wie zahlreiche Umfragen und Studien belegen.

Alles schlecht also?

Nicht nach der aktuellen Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2016“ der Generali Versicherungen in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Demnach machen viele Unternehmen ihre bAV derzeit „fit für die Zukunft“. Dabei legen gemischt finanzierte Betriebsrenten sowie Branchen- und Tarifvertragspläne zu. Allerdings dürften einzelne Maßnahmen, wie eine Enthaftung der Arbeitgeber oder eine Opting-out-Verpflichtung der Arbeitnehmer, kaum ausreichen, um die Nachfrage der Beschäftigten deutlich zu beleben. Als bedeutend wichtiger beurteilen die bAV-Experten der von forsa befragten 200 Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 500 Personen „flexible Vorsorgelösungen, die sich dem individuellen Bedarf des einzelnen Mitarbeiters anpassen“ sowie eine finanzielle Förderung. Ihrer Ansicht nach seien vor allem die Mitarbeiter selbst der Hauptgrund für die stagnierende Marktdurchdringung der Entgeltumwandlung. So hätten diese nur geringe Finanzreserven für eine zusätzliche Altersvorsorge und dadurch nur wenig Interesse an der Entgeltumwandlung. Die von Fahimi ins Feld geführte Haftungsproblematik spielt hingegen laut Studie (s. Grafik) in der Realität nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr hätten die Arbeitgeber ihr Engagement bei der bAV im vergangenen Jahr sogar ausgebaut. So könne jeder Mittelständler mindestens ein bAV-Angebot vorweisen, wobei die Entgeltumwandlung jetzt in allen befragten Unternehmen stattfinde. „Die Ergebnisse zeigen, dass gerade für Personen mit geringerem Einkommen neue Anreize zum Erwerb von bAV-Ansprüchen gesetzt werden müssen, denn gerade sie sind stärker von Altersarmut bedroht und dringend auf ein zusätzliches Einkommen im Alter neben der gesetzlichen Rente angewiesen“, erklärt Michael Stille, Vorstand Generali Versicherungen.

bav grafik

bAV-Modelle mit eigenem finanziellem Anteil.

Das Angebot an rein arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten hat sich der Studie zufolge im vergangenen Jahr stabilisiert und verzeichnet im Vorjahresvergleich sogar einen leichten Zuwachs. Gerade mitarbeiterstarke Betriebe weisen mit aktuell 45 % einen überdurchschnittlich hohen Anteil bei den rein arbeitgeberfinanzierten bAV-Modellen auf. Insgesamt hält jeder Betrieb im Schnitt anderthalb bAV-Planvarianten über alle Finanzierungsvarianten hinweg bereit. Die Arbeitgeber setzen bAV-Pläne mit einem eigenen finanziellen Anteil weiterhin als wichtiges Human Ressource-Instrument ein, um Mitarbeiter zu halten und neue Fachkräfte zu gewinnen. Kritik üben die bAV-Verantwortlichen an der Belastung durch umfangreiche neue Vorschriften und Regelungen, die die Ausbreitung der bAV hemmen. Nur jeder dritte bAV-Verantwortliche sieht in der gesetzlichen Haftung der Arbeitgeber ein Hindernis für die bAV. Eine weitgehende Enthaftung der Arbeitgeber, wie sie derzeit in Fachkreisen diskutiert wird, beseitigt also nicht die Hemmnisse für die bAV und sorgt eher für Verunsicherung. Ähnlich kritisch gehen die bAV-Verantwortlichen mit der Frage nach einem obligatorischen Opting-out um. Eine solche Verpflichtung löse das Grundproblem der betrieblichen Altersversorgung nicht. Ein Weg zu einer besseren Marktdurchdringung seitens der Arbeitnehmer bestehe vielmehr in einer höheren finanziellen Förderung. Entsprechend setzt sich laut Studie der Trend der Vorjahre fort, dass mittelständische Arbeitgeber die Vorsorge ihrer Mitarbeiter finanziell unterstützen, wenn diese einen eigenen Beitrag aus dem Entgelt leisten. (hwt)

Fazit
Betriebsrentenmodelle auf der Basis einer gemischten Finanzierung aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen verzeichneten 2015 Zuwächse, wie schon in den vorangegangenen Jahren. Gegenwärtig bieten 71 % der Mittelständler solche Modelle an. Der Mittelstand macht es also wieder einmal vor: Besonders in Großbetrieben mit über 250 Mitarbeitern wird die betriebliche Altersversorgung deutlich als Instrument des Personalmanagements erkannt und eingesetzt.

Onlineausgabe 01/2016